Was ist Magersucht (Anorexie)?

Bei einer Magersucht weigern sich Betroffene, genügend Nahrung zu sich zu nehmen. Trotz Untergewicht fühlen sie sich zu dick. Praxisvita erklärt, wie die gefährliche Krankheit entsteht und wie sich eine Magersucht behandeln lässt.

Was ist Magersucht (Anorexie)?

Magersucht ist eine psychische Erkrankung, die sich im Essverhalten äußert: Die Betroffenen nehmen nur noch sehr wenig Nahrung zu sich und magern ab. In den meisten Fällen kontrollieren Magersüchtige genau ihr Gewicht und stellen strenge Regeln dafür auf, was sie zu sich nehmen. Sie haben trotz Untergewicht große Angst vor einer Gewichtszunahme. Mit der Zeit führt die Magersucht oft zu körperlichen Beschwerden – zum Beispiel haben viele Betroffene Kreislaufprobleme, Haarausfall und die Regelblutung bleibt aus. Hinzu kommen psychische Folgen wie sozialer Rückzug und Depressionen.

Von einer Anorexie sprechen Ärzte eigentlich allgemein bei Patienten, die nicht essen wollen, auch wenn sie zum Beispiel aus körperlichen Gründen den Appetit verlieren. Umgangssprachlich bezeichnen viele Menschen aber speziell die Magersucht – genauer Fachausdruck: Anorexia nervosa – kurz als Anorexie.

Wer ist von Magersucht betroffen?

Magersucht ist eine Erkrankung, die vor allem bei Mädchen und jungen Frauen zwischen 12 und 21 Jahren auftritt, grundsätzlich kann sie aber Männer und Frauen in jedem Alter betreffen. Forscher gehen davon aus, dass von 200 Frauen ein bis zwei magersüchtig sind. Nur etwa jeder zehnte Fall betrifft einen Jungen oder Mann; die Zahl lässt sich aber nur schwierig ermitteln, da Männer mit Essstörungen noch seltener professionelle Hilfe suchen als Frauen.

Magersucht (Anorexie) meist gestörtes Selbstbild

Magersucht (Anorexie) geht meist mit einem gestörten Selbstbild einher

Generell gilt ein Körpergewicht von mehr als 15 Prozent unter dem Normalgewicht (im Verhältnis zu Größe und Alter einer Person) als ein Diagnosekriterium für Magersucht. Die Erkrankung lässt sich aber in den seltensten Fällen durch eine erzwungene Gewichtszunahme heilen, da hinter Anorexie eine tief verwurzelte psychische Störung steckt. Die Betroffenen können ihren Körper nur schlecht annehmen, haben ein geringes Selbstbewusstsein und versuchen, Gefühle der Unsicherheit durch eine starke Kontrolle ihres Körpers auszugleichen. Viele Magersüchtige schränken nicht nur ihr Essen ein, sondern versuchen zusätzlich durch zwanghaften Sport, Appetitzügler, Abführmittel oder entwässernden Medikamente ihr Körpergewicht niedrig zu halten.

Oft fällt es Menschen mit Anorexie lange Zeit schwer, sich ihr Problem einzugestehen und Hilfe von außen zuzulassen. Dabei ist eine frühzeitige Behandlung ist bei Magersucht besonders wichtig, da Körper und Seele auf Dauer leiden und Schaden nehmen können. Zehn Prozent der Magersüchtigen sterben im Krankheitsverlauf – entweder an körperlichen Folgeschäden wie einem Organversagen oder sie begehen Suizid. Umso wichtiger ist es, als Angehöriger die Zeichen früh zu erkennen und als Betroffener Hilfe von Therapeuten und Ärzten anzunehmen.

Traurige Frau

Magersucht führt bei vielen Betroffenen zu einem sozialen Rückzug. Die Patienten fühlen sich unverstanden und möchten sich meist nicht helfen lassen


Hilfe aus der Forschung: Kann Stricken Magersucht heilen?

Vielen Magersüchtigen fällt es schwer, an etwas anderes als ans Essen zu denken. Oft kreisen ihre Gedanken von morgens bis abends um Kalorien und den besten Weg, an Gewicht zu verlieren. Kanadische Forscher untersuchten 2009 deshalb in einer kleinen Studie, wie man Menschen mit Magersucht von diesen Gedanken abbringen kann. Ihre Ergebnis: Stricken sei ein guter Weg, um das seelische Wohlbefinden von Patientinnen zu verbessern. Für die Studie erlernten 38 betroffene Frauen das Stricken. 74 Prozent von ihnen gaben an, dass sie dadurch weniger an Ängsten litten und seltener an ihre Essstörung dachten.