10 Mythen über Masturbation, die immer noch in unseren Köpfen sind

Die meisten Mythen, die sich um Masturbation ranken, begleiten uns schon seit Jahrhunderten. Doch was ist dran? Die häufigsten Gerüchte im Überblick!

Frau krallt sich ins Bettlaken
Es gibt viele Mythen über Selbstbefriedigung – doch die wenigsten stimmen Foto: iStock/Andranik Hakobyan

Masturbation ist auch heute noch ein Tabuthema für viele Menschen. Trotz Aufklärung und zunehmender Thematisierung in der Öffentlichkeit wird Selbstbefriedigung häufig noch als unanständig und anstößig aufgefasst – einige denken sogar, dass Onanieren ungesund sei. Das liegt unter anderem auch an diversen Mythen über Selbstbefriedigung, die in unseren Köpfen verankert sind. Dabei ist an den meisten gar nicht so viel Wahrheit dran!

1. Mythos: Masturbation ist nur was für Männer

Besonders weibliche Lust wurde historisch lange unterdrückt und vernachlässigt. Heutzutage ist das zum Glück anders. Trotzdem denken viele noch immer, dass Selbstbefriedigung ein Thema ist, dass vor allem Männer umtreibt. Das stimmt so nicht! Zwar masturbieren Männer mit schätzungsweise 90 bis 95 Prozent häufiger als das weibliche Geschlecht. Doch laut Umfragen befriedigen sich immerhin etwa 85 Prozent der Frauen. Selbstbefriedigung ist also auch bei Frauen etwas ganz Normales.

2. Mythos: Ausnahmslos jeder Mensch masturbiert – sonst stimmt etwas nicht

Die meisten Menschen probieren Selbstbefriedigung im Laufe ihres Lebens mindestens einmal aus. Es gibt aber auch Personen, die kein Verlangen danach haben zu masturbieren. Das ist natürlich auch vollkommen in Ordnung und sollte nicht verurteilt werden. Allerdings raten Experten dazu, den eigenen Körper auf diese Art mindestens einmal zu erforschen, um zu wissen, was einem sexuell am meisten gefällt. Und es ist wichtig zu betonen, dass nicht aus Scham auf Masturbation verzichtet werden sollte!

3. Mythos: Masturbation ist gesundheitsschädlich

Erblindung, Schädigung der Nervenbahnen und schlimmstenfalls sogar der Tod: Diese Folgen schrieb man jahrhundertelang der Selbstbefriedigung zu. Heute gilt es allerdings als wissenschaftlich erwiesen, dass Masturbation nicht gesundheitsschädlich ist – im Gegenteil. Masturbation kann zum Beispiel beim Einschlafen helfen oder Stress reduzieren.

4. Mythos: Zu viel Selbstbefriedigung ist schlecht

Auch das Gerücht, dass zu viel Selbstbefriedigung schädlich ist, hält sich hartnäckig. An diesem Mythos ist ebenfalls nichts dran: Ein “Zuviel” gibt es nicht. Allerdings entwickeln einige Menschen eine Sucht nach Selbstbefriedigung, die oft mit psychischen Ursachen zusammenhängt. Wenn sich der Drang nach Onanie sogar massiv auf den Alltag auswirkt, sollte eine Verhaltenstherapie in Erwägung gezogen werden.

5. Mythos: Onanie führt zu Impotenz und Erektionsstörungen

Die Annahme, dass Selbstbefriedigung zu Impotenz oder erektiler Dysfunktion führt, ist grundsätzlich falsch. Lediglich der übermäßige Konsum von Pornos bei der Onanie kann eine psychische Auswirkung auf die Erektionsfähigkeit des Mannes haben: Die Konditionierung auf bestimmte Reize aus Pornofilmen kann dazu führen, dass Männer ihre Sexualität im Alltag weniger gut ausleben können. Eine Entwöhnung von Pornos schafft jedoch recht schnell Abhilfe.

6. Mythos: Das Dead-Vagina-Syndrom

Ein Gerücht über das sogenannte Dead-Vagina-Syndrom macht in den sozialen Medien die Runde. Gemeint ist eine Überstimulation der Vagina durch Vibratoren und Dildos, die dafür sorgt, dass Frauen durch Sex mit einem Partner nicht mehr zum Höhepunkt kommen können. Grund dafür soll die Überreizung der Vagina und der Klitoris sein.

Zwar kann die Empfindlichkeit der Vagina kurz nach der Verwendung von Vibratoren ein wenig abnehmen, allerdings handelt es sich dabei nur um einen kurzfristigen Zustand. Wenn eine Frau vermehrt oder ausschließlich durch Sexspielzeuge zum Orgasmus kommt, können diese außerdem in den Sex Akt mit dem Partner einbezogen werden.

7. Mythos: Leute in Beziehungen befriedigen sich nicht selbst

Es gibt Menschen, die der Meinung sind, dass Selbstbefriedigung in einer Partnerschaft eigenartig oder sogar mit Fremdgehen gleichzusetzen ist. Das ist nicht zwangsläufig so! Grundsätzlich hat hier natürlich jedes Paar seine eigenen Regeln, jedoch ist Masturbation nicht mit Sex vergleichbar und das eine schließt das andere nicht aus. Selbstbefriedigung sorgt – auch in einer Beziehung – für ein besseres Körpergefühl und kann zusätzlich für Entspannung sorgen. Auf diese „Me-Time“ muss man in einer Partnerschaft nicht verzichten.

8. Mythos: Männer müssen masturbieren – sonst bekommen sie „dicke Eier“

Männer, die über einen längeren Zeitraum nicht masturbieren, klagen manchmal über Samenstau oder umgangssprachlich „dicke Eier“. Der Mythos besagt, dass Männer in regelmäßigen Abständen ejakulieren müssen. Das ist nicht korrekt! Zwar werden in den Hoden konstant neue Spermien produziert, es kann aber nie zu einer Überproduktion kommen. Die Spermien, die bei einer Ejakulation den Körper nicht verlassen oder durch ausbleibende Ejakulation nicht ausgestoßen werden, werden über kurz oder lang ganz einfach abgebaut.

9. Mythos: Selbstbefriedigung sollte ab einem bestimmten Alter aufhören

Selbstbefriedigung kennt kein Alter! Auch Senioren entdecken ihren Körper durch Masturbation immer wieder neu. Wenn es sich richtig anfühlt und der Drang nach einem sexuellen Erlebnis da ist, sollte man dem nachgehen und auch im Alter nicht auf Selbstbefriedigung verzichten.

Gut zu wissen: Onanieren im Alter kann sogar die geistigen Fähigkeiten erhalten, wie eine Londoner Studie herausgefunden hat.

10. Mythos: Frauen sollten während ihrer Menstruation nicht masturbieren

Einige Frauen verzichten während ihrer Periode auf Selbstbefriedigung, weil sie es als unhygienisch empfinden. Dabei wird Masturbation während der Menstruation sogar empfohlen! Orgasmen können Unterleibsbeschwerden lindern. Bei einem Höhepunkt wird die Durchblutung in den Genitalien angeregt, wodurch Krämpfe nachlassen können. Mithilfe eines Tampons oder einer Periodentasse kann verhindert werden, dass Blut während der Selbstbefriedigung austritt. Frauen, die den Drang haben, sich während ihrer Menstruation durch Penetration zu befriedigen, können sich hierfür beispielsweise in die Badewanne legen oder ein Handtuch als Unterlage nutzen.

Text: Annabel Zoepke

Quelle:

Wright, H., Jenks, R. A., & Demeyere, N. (2019). Frequent sexual activity predicts specific cognitive abilities in older adults. The Journals of Gerontology: Series B, 74(1), 47-51.