Wie nehme ich Medikamente richtig ein?

Mann nimmt Hustensaft
Neben dem Wirkstoff ist vor allem die richtige Einnahme von Medikamenten für einen schnellen Genesungserfolg verantwortlich
Nicht nur die Inhaltsstoffe eines Medikaments entscheiden über seine Wirkung. Auch die richtige Zeit und Art der Einnahme haben einen großen Einfluss. Wir klären auf, wie Sie Medikamente richtig einnehmen und was die häufigsten Formulierungen auf dem Beipackzettel bedeuten.

Wie oft einnehmen?

Um einen ausreichend hohen Wirkstoffspiegel eines Medikaments sicherzustellen, kommt es auf eine regelmäßige Einnahme an. Sofern nichts anderes mit dem Arzt besprochen wurde, können Sie sich an diese Richtlinien halten:

Einmal täglich: Das Arzneimittel sollte immer zur gleichen Tageszeit eingenommen werden. Eine Abweichung von maximal zwei Stunden ist in der Regel kein Problem.

Zweimal täglich: Die Einnahme sollte am besten alle zwölf Stunden erfolgen.

Dreimal täglich: Achten Sie darauf, das Medikament morgens, mittags und vor dem Schlafengehen einzunehmen. Am wirkungsvollsten ist ein Abstand von etwa acht Stunden.

Der beste Einnahmezeitpunkt

Weshalb einige Arzneimittel vor, andere nach dem Essen eingenommen werden sollen, hängt mit dem Stoffwechsel zusammen. Nahrungsmittel haben nämlich einen bedeutenden Einfluss auf die Aufnahme von Wirkstoffen. Doch gerade in diesem Punkt sind die Hinweise auf dem Beipackzettel meist nicht eindeutig genug.

Vor dem Essen: Das Medikament muss 30 Minuten bis eine Stunde vor der nächsten Mahlzeit eingenommen werden. Denn auf nüchternen Magen setzt die Wirkung mancher Mittel schneller ein.

Mit der Mahlzeit: Sie sollten das Präparat während oder unmittelbar nach der Mahlzeit einnehmen. Die Nahrung kann somit die magenreizende Wirkung bestimmter Präparate (u. a. häufig bei Schmerz- und Rheumamitteln) verhindern.

Nach dem Essen: Damit ist ein mindestens zweistündiger Abstand zur letzten Mahlzeit gemeint. Bestimmte Lebensmittel könnten ansonsten die Wirkstoffaufnahme blockieren. Das Kalzium in Milch etwa verhindert, dass Antibiotika in die Blutbahn und so an ihr Ziel gelangen.

Wie viel ist „reichlich Flüssigkeit“?

Damit ist ein volles Glas (mindestens 200 ml) gemeint. Die Mineralien in Mineralwasser bremsen übrigens die Aufnahme einiger Medikamente in den Stoffwechsel. Kaffee, Saft und Milch können die Wirkung von Arzneimitteln ebenfalls verändern. Leitungswasser ist deshalb am besten geeignet.

Müssen Arzneimittel aufgebraucht werden?

Ja, wenn angegeben ist, dass Sie das Medikament einnehmen sollen, bis die Packung leer ist. Gerade Antibiotika müssen über längere Zeit wirken, damit alle Keime abgetötet werden.

Darf man alle Tabletten teilen?

Tabletten mit einer Bruchrille dürfen immer geteilt werden? Irrtum! Die Rille gibt es manchmal nur aus optischen oder produktionstechnischen Gründen. Teilen Sie eine Tablette nur, wenn das ausdrücklich vom Arzt oder Apotheker empfohlen wurde. Ansonsten kann zu viel Wirkstoff auf einmal freigesetzt werden – eine Überdosis droht.

Tablette vergessen – doppelte Menge einnehmen?

Haben Sie eine Tablette vergessen, sollten Sie am Folgetag nicht die doppelte Dosis einnehmen, denn das kann schädlich sein. In der Regel ist es ausreichend, wenn Sie die Behandlung am Tag nach der „Einnahmelücke“ in der regulären Dosierung fortsetzen. In Zweifelsfällen fragen Sie Ihren Apotheker.

Tabletten schlucken

Am leichtesten lassen sich Tabletten schlucken, wenn Sie den Kopf nach hinten beugen? Ganz im Gegenteil. Legen Sie den Kopf nach hinten, kann es passieren, dass die Tablette auch nach dem Schlucken noch im Mund ist. Noch schlechter ist, den Kopf ruckartig nach hinten zu werfen. Dann wird die Tablette gegen den Gaumen gespült und abgebremst. So geht’s einfacher: Kopf in Richtung Brust neigen, wenn Sie die Pille schlucken.

Bei Nebenwirkungen einfach die Dosierung ändern

Nebenwirkungen sollten Sie immer mit dem Arzt besprechen. Er kann Ihnen dann z. B. ein ähnliches Medikament mit einem anderen Wirkstoff verschreiben.

Verkehrstüchtigkeit

Etwa jeder vierte Verkehrsunfall ist auf die Einnahme von Medikamenten zurückzuführen. Darauf weist aktuell der TÜV SÜD hin. Wird im Beipackzettel unter dem Punkt „Verkehrstüchtigkeit“ ein ausdrückliches Fahrverbot ausgesprochen, sollten Sie sich unbedingt daran halten. Wer es ignoriert, macht sich strafbar. Dieser Hinweis gilt vor allem für Beruhigungs- und Schlafmittel oder pupillenerweiternde Augentropfen. Besonders nach der Einnahme von Schlafmitteln ist eine ausreichend lange Wartezeit Voraussetzung, um sich wieder gefahrlos hinters Steuer setzen zu können. Mindestens acht Stunden sollten zwischen Einnahme und der Teilnahme am Straßenverkehr liegen.

Schwarzes Dreieck

Seit September 2013 befindet sich auf einigen Beipackzetteln ein schwarzes Dreieck. Das Symbol wird um den Satz „Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung“ ergänzt. Das betrifft z. B. Medikamente, deren Wirkstoffe noch nicht lange auf dem Markt sind. Deshalb sollten Sie Nebenwirkungen, auf die Sie im Beipackzettel keine Hinweise finden, bei Ihrem Arzt melden. Die Kennzeichnung bedeutet übrigens nicht, dass ein Medikament unsicher ist.

Im Zweifel nachfragen

Im Zweifel bitten Sie zur Sicherheit immer Ihren Arzt oder Apotheker um Hilfe. Das gilt besonders dann, wenn Sie bei möglichen Wechselwirkungen unsicher sind.