1-Jahres-Impfung gegen Diabetes

Insulin wird gespritzt
Dank eines erfolgreichen Tests könnten Insulinspritzen bei Diabetes Typ I-Patienten bald nicht mehr nötig sein © Fotolia

Forscher haben einen Weg gefunden, Diabetes Typ I effektiv zu bekämpfen. Durch die Injektion von bestimmten Zellen könnten Patienten bald nicht mehr auf das Spritzen von Insulin angewiesen sein.

Bei Diabetes Typ I-Patienten greift das eigene Immunsystem Zellen in der Bauchspeicheldrüse an, die für die Produktion von Insulin verantwortlich sind – und zerstört sie. Das liegt daran, dass diese Patienten nicht genug von den sogenannten T-Reg-Zellen haben. Deren Aufgabe ist es, die insulinproduzierenden Zellen vor dem Immunsystem zu schützen. Ohne diesen Schutz kann der Körper nicht genügend Insulin produzieren, weshalb man es jeden Tag künstlich  selbst zuführen muss. Forschern gelang jetzt im Kampf gegen Diabetes Typ I aber der Durchbruch: Sie haben T-Reg-Zellen im Labor erfolgreich vervielfältigt. Dadurch könnte die tägliche Insulinspritze bald überflüssig sein.

 

Eine Behandlung hält ein Jahr

Die Forscher an der „University of California“ und der „University of Yale“ haben die Zellen vom Körper entfernt, um das 1.500fache vervielfältigt und sie dann erneut in den Blutkreislauf injiziert. Für den ersten Testlauf meldeten sich 14 Probanden zwischen 18 und 43 Jahren, bei denen kurz zuvor Diabetes Typ I diagnostiziert wurde. Bei allen funktionierte die einmalige Behandlung: Die Ärzte entnahmen pro Proband etwa zwei Tassen Blut, isolierten die darin vorhandenen T-Reg-Zellen und vervielfältigten sie. Nachdem diese Zellen erneut in den Blutkreislauf injiziert worden waren, nahmen sie sofort ihre Arbeit auf und schützten die insulinproduzierenden Zellen vor dem Angriff des Immunsystems. Die Probanden mussten bis zu ein Jahr lang kein Insulin mehr spritzen, danach klang die Wirkung langsam ab und sollte wiederholt werden.

„Mit dieser Behandlung könnten wir den Verlauf der Krankheit künftig maßgeblich beeinflussen“, so Dr. Jeffrey Bluestone, einer der führenden Forscher des Versuches. Denn so wird nicht nur die Insulinspritze für lange Zeit überflüssig, sondern es werden auch viele der möglichen Nebenwirkungen von Diabetes Typ I blockiert. Beispielsweise könnten Amputationen oder eine spätere Erblindung verhindert werden.

 

T-Reg-Zellen als Wundermittel gegen Autoimmunkrankheiten?

Die Wissenschaftler glauben, dass die Behandlung mit T-Reg-Zellen nicht nur gegen Diabetes, sondern auch gegen andere Autoimmunkrankheiten wie beispielsweise rheumatoide Arthritis helfen könnte. Weitere Studien in dieser Richtung sollen daher folgen. Die Ergebnisse der T-Reg-Studie erschienen im Magazin „Science Translational Medicine“.

Hamburg, 27. November 2015

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