Wahrheiten über das Niesen

Ein Junge niest
Beim Niesen werden rund 40.000 Tröpfchen aus Nasensekret an die Umgebungsluft abgegeben – besonders ansteckend ist das für Menschen, die sich in unmittelbarer Nähe des Niesenden aufhalten
In Sekundenschnelle entladen sich Tausende infektiöser Tröpfchen aus der Nase – was für Beistehende eklig und zuweilen ansteckend ist, ist für den Körper ein sinnvoller Schutzmechanismus. Doch was genau passiert beim Niesen? Wie ansteckend ist ein Nieser und ist es wirklich nicht möglich, mit offenen Augen zu niesen?

Was genau passiert beim Niesen?

Der Niesreiz ist ein Schutzreflex des Körpers, der dazu dient, Fremdkörper wie Schmutz, Viren und Bakterien aus der Nase zu befördern. Den „Befehl zum Niesen“ gibt der sogenannte Trigeminusnerv, dessen freie Nervenenden sich in der Nasenschleimhaut befinden. Er leitet den Niesreiz weiter an Atemzentrum und Rückenmark, von wo aus das Zwerchfell, Teile der Bauchmuskulatur und die Muskeln zwischen Brustwand und Rippen gesteuert werden. Diese ziehen sich unwillkürlich zusammen und es kommt zu einer „explosiven Atmung“ – auf ein kräftiges Einatmen folgt ein explosionsartiges Ausatmen, bei dem die eingeatmete Luft samt Tausender von Tröpfchen aus Nasensekret nach draußen befördert wird.

Wie weit fliegen die Tropfen?

Beim Niesen verlassen rund 40.000 Tropfen die Nase und können mit Geschwindigkeiten von etwa 160 km/h Strecken von mehr als zwölf Metern zurücklegen, wie eine 2014 veröffentlichte Studie zeigte.

Dabei sind es besonders die winzigen Tröpfchen, die weit fliegen und sich im Raum verteilen. Die großen, mit viel „Virenmaterial“ beladenen Tropfen bleiben nur wenige Sekunden in der Luft und sinken dann zu Boden. Glücklicherweise sind es bei Erkältungsviren vor allem diese Tropfen, die ansteckend sind.

Befindet man sich in einem Raum, in dem jemand niest, ist die Ansteckungsgefahr darum nur dann besonders hoch, wenn man sich in unmittelbarer Nähe des Niesenden befindet und die großen, mit Tausenden von Viren beladenen Tropfen einatmet.

Warum niesen manche Menschen, wenn Sie in die Sonne schauen?

Etwa eine von vier Personen muss niesen, wenn sie in die Sonne blickt. Schuld daran ist der sogenannte photische Niesreflex, von dem bisher noch nicht abschließend geklärt ist, wie er entsteht. Wissenschaftler gehen allerdings davon aus, dass die Nähe zwischen dem Seh- und dem Drillingsnerv, der für die Nasenschleimhaut zuständig ist, verantwortlich ist. Wird der Sehnerv durch plötzliche Helligkeit stimuliert, wird nicht nur der Sehnerv aktiviert, sondern auch der Drillingsnerv. Das Gehirn registriert die Stimulation als Reizung der Nasenschleimhaut und reagiert mit einem Niesen.

Setzt mein Herz aus, wenn ich niese?

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass das Herz einen Schlag aussetzt, wenn wir niesen. Das ist allerdings nicht wahr – es kann jedoch dazu kommen, dass der Herzschlag während des Niesens minimal reduziert wird, was wir aber kaum bemerken. Das Phänomen hat zwei Ursachen: Zum einen atmen wir meist tief ein, bevor wir niesen und zum anderen wird parallel der Hirnnerv Nervus vagus stimuliert.

Wie schütze ich mich selbst vor einer Ansteckung?

Wer unmittelbar neben einer Person steht, die niest, sollte den Kopf wegdrehen, die Augen schließen und für einige Sekunden die Luft anhalten. Da die Ansteckungsgefahr über die Luft aber vergleichsweise gering ist, sollte die Aufmerksamkeit vor allem den berührten Gegenständen gelten – Expertenschätzungen zufolge ist es viel wahrscheinlicher, sich auf diesem Wege anzustecken.

Wer sich beispielsweise an einer Haltestange im Bus festhält und sich danach die Augen reibt, läuft Gefahr, sich mit Viren der Person anzustecken, die zuvor die Haltestange angefasst hat. Die beste Schutzmaßnahme vor Erkältungen ist darum regelmäßiges Händewaschen.

Wie schütze ich andere vor Ansteckung?

Um die Verbreitung der eigenen „ausgeniesten“ Viren so gering wie möglich zu halten, sollten beim Niesen einige Hygieneregeln eingehalten werden. Am besten ist es, in ein Einwegtaschentuch zu niesen – und nicht etwa in die Hand, denn von dort werden die Viren weiter auf berührte Gegenstände verteilt. Ist kein Taschentuch zur Stelle, in die Armbeuge niesen. Und nach jedem Niesen gilt: gründlich Hände waschen!

Mit offenen Augen niesen – ist das möglich?

Entgegen weit verbreiteter Gerüchte ist es durchaus möglich, mit offenen Augen zu niesen – und dabei besteht nicht etwa die Gefahr, dass durch den erhöhten Druck die Augen herausfallen. Der Grund, warum dennoch die meisten Menschen beim Niesen die Augen schließen, ist noch nicht vollständig erforscht. Experten vermuten aber, dass die Ursache in der allgemein großen Anspannung liegt, in der sich der Körper – und eben auch die Gesichtsmuskulatur – beim Niesen befindet.

Darf man beim Niesen die Nase zuhalten?

Das ist nicht ratsam. Auch hier ist nicht etwa die Gefahr eines platzenden oder herausfallenden Auges der Grund (beides kann beim Niesen nicht passieren). Stattdessen können dabei Keime in Richtung des Innenohrs gepresst werden und der Infekt kann sich in den Nasennebenhöhlenbereich und das Ohr ausbreiten. In extrem seltenen Fällen kann es dabei durch den kurzzeitig erhöhten Druck in der Nasenhöhle zu Verletzungen des Innenohrs oder des Gehirns kommen.

Wie lange dauerte der längste Niesanfall?

Den längsten Niesanfall hatte laut Guinness-Buch der Rekorde die Britin Donna Griffith. Demnach begann sie am 13. Januar 1981 zu niesen und hörte erst am 15. September 1983, also 976 Tage später, wieder damit auf. Zu den Gründen werden im Guinness-Buch der Rekorde keine Angaben gemacht.

2016 war der Fall der zwölfjährigen Katelyn Thornley aus Texas durch die Medien gegangen, die bis zu 20 mal pro Minute und bis zu 12.000 mal am Tag niesen musste. Auch bei ihr gab das ständige Niesen den Ärzten Rätsel auf. Ein Neurologe vermutete jedoch, dass die Niesattacken von Tics herrührten, wie etwa beim Tourette-Syndrom.

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