Ohrenschmerzen (medizinisch: Otalgie) treten häufig „im Gefolge“ von Nasennebenhöhlen- und Rachenentzündungen auf. PraxisVITA erklärt, welche Ursachen die Beschwerden haben und was dagegen hilft.

Was sind Ohrenschmerzen?

Ein Unglück kommt selten allein: Ohrenschmerzen (medizinisch: Otalgie) treten häufig „im Gefolge“ von Nasennebenhöhlen- und Rachenentzündungen auf. Sie sind keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, das mehrere Ursachen haben kann. Ohrenschmerzen treten vor allem bei Kindern auf und gehören bei ihnen zu den häufigsten Krankheiten.

Besonders oft sind Kinder betroffen

Ohrenschmerzen sind ein besonders bei Kindern häufig auftretendes Symptom. Es gibt verschiedene Ursachen, die zu Ohrenschmerzen führen können. Zu ihnen zählen unter anderem Entzündungen des Mittel- und Außenohrs, Zahn- und Kieferprobleme, Fremdkörper im Ohr sowie Mandel- und Rachenentzündungen.

Kinder häufig von Ohrenschmerzen betroffen

Kinder sind besonders häufig von Ohrenschmerzen betroffen

Mediziner unterscheiden diese Ursachen in primäre und sekundäre Otalgien – je nachdem, ob eine Erkrankung des Ohres selbst (primär) oder eine andere Erkrankung (sekundär) die Ohrenschmerzen verursacht. Bei Kindern ist meist das Ohr selbst erkrankt und verursacht Ohrenschmerzen, bei Erwachsenen liegen häufig andere Gründe vor.

Aufbau der Ohren

Um die Ursachen von Ohrenschmerzen verstehen zu können, ist es hilfreich, den grundlegenden Aufbau der Ohren zu kennen. Mediziner unterteilen die Ohren jeweils in Außenohr, Mittelohr und Innenohr.

Die Aufgabe des Außenohrs besteht darin, Schallwellen einzufangen und an das Trommelfell weiterzuleiten. Es besteht aus dem äußerlich sichtbaren Anteil des Ohrs inklusive Ohrmuschel und Ohrläppchen sowie dem äußeren Gehörgang. Der äußere Gehörgang endet an der Außenseite des Trommelfells, welches die Grenze zwischen Außenohr und Mittelohr bildet.

Das Mittelohr wandelt eintreffende Schallwellen um und leitet sie ans Innenohr weiter. Zunächst versetzt dabei der vom Außenohr eintreffende Schall das Trommelfell in Schwingung. Die über kleine Gelenke miteinander verbundenen Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel) verstärken diese Schwingungen und leiten sie durch die sogenannte Paukenhöhle an das Innenohr weiter. Die Paukenhöhle ist über die Ohrtrompete (sog. Eustach‘sche Röhre) mit dem Rachen verbunden.

Ohrenschmerzen

Das Außenohr fängt Schallwellen auf und leitet sie weiter


Die Funktion des Innenohrs

Das Innenohr wandelt schließlich diese Schwingungen in Nervenreize um und leitet sie an das Gehirn weiter. Es besteht aus der Gehörschnecke und dem Gleichgewichtsorgan. Beide enthalten eine Flüssigkeit (Endolymphe) und besitzen sogenannte Haarzellen. Dies sind Zellen mit an Haare erinnernden Fortsätzen (Stereozilien). Gerät die Flüssigkeit innerhalb der Gehörschnecke oder dem Gleichgewichtsorgan durch Schall oder Kopfbewegungen in Bewegung, biegen sich die Härchen und erzeugen dadurch Nervenreize, welche ein Rezeptor („Empfänger“) aufnimmt und an das Gehirn weiterleitet.

Hilft ein Luftballon gegen Ohrenschmerzen?

Bei einem sogenannten Paukenerguss („Leimohr“) sammelt sich Flüssigkeit im Mittelohr und verklebt es – Ohrenschmerzen sind die Folge. Häufig sind Kinder von dem Phänomen betroffen, gegen das es bisher kaum wirksame Heilmethoden gab. Forscher der University of Southhampton haben nun eine gefunden: Ein sogenannter Nasenballon erleichtert demnach die Belüftung der Paukenhöhle und löst den Schleim. 320 Kinder waren an dem entsprechenden Test beteiligt: Dabei gelang die Luft aus dem Ballon durch ein Röhrchen in die Nase. Parallel musste ein Schluck Wasser getrunken werden, damit der Gaumen die Nasenhöhle beim Schlucken gegen den Rachen abgedichtet hat. Dadurch entwich die Luft aus dem Ballon in die Paukenhöhle und drückte die dortige Flüssigkeit in den Rachenraum. Nach einem Monat, in dem der Nasenballon dreimal am Tag eingesetzt wurde, waren 47 Prozent der Kinder von dem schmerzhaften Leimohr befreit. Mehr Informationen zu dem Verfahren finden Sie im Artikel „Luftballon gegen Ohrenschmerzen.“