Verstopfung ist ein Tabuthema und zählt zugleich zu den häufigsten Magen-Darm-Beschwerden. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Der Stuhl ist hart oder klumpig und lässt sich nur durch starkes Pressen absetzen. PraxisVITA erklärt, wie Verstopfung entsteht und was hilft.

Was ist eine Verstopfung?

Von einer Verstopfung (Fachausdruck: Obstipation) spricht der Arzt dann, wenn der Betroffene Verdauungsstörungen schildert und sich diese Beschwerden auch objektiv nachvollziehen oder messen lassen. Eine Verstopfung liegt immer dann vor, wenn Betroffene weniger als dreimal pro Woche Stuhlgang haben. Für Säuglinge und Kleinkinder gilt: Einmal pro Woche Stuhlgang oder weniger sowie ein harter, trockener Stuhl deuten auf eine Verstopfung hin. Betroffene haben außerdem oft das Gefühl, sich nur unvollständig entleeren zu können. Dauert eine Verstopfung länger als drei Monate an, so liegt eine chronische Verstopfung vor. Wird rechtzeitig der Arzt aufgesucht, so lassen sich die Beschwerden gut behandeln.

Grundsätzlich unterscheidet der Arzt zwei Formen der Verstopfung. Bei einer primären, funktionellen Verstopfung lässt sich keine organische Ursache feststellen. Eine sekundäre Verstopfung liegt immer dann vor, wenn die eigentliche Ursache eine andere Erkrankung (zum Beispiel Schilddrüsenunterfunktion) oder die Einnahme bestimmter Medikamente ist.

Verstopfung

Viele Menschen möchten aus Scham nicht einmal mit ihrem Arzt über die Beschwerden sprechen. Dabei ist eine frühzeitige Behandlung wichtig, damit die Verstopfung nicht chronisch wird


Verstopfung — eine Alterserscheinung?

Verstopfung ist auch eine Erkrankung des Alters, da ihre Häufigkeit ab dem 65. Lebensjahr deutlich zunimmt. Das hat im Wesentlichen drei Gründe:

  • steigendes Risiko für Erkrankungen, die eine Verstopfung auslösen können
  • erhöhte Einnahme von Medikamenten, die Verstopfungen auslösen können (zum Beispiel Diuretika, Schmerzmittel)
  • zu wenig Bewegung oder gar Bettlägrigkeit

Verstopfung

Gerade Betroffene mit chronischer Verstopfung leiden oft unter einer Einschränkung der Lebensqualität


Chronische Verstopfung: Wenn sich ein „Megakolon“ bildet

Bei einem Megakolon handelt es sich um eine Erweiterung des Darms, die vor allem durch chronische Verstopfung ausgelöst wird. Es ist aber auch möglich, dass das Phänomen angeboren oder die Folge einer anderen Erkrankung wie beispielsweise Colitis ulcerosa ist. Durch eine Fehlbildung der Nervenstrukturen in der Darmwand zieht sich der Darmabschnitt zusammen. Dadurch kann der Darm nicht mehr richtig entleert werden, wodurch sich Stuhlansammlungen bilden. Diese führen dann schließlich zur Darmerweiterung. Ein Megakolon macht sich durch Symptome wie Erbrechen und einen dauerhaft aufgeblähten Bauch bemerkbar. Von der angeborenen Form, die auch als „Hirschsprung“ bezeichnet wird, sind eher Jungen als Mädchen betroffen – oft wird das Syndrom schon in der Kindheit diagnostiziert.

Die Beschwerden einer chronischen Verstopfung können mitunter belastend sein und Lebensqualität sowie Wohlbefinden deutlich einschränken. Experten vergleichen den Leidensdruck mit anderen chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder einer Depression.