Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist eine häufige Form von Herzrhythmusstörungen und vor allem bei älteren Menschen weit verbreitet. Statt sich in geordneten Abständen zusammenzuziehen, zittern die Herzvorhöfe unkoordiniert und pumpen nicht mehr effektiv Blut in die Herzkammern. Herzstolpern, Herzrasen, Leistungsminderung und auch schwere Komplikationen wie Schlaganfälle können die Folge sein.

Was ist Vorhofflimmern?

Der Puls beginnt zu rasen, das Herz scheint zu stolpern und die Hände schwitzen, begleitet von Schwindelgefühlen und Atemnot. So oder so ähnlich beschreiben viele Betroffene den Moment, wenn eine Episode von Vorhofflimmern auftritt. Manche wiederum bemerken die Erkrankung kaum oder gar nicht. Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Erscheinungsformen von Herzrhythmusstörungen. Gesundheitsexperten gehen davon aus, dass in Deutschland fast 1,8 Millionen Menschen an Vorhofflimmern leiden – das entspricht der Einwohnerzahl von Hamburg. Die meisten von ihnen sind ältere Menschen, denn mit zunehmendem Lebensalter steigt das Risiko für Vorhofflimmern. Doch was genau bedeutet Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern ist vor allem bei älteren Menschen weit verbreitet

Vorhofflimmern ist vor allem bei älteren Menschen weit verbreitet

Der Innenraum des Herzens ist in zwei Herzkammern (Ventrikel) mit je einem Vorhof (Atrium) unterteilt – die linke und die rechte Herzhälfte. Beide pumpen dabei konstant Blut in den Kreislauf. Während die linke Herzhälfte das sauerstoffreiche Blut von der Lunge in den gesamten Körper pumpt, befördert die rechte Herzhälfte das „verbrauchte“ Blut aus dem Körperkreislauf wieder in die Lunge. Die Hauptarbeit leisten dabei die beiden Herzkammern, die jeweils von einer dicken Muskelschicht umgeben sind und sich kräftig zusammenziehen können. Die Vorhöfe kontrahieren auch, allerdings nicht ganz so kräftig: Ihre Aufgabe ist es, das aus den großen Venen ankommende Blut zu sammeln und in die Herzkammern weiter zu befördern.

Der Takt des Herzens wird durch elektrische Impulse vorgegeben, welche die Herzmuskelzellen dazu anregen, sich zusammenzuziehen. Diese elektrischen Impulse folgen im gesunden Herzen einem ganz bestimmten Ablauf und sorgen so für eine sauber koordinierte Kontraktion bei jedem Herzschlag. Der wichtigste Taktgeber ist dabei der Sinusknoten, welcher im rechten Herzvorhof sitzt – von hier aus breitet sich die Erregung über die Muskelzellen des gesamten Herzens aus.

Bei Herzrhythmusstörungen funktioniert dieses System an bestimmten Stellen nicht, weil der Ablauf der elektrischen Erregung gestört ist. Wenn die Vorhöfe bloß zittern („flimmern“) statt sich geregelt zusammenzuziehen, weil die elektrischen Impulse unkontrolliert kreisen und immer eine andere Stelle im Vorhof erregen, spricht man von Vorhofflimmern. Dies ist im Gegensatz zu einem Kammerflimmern nicht akut lebensgefährlich, wirkt sich aber trotzdem auch auf die Herzkammern aus: Das Herz schlägt unregelmäßig und zu schnell, in manchen Fällen auch auffällig langsam. Gleichzeitig kann es pro Schlag weniger Blut in den Kreislauf pumpen, weil die Vorhöfe nicht effektiv „mithelfen“. So kommt es zu den typischen Symptomen wie Herzrasen, Herzstolpern, Atemnot und Schwindel.

Anhand des Verlaufs unterscheiden Ärzte verschiedene Formen von Vorhofflimmern:

  • erstmaliges (evtl. einmaliges) Vorhofflimmern
  • paroxysmales Vorhofflimmern, welches innerhalb einiger Stunden oder Tage von selbst wieder verschwindet
  • persistierendes Vorhofflimmern, das zwar nicht von alleine aufhört, aber mit therapeutischen Maßnahmen (z. B. Medikamenten) abstellbar ist
  • permanentes Vorhofflimmern, welches sich nicht therapeutisch beheben lässt

Langfristig dehnen sich die Episoden meistens aus, sodass ein paroxysmales Vorhofflimmern in die persistierende oder permanente Form übergeht. Dies versuchen Ärzte allerdings mit verschiedenen Therapieansätzen zu vermeiden, denn obwohl vom Vorhofflimmern selbst keine akute Lebensgefahr ausgeht, kann die Herzrhythmusstörung schwerwiegende Folgen haben: Im flimmernden Vorhof bilden sich manchmal feste Blutgerinnsel (Thromben), die das Herz dann in den Blutkreislauf pumpt. Nicht selten verstopfen diese „Pfropfen“ dann eine Arterie, die zum Gehirn führt, sodass ein Teil davon nicht mehr mit Blut versorgt wird – es kommt zu einem Schlaganfall. Besonders ältere Menschen und vorerkrankte Menschen mit Vorhofflimmern haben ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Weniger häufig, aber ebenfalls möglich sind solche sogenannten Embolien in anderen Organen. Zudem belastet die Rhythmusstörung dauerhaft das Herz, sodass eine Herzschwäche entstehen oder sich verstärken kann. Daher ist es wichtig, bei Vorhofflimmern so schnell wie möglich einen Arzt aufzusuchen.