Warum Raucher singen sollten

Ein Frauenchor singt draußen
Viele Raucher entwickeln im Laufe ihres Lebens eine sogenannte COPD. Die Lungenerkrankung geht mit einem hohen Leidensdruck einher – Singen kann dabei helfen, Betroffenen den Alltag zu erleichtern, zeigt eine Studie
Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen sind im Alltag stark eingeschränkt. Die kleinste Anstrengung kann sie in Atemnot versetzen – das ist für die Betroffenen extrem belastend. Britische Forscher haben ein einfaches Mittel gefunden, das Patienten das Leben ein bisschen erleichtern kann: Singen.

Im Auto, unter der Dusche oder im Chor: Singen wirkt entspannend und erzeugt Glücksgefühle. Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD (chronic obstructive pulmonary disease) profitieren besonders von therapiebegleitendem Singen, wie Wissenschaftler des Londoner Imperial College herausgefunden haben.

Das Team analysierte in einer Metastudie die Ergebnisse von sechs Forschungsarbeiten zur Wirkung von Gesangsunterricht in der Gruppe auf Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen.

Singen in der Gruppe steigert Wohlbefinden

Die Studienteilnehmer nahmen an speziellen Programmen namens „Singing for Lung Health“ (SLH) teil. In diesen Kursen bekommen Lungenpatienten neben dem Gesangsunterricht auch Anleitungen zur richtigen Atmung und Körperhaltung. Ein weiterer Pfeiler des therapieunterstützenden Programms ist die Gelegenheit zu sozialen Kontakten und dem Austausch mit anderen Betroffenen.

Die britischen Forscher interessierten sich bei ihrer Analyse für die Auswirkungen der Kurse auf den Gesundheitszustand, aber auch auf das psychische Befinden der Probanden. Die Auswertung zeigte: Die Singstunden hatten vor allem Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Patienten. Sie berichteten über eine höhere Lebensqualität und weniger Angstzustände.

Kaum körperliche Auswirkungen

Die Wirkung auf die Belastbarkeit der Lunge fiel weniger stark aus – lediglich in einer Studie zeigten sich Verbesserungen in einigen Bereichen der Lungenfunktion. Die Studien haben außerdem Einschränkungen: So bemängeln die Autoren die geringe Probandenzahl einiger Arbeiten und zum Teil fehlende Kontrollgruppen.

Dennoch: Besonders Patienten mit COPD halfen die Gesangsstunden, besser mit ihrer Krankheit zurechtzukommen. Bei dieser Erkrankung, die zu rund 80 Prozent auf Rauchen zurückzuführen ist, ist das Lungengewebe irreversibel geschädigt – es gibt keine Heilung. Da der Alltag mit COPD extrem belastend sein kann, ist es für die Betroffenen besonders wichtig, Maßnahmen zu finden, die ihnen das Leben mit der Krankheit etwas erleichtern.

In Deutschland sind Gesangsgruppen für Lungenkranke bisher weniger verbreitet. Vereinzelt gibt es sie schon – etwa im Oldenburger Pius-Hospital, wo jede Woche ein offener Singtreff für Patienten mit Lungenerkrankungen stattfindet. Aber auch die Teilnahme im Kirchenchor oder anderen Gesangsgruppen kann Betroffenen helfen, denn auch da macht das Singen Spaß – und glücklich, wie zahlreiche Studien belegen.

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