Vorsicht, Wechselwirkung!

Wer häufig verschiedene Medikamente einnehmen muss, bei dem ist das Risiko einer gefährlichen Wechselwirkung besonders hoch
Medikamente sollen uns beim Gesundwerden helfen. Doch nimmt man bestimmte Arzneien gleichzeitig ein, kann es zu gefährlichen Komplikationen kommen. Praxisvita erklärt, welche Mittel besser nicht miteinander kombiniert werden sollten.

Wann treten Wechselwirkungen auf?

Wechselwirkungen treten immer dann auf, wenn zwei oder mehrere Medikamente sich gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken oder abschwächen, weil sie im Körper von denselben Enzym-Systemen abgebaut werden. Das Risiko ist besonders für ältere Menschen groß, weil sie oft bis zu zehn verschiedene Medikamente einnehmen. Das Problem: Die meisten Präparate wurden aber nie mit mehr als einem oder zwei anderen Medikamenten zusammen getestet. Und auch der beste Arzt kann nicht jede denkbare Nebenwirkung im Kopf haben. Jeder gesetzlich Versicherte kauft sich außerdem im Durchschnitt pro Jahr zu acht vom Arzt verordneten Medikamenten sechs verschreibungsfreie Präparate hinzu, von denen der Arzt nichts weiß.

Neues Computerprogramm zeigt bei Unverträglichkeiten an

Um gefährliche Zwischenfälle zu vermeiden, hat der Experte Professor Jürgen C. Frölich, klinischer Pharmakologe aus Hannover, ein Computerprogramm entwickelt, das unter dem Namen TheraOpt in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) eingesetzt wird. Der Arzt muss die gewünschten Medikamente eingeben, dazu Aussagen zu Nieren- und Leberfunktion seines Patienten machen. Der Computer errechnet dann die exakte Dosierung und zeigt bei Unverträglichkeiten die Alternativmedikamente an. Bis solche Software überall eingesetzt wird, sollte man besonders auf diese Kombinationen achten:

ASS + Diclofenac

Kombiniert man diese beiden Schmerzmittel, riskiert man u. a. die Entstehung eines Magengeschwürs: Zusammen eingenommen, können sich die Nebenwirkungen beider Arzneien verstärken.

Heuschnupfenmittel + Antibiotika

Antibiotika verlangsamen den Abbau des Heuschnupfenmittels Terfenadin in der Leber – die erhöhte Konzentration des Stoffs im Körper kann zu Herzrhythmusstörungen führen.

Asthmaspray + Betablocker

Betablocker vermindern die Wirkung des Asthmasprays Fenoterol und können gefährliche Verengungen der Bronchien hervorrufen.

Kombinations-Fehler bei Medikamenten

Schnupfenmittel und Betablocker, ASS und Blutverdünner: Häufig sind es gerade Arzneien, deren Wirkungsgebiete gar nichts miteinander zu tun haben, die gefährliche Wechselwirkungen haben können.

Cholesterinsenker + Antibiotika

Gegen hohe Blutfettwerte verschreibt der Arzt Fettsenker wie Simvastatin (z. B. Zocor). In Kombination mit immununterdrückenden Medikamenten (Ciclosporin), Antibiotika (Erythromycin, Clarithromycin) oder Herzmitteln (Amiodaron, Diltiazem, Verapamil) drohen schwere Muskel- und Nierenschäden. Gleichzeitiger Alkoholkonsum kann Muskelschmerzen und Fieber sowie Unwohlsein auslösen.

Blutverdünner + ASS

Phenprocoumon (z. B. Marcumar) soll bei Menschen mit künstlicher Herzklappe das Blut dünner machen. Nimmt man es aber zusammen mit Schmerzmitteln wie ASS oder Diclofenac, die einen ähnlichen Effekt haben, kann es zu lebensgefährlichen Blutungen kommen. Auch das Gichtmittel Allopurinol, Fettsenker (Statine), Antibiotika, Antipilzmittel, Schilddrüsenhormone und Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol haben diesen Effekt.

Kalziumblocker + Betablocker

Blutdrucksenkende Betablocker wie Metoprolol (z. B. Beloc-Zok, Lopresor) oder Bisoprolol (z. B. Concor) dürfen nicht mit anderen Herzmitteln wie Digitalis oder dem Kalziumblocker Verapamil sowie dem H2-Blocker Cimetidin kombiniert werden. Mögliche Folgen: Müdigkeit, Kreislaufzusammenbruch. Der Blutdrucksenker Spironolacton kann zusammen mit ACE-Hemmern durch Verschiebungen im Mineralhaushalt tödliche Herzrhythmusstörungen auslösen.

Diclofenac + ASS

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie ASS (zum Beispiel Aspirin, Thomapyrin) begünstigen in Verbindung mit dem Schmerzmittel Diclofenac (z. B. Voltaren, Diclofenac-ratiopharm) die Entstehung eines Magengeschwürs. Gleiches gilt für die gleichzeitige Einnahme von Kortisonpräparaten und ASS oder Diclofenac. Zusammen mit dem Blutverdünner Phenprocoumon (z. B. Marcumar) kann es zu lebensgefährlichen Blutungen kommen.

Antibiotika + Diclofenac

Das Breitspektrum-Antibiotikum Amoxicillin (z. B. InfectoMox, Amoxicillin-ratiopharm) wird bei Bronchitis eingesetzt. Wenn jemand gleichzeitig das Gichtmittel Allopurinol nimmt, kann es zu lebensbedrohlichen Allergiereaktionen kommen. Die Antibiotika Levofloxacin (z. B. Tavanic) oder Moxifloxacin (z. B. Avalox) können zusammen mit den Entzündungshemmern Diclofenac oder Ibuprofen epileptische Krampfanfälle auslösen.

Diabetis-Tablette + Blutverdünner

Eines der bei Diabetes am häufigsten eingesetzten Medikamente heißt Metformin (z. B. Glucophage, Competact). Wer gleichzeitig den Blutverdünner Phenprocoumon (z. B. Marcumar) einnimmt, hat ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Grund: Die Wirkung des Blutverdünners wird eingeschränkt, es können sich gefährliche Blutgerinnsel bilden.

Asthma-Spray + Betablocker

Das Asthma-Spray Fenoterol (z. B. Berotec) soll verengte Bronchien erweitern. Doch bei gleichzeitiger Anwendung von Betablockern zur Blutdrucksenkung heben sich die Wirkungen der Medikamente gegenseitig wieder auf: Beide wirken genau gegensätzlich.

Heuschnupfenmittel + Antibiotika

Das Heuschnupfenmittel Terfenadin (z. B. Terfenadin AL) kann, kombiniert mit Antibiotika wie Erythromycin (das besonders Menschen bekommen, die gegen Penicillin allergisch sind!) oder Trimethoprim, zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen. Auch Antipilzmittel (Ketoconazol) und Antidepressiva sollten nicht gleichzeitig mit Terfenadin eingenommen werden.

Wassertabletten + Antidepressiva

Wer dauerhaft Wasser in den Beinen hat, bekommt Entwässerungsmittel verschrieben. Doch Furosemid (z. B. Lasix, Furosemid-ratiopharm) oder Hydrochlorothiazid (z. B. Accuzide, Esidrix) kann zusammen mit dem Antidepressivum Lithium verstärkt zu Händezittern und Benommenheit führen, mit ACE-Hemmern zu starkem Blutdruckabfall.

Herzglykoside + Kalzium-Tabletten

Millionen Deutsche nehmen Nahrungsergänzungsmittel ein. Besonders beliebt: Kalziumpräparate, die Vitamin D enthalten. Gepaart mit dem Herzmittel Digitoxin (z. B. Digimerck, Digitoxin AWD) oder Digoxin (z. B. Digacin, Lanicor) – man gibt sie bei Herzschwäche – kann es zu gefährlichen Nebenwirkungen kommen: Herzrhythmusstörungen, Halluzinationen, Sehstörungen.

Schnupfenmittel + Betablocker

Millionen Menschen leiden an erhöhtem Blutdruck. Die Wirkung ihrer blutdrucksenkenden Medikamente kann aber aufgehoben werden, wenn der Patient ein Erkältungsmedikament mit der Substanz Ephedrin nimmt. Das steigert den Blutdruck und erhöht dadurch das Infarktrisiko.

Gichtmittel + Rheumamittel

Allopurinol (z. B. Zyloric) ist ein vorbeugendes Mittel gegen Gicht. Es sollte nicht zusammen mit dem Rheumamittel Azathioprin (z. B. Azafalk, Imurek) genommen werden. Das Gichtmittel führt dazu, dass das Rheumamittel nicht mehr abgebaut wird. Es häuft sich an und kann das Knochenmark vergiften, was zu einer lebensgefährlichen Blutarmut führt.

Wechselwirkung aus dem Kühlschrank

Die meisten Medikamente werden geschluckt. Bevor sie wirken, müssen sie durch den Magen. Im Dünndarm werden sie dann von der Darmschleimhaut aufgenommen, gelangen über den Blutkreislauf zu Niere oder Leber. An all diesen Stationen können neben anderen Medikamenten auch Nahrungsmittel oder sogar Getränke die Wirkung der Arzneien abschwächen oder verstärken und somit gefährliche Wechselwirkungen auslösen.

In unserer Bildergalerie finden Sie die wichtigsten Lebensmittel, die Sie kennen sollten, um Wechselwirkungen zu vermeiden.