151 Gesundheitsexperten fordern Absage von Olympia – WHO beschwichtigt

Rio de Janeiro aus der Vogelperspektive
Rio de Janeiro ist einer der am stärksten vom Zika-Virus betroffenen Bundesstaaten Brasiliens. © Alamy

In einem offenen Brief an die Weltgesundheitsorganisation haben am vergangenen Freitag über 150 Gesundheitsexperten, die Absage der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro gefordert. Die Wissenschaftler befürchten eine beschleunigte Ausbreitung des Zika-Virus. Die WHO weist die Bedenken zurück.

Das Zika-Virus wütet mittlerweile in fast 60 Ländern, alle Versuche, die Überträgermücke Aedes aegypti nachhaltig zu bekämpfen, sind bisher gescheitert. Brasilien ist eines der am stärksten betroffenen Länder, hier wurden seit letztem Jahr schon 1400 Fälle von Mikrozephalie registriert. Der Geburtsdefekt tritt nach aktuellem Forschungsstand als Folge einer Zika-Infektion der schwangeren Mutter auf. Auch das Guillain-Barre-Syndrom (GBS) wurde in den Ländern, die von Zika betroffen sind, verstärkt beobachtet. GBS ist eine eigentlich eher selten auftretende neurologische Immun-Erkrankung, welche zu kurzfristigen Lähmungen führen kann. Auch diese Erkrankung scheint eine unmittelbare Folge des Zika-Virus zu sein.

 

Sind die Olympischen Spiele in Rio noch zu verantworten?

Da sie eine weitere Verbreitung des Zika-Virus befürchten, haben sich 151 Ärzte und Wissenschaftler aus 24 verschiedenen Ländern zusammengeschlossen. Sie fordern, die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro zu verschieben oder ganz abzusagen. Ihre Warnung: Eine halbe Million Olympia-Besucher könnten sich ab August mit Zika infizieren und die Krankheit in ihren Heimatländern weiterverbreiten.

In ihrer Erklärung fordern die Experten die WHO auf, eine unabhängige Expertengruppe aufzustellen, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) zu den Risiken der Zika-Verbreitung beraten könne. Dies zu versäumen und die Spiele wie geplant im August stattfinden zu lassen, halten die Unterzeichner für unverantwortlich. Auf der Petitionsseite rioolympicslater.org schreiben die Experten außerdem, dass die Verschiebung großer Sport-Events eine gängige Praxis sei, um Epidemien zu vermeiden und führen als Beispiel die Frauenfußball-WM an, die 2003 wegen SARS von China in die USA verlegt wurde. Rio de Janeiro sei im Moment ein besonders ungeeigneter Ort, um die Spiele auszutragen, da sich einerseits in der Gegend um das Olympiagelände (Barra da Tijuca) die Fälle des, ebenfalls von Aedes aegypti übertragenen Dengue-Fieber häuften und Rios Gesundheitssystem zu sehr geschwächt sei, um die weitere Ausbreitung des Zika-Virus noch effektiv bekämpfen zu können.

 

WHO verweist auf Schutzmaßnahmen

Die WHO hat auf den Brief der Gesundheitsexperten bereits reagiert. Sie weist die Bedenken zurück und stellt fest, dass eine zeitliche oder räumliche Verschiebung der Olympischen Spiele die internationale Ausbreitung nicht signifikant ändern würde. Brasilien sei nur eines von 60 betroffenen Ländern und zwischen diesen Ländern gäbe es ohnehin regen Reiseverkehr. „Der beste Weg, um das Risiko einer Erkrankung zu verringern, ist, die Reisehinweise der Gesundheitsbehörden zu befolgen", erklärte die WHO in ihrer Stellungnahme vom 28. Mai. Schwangere Frauen sollten Zika-Gebiete, inklusive Rio de Janeiro auf jeden Fall meiden. Allen anderen Reisenden rät die WHO, sich umfassend gegen Moskitos zu schützen und außerdem Gegenden mit schlechter Kanalisation und offenen Wasserstellen zu meiden, da hier Moskitos ihre Eier ablegen. Da das Zika-Virus auch sexuell übertragen wird, sollten Brasilien-Reisende und Athleten auf entsprechende Verhütung achten. Das brasilianische Gesundheitsministerium reagierte auf den Brief der Ärzte mit der Erklärung, man würde sich an die Richtlinien der WHO halten, welche das Risiko für eine Zika-Infektion im August, einem Wintermonat in Brasilien, als „minimal“ einordnen. 

Die Olympischen Spiele werden in Rio de Janeiro vom 5. bis 21. August stattfinden. Es werden ungefähr 500.000 Besucher erwartet. Nach dem letzten Zika-Report der WHO ist Brasilien das am schwersten von dem Krankheitserreger betroffene Land. Bisher wurde von 91.387 Verdachtsfällen allein im Jahr 2016, bereits ein Drittel bestätigt. Die meisten Fälle davon, 25.930 Erkrankungen wurden im Bundesstaat Rio de Janeiro gemeldet.

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Hamburg, 30. Mai 2016

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