Zahl der Hodenkrebsfälle steigt – sind Handys Schuld?

Smartphone in der Hosentasche
Wie gefährlich ist es, sein Smartphone in der Hosentasche zu tragen?
Ein Tour-de-France-Profi muss wegen Hodenkrebs das Radrennen abbrechen. Eine Studie weist auf eine steigende Zahl der Neuerkrankungen hin. Was kann die Ursache sein?

In Europa und den USA steigt die Zahl der Hodenkrebsfälle. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Chicago, die vor Kurzem in der Fachzeitschrift World Journal of Urology veröffentlicht wurde.

Um zu ihrem Ergebnis zu gelangen, werteten die Wissenschaftler in den USA die Datenbank Surveillance, Epidemiology, and End Results (SEER) und in Europa das European Network of Cancer Registries (EUREG) aus. Dabei untersuchten sie die Periode von 1992 bis 2009.

In den untersuchten Jahren stieg in den USA die Zahl der Neuerkrankungen von 5,7 pro 100 000 Männer auf 6,8. Auch in den meisten europäischen Ländern zeigte sich eine vergleichbare Entwicklung.

Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt Hinweise, wie Sie die Strahlenbelastung durch Handys und Smartphones verringern können

Telefonieren Sie mit Headset, um den Abstand zwischen Körper und Gerät zu vergrößern.

Surfen Sie nur im Internet, wenn Sie W-LAN haben, dann ist die Sendeleistung in der Regel geringer, als bei UMTS- oder LTE-Verbindungen.

Achten Sie darauf, dass E-Mails nur manuell abgerufen werden können, damit das Gerät keine E-Mails abruft, während Sie telefonieren, da das die Strahlenbelastung deutlich erhöht.

Eindeutige Ursachen für die Entwicklung eines Hodenkrebses können Experten bislang nicht benennen. Es gibt jedoch einige Risikofaktoren, welche die Entstehung von Hodenkrebs begünstigen: Etwa ein Hodenhochstand in früher Kindheit oder die Erkrankung eines Verwandten ersten Grades. Doch es ist unwahrscheinlich, dass diese Ursachen für eine steigende Zahl der Neuerkrankungen verantwortlich sind.  

Auffällig ist die Verbindung aus steigenden Hodenkrebszahlen und der Verbreitung von Mobiltelefonen. Doch kann Handy-Strahlung wirklich Hodenkrebs auslösen?

Hodenkrebs durch Handystrahlung

Die Weltgesundheitsorganisation stuft Handystrahlung als „möglicherweise krebserregend ein“ – das geht aus einer Studie aus dem Jahr 2011 hervor. Es gibt bislang wenige epidemiologische Studien, die einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Tumoren und Handystrahlung herstellen. Ob Handystrahlung wirklich Hodenkrebs verursacht, kann bislang nicht belegt werden.

Hodenkrebs durch Cannabis

Vergangene Studien, die alle in den USA durchgeführt wurden, zeigen: Männer, die Marihuana konsumieren, erkranken statistisch gesehen häufiger an Hodenkrebs als Gleichaltrige, die nie zum Joint greifen. Das Hodenkrebsrisiko nahm zu, je länger Cannabis konsumiert wurde. Die Studien belegen auch, dass durch das Kiffen die Gefahr sogenannter Nichtseminome – die aggressivere Form von Hodenkrebs – gesteigert wurde.

Hodenkrebs durch Radfahren

Seit bekannt wurde, dass Lance Armstrong, 34, mehrfacher Tour-de-France-Sieger, mit 25 Jahren an Hodenkrebs erkrankte, hält sich hartnäckig das Gerücht vom Hodenkrebs durch Radfahren. Das befördert jetzt auch wieder die Hodenkrebserkrankung von Ivan Basso, der deswegen die Tour-de-France abbrechen muss. Ein Zusammenhang zwischen Radfahren und Hodenkrebs konnte bislang nicht wissenschaftlich bewiesen werden. Vorsicht gilt aber bei Männern ab 50: Nicht zu viel fahren! Eine aktuelle Studie zeigt, dass mehr als vier Stunden pro Woche das Risiko für Prostata-Krebs um das Vierfache erhöht.

Hodenkrebs durch Doping

Können die Nebenwirkungen von längerem Dopingmissbrauch Hodenkrebs auslösen? Mediziner sind sicher, dass Doping das Krebsrisiko erhöht.  Prof. Wolf Schmiegel, Leiter der Abteilung für Innere Medizin an der Ruhruniversität Bochum: „Einige Dopingmittel erhöhen den Spiegel eines insulinähnlichen Eiweißhormons im Blut. Dieses Hormon wirkt wie Dynamit für die Muskeln, lässt die Zellen besonders schnell wachsen. Zellen, die aber quasi ständig mit gedrücktem Gaspedal wachsen, entarten auch schneller. Und aus entarteten – also veränderten – Zellen entsteht Krebs.“ Doping kann also Hodenkrebs auslösen.

Hamburg, 13. Juli 2015