Was kann ich tun, wenn mein Kind schlecht schläft?

Expertin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Wenn ihr Kind im dunklen Kinderzimmer Angst hat, seien Sie verständnisvoll und schalten Sie gegebenenfalls ein Nachtlicht ein.“
Besonders mit dem Einschlafen haben viele Kinder Probleme. Woran das liegt und wie Eltern helfen können, damit der Nachwuchs einen gesunden Schlaf bekommt, weiß Kinderärztin Dr. Nadine Hess.

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Im Haus knarzt das Holz, das eigene Zimmer sieht im Dunkeln irgendwie unheimlich aus und der Streit mit der besten Freundin geht einem auch nicht aus dem Kopf: Es gibt zahlreiche Gründe, warum es Kindern schwerfällt, ein- oder durchzuschlafen. Die gute Nachricht für Eltern: Gegen die meisten Ursachen für schlechten Schlaf können Sie zusammen mit Ihrem Kind etwas tun!

Fantasie verursacht Ängste

Die Fantasie spielt besonders kleinen Kindern gern Streiche. Wenn der Nachwuchs Ihnen unter Tränen vom Monster unterm Bett berichtet, nehmen Sie seine Angst unbedingt ernst. Denn Sie können davon ausgehen, dass das Kind gern schlafen würde, aber einfach nicht kann. Durch die empfundene Angst schüttet der Körper Stresshormone aus und versetzt sich somit in einen Alarmzustand – einschlafen wird dadurch so gut wie unmöglich. Wenn Sie jetzt schimpfen oder die Angst nicht ernst nehmen, werden nur noch mehr Stresshormone ausgeschüttet. Die bessere Alternative: Machen Sie das Licht an, beruhigen Sie das Kind und zeigen Sie ihm, dass unter dem Bett nichts Böses lauert. Manchen Kindern hilft in diesem Fall auch ein Nachtlicht.

Auch Kinder leiden unter dem Gedankenkarussell in der Nacht

Alltagsprobleme, die uns in der Nacht kein Auge zutun lassen, beschäftigen auch Kinder. Dabei kann es um einen zurückliegenden Streit gehen, um die morgige Mathearbeit oder die nicht gemachten Hausaufgaben. Hier hilft nur ein klärendes Gespräch mit dem Nachwuchs: Nehmen Sie sich abends kurz vor der Schlafenszeit ein paar Minuten und sprechen Sie mit Ihrem Kind über seinen Alltag. Die meisten Kinder werden von selbst von ihrem Kummer und ihren Sorgen berichten, weil sie sich von den Eltern Zustimmung und Trost erhoffen. Und wenn sie darüber sprechen, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass die Gedanken zu kreisen beginnen, sobald sie im Bett liegen.

Mädchen schaut fern

Wenn Ihr Kind vor dem Schlafengehen noch fernsehen möchte, sollte es keine aufregenden Filme mehr sehen. Sonst kann es zu Einschlafstörungen kommen

Aufregung vor dem Schlafengehen tut keinem Kind gut – auf Actionfilme oder sonstige Unterhaltung dieser Art sollte also verzichtet werden. Denn dadurch werden Kinder nicht nur wieder wach, bei einigen werden so auch Albträume ausgelöst. Und diese sorgen wiederum oft dafür, dass sich der Nachwuchs ins Bett der Eltern flüchtet. Dieses steht in den Augen der Kleinen für Trost und Sicherheit. Sollte Ihr Kind also nach einem Albtraum unter Ihre Bettdecke kriechen, unternehmen Sie nichts dagegen. Meist wird das Kind dann allein durch die beruhigende Nähe schnell wieder einschlafen und Sie können am nächsten Tag mit ihm über den Albtraum sprechen.

Was ist der Nachtschreck?

Beim Nachtschreck handelt es sich um ein Phänomen, das bei Kindern im Alter zwischen vier und zwölf Jahren auftritt, in manchen Fällen aber auch in noch jüngerem Alter. Eine bis drei Stunden nach dem Einschlafen schrecken die Kinder mit einem Schrei auf und sind extrem verängstigt. Für Eltern besonders schlimm: Die Kinder sind gar nicht wirklich wach, weshalb sie auch nicht auf ansprechen oder Berührungen reagieren und sich dementsprechend nicht beruhigen lassen. Das Phänomen kann ein paar Minuten dauern, dann klingt es ab. Die Ursachen für den Nachtschreck sind noch nicht vollständig geklärt, Experten vermuten aber unbewältigte, traumatische Stresssituationen als Auslöser. Sie sollten aber vorsichtshalber ärztlich abklären lassen, ob nicht auch eine bestimmte Form von Epilepsie hinter dem Anfall stecken könnte.

  • Sport, koffeinhaltige Getränke und „schwere“ Mahlzeiten wie beispielsweise Pizza sollten direkt vor dem Schlafengehen vermieden werden
  • Handy, Fernseher und Tablet sollten eine Stunde vor dem Einschlafen tabu sein: Die sogenannten blauen Wellenlängen ihres Lichtes machen uns wach
  • Das Zimmer noch einmal gut durchlüften und dann für die persönliche Wohlfühltemperatur zum Schlafen sorgen. Meist liegt diese zwischen 16 und 18 Grad
  • Helles Licht sollte vermieden werden. Auch Stand-by Lichter können den Schlaf beeinträchtigen. Ausnahme: Ein Nachtlicht, falls sich das Kind im Dunklen fürchtet
  • Regelmäßige Schlafenszeiten und Einschlafrituale fördern den Schlaf. Dazu kann beispielsweise aus einem Buch vorgelesen werden