Zucker vs. Salz: Was wirklich dem Herzen schadet

Zucker erhöht den Blutdruck
Viele Menschen decken ihren kompletten Tagesbedarf an Kalorien allein mit Zucker
Zu viele Kalorien, ein Mangel an Bewegung, Übergewicht, Stress und – immer wieder ganz oben mit dabei – ein erhöhter Verzehr von Salz gelten als wichtigste Auslöser für Bluthochdruck. Doch der vielleicht entscheidende Faktor wird in dieser Liste seltsamerweise immer wieder vergessen: Zucker. Praxisvita hat die Fakten.

Rund 40 Prozent der jährlichen Todesfälle in Deutschland gehen auf Herz-Kreislauferkrankungen zurück. Hauptursache für diese beinahe 350.000 Toten ist erhöhter Blutdruck. Eine Erkrankung, an der rund 20 bis 30 Millionen Deutsche leiden, die von vielen Betroffenen aber nicht als lebensgefährlich angesehen wird.

Ärzte warnen deswegen zu Recht vor einer Lebensweise, die den Blutdruck in die Höhe jagen könnte. Und eine tägliche Zufuhr von mehr als sechs Gramm Salz galt dabei bislang als besonders blutdrucksteigernd.

Die Verringerung der Salzaufnahme hat wenig Einfluss auf den Blutdruck

Doch die US-amerikanischen Forscher Dr. James DiNicolantonio vom Saint Luke's Mid America Heart Institute (Kansas City) und Dr. Sean C. Lucan vom Albert Einstein College of Medicine in New York widersprechen dieser These und erklären in einer aktuellen Studie: Salz habe zwar einen gewissen Einfluss auf das Herz-Kreislaufsystem, die Verringerung der täglich aufgenommenen Salzmenge senke das Bluthochdruck-Risiko aber nur unwesentlich.

Viel bedeutsamer für die Regulierung des Blutdrucks ist nach Aussagen der Forscher die Aufnahme eines anderen Stoffs, der versteckt in verarbeiteten Lebensmitteln täglich in großen Mengen konsumiert wird: Zucker. Besonders die Hinzugabe von Fruchtzucker – z.B. in Softdrinks und Säften – sei ein selbst in Fachkreisen stark unterschätzter Auslöser für Bluthochdruck.

Jeder achte nimmt seine Kalorien komplett über Zucker auf

Die Studie zeigt, dass Menschen, die rund zehn bis 25 Prozent ihrer täglichen Kalorienaufnahme über Zucker beziehen, ein um 30 Prozent höheres Risiko haben, an Herz-Kreislauferkrankungen zu sterben, als Menschen, die unter dieser Zehn-Prozent-Marke liegen. Durchschnittlich reichen bereits 74 Gramm Zucker pro Tag, um diese 30 prozentige Steigerung des Herz-Kreislauf-Risikos zu erreichen.

Das US-amerikanische Center for Disease Control and Prevention fand in einer Untersuchung zudem heraus, dass rund 16 Prozent der Bevölkerung ihren kompletten Tagesbedarf an Kalorien schon durch die Aufnahme von Zucker decken. Davon gehen rund 40 Prozent auf zuckerhaltige Getränke zurück.

Versteckte Zucker-Fallen

Als problematisch bezeichnen die Forscher, dass der durchschnittliche Zuckerverbrauch pro Tag in westlichen Industrienationen häufig sogar über 74 Gramm liege. In den USA verbrauchen Kinder wie Erwachsene täglich bis zu 200 Gramm Zucker  – was in etwa 800 Kalorien und 40 Teelöffeln Zucker entspricht.

Die Forscher raten deswegen dazu, mit den täglichen Lebensmittel nicht die Mindestmenge an Zucker (rund 25 bis 50 Gramm) zu überschreiten. Sie räumen aber auch ein, dass dies – allein schon deswegen, weil sich Zucker in fertigen Lebensmitteln nicht nur in süßen Speisen verbirgt, sondern vor allem auch in vielen vermeintlich salzigen – für den Verbraucher schwerer zu kontrollieren sei, als im Falle der Salzaufnahme.

Hamburg, 16. Dezember 2014