Sonnenbrand auf den Augen: Ist das überhaupt möglich?

Sonnenbrand auf den Augen
Sonnenbrand auf den Augen? Ja, das gibt es. Scheint die Sonne, sollten Sie Ihre Augen also unbedingt vor den intensiven Strahlen schützen
Endlich sind sie da: sonnengelbe, himmelblaue Tage, an denen sich das Leben ganz leicht anfühlt. Doch die sommerliche Helligkeit kann - wenn man nicht aufpasst - ganz schön ins Auge gehen. Buchstäblich ...

Vermehrte Augenarztbesuche im Sommer

Zwanzig Nanometer sind nicht viel. Es ist sogar verschwindend wenig. Etwa so viel, wie unsere Fingernägel in 20 Sekunden wachsen. Für unsere Augen jedoch können sie entscheidend sein. Denn diese 20 Nanometer sind es, die einen mäßigen Lichtschutz durch eine Sonnenbrille von einem wirklich guten unterscheiden. Und wie wichtig der ist, zeigt sich alle Jahre wieder im Sommer, wenn die Augenarztpraxen vermehrten Zulauf bekommen – vor allem in Urlaubsorten am Meer oder im Gebirge. Doch dazu später mehr.

Sonnenbrand auf den Augen

Denn niemand muss gleich nach der dunklen Brille greifen, nur weil sich in Berlin-Mitte oder Wanne-Eickel mal die Sonne über längere Zeit zeigt. In Gegenden mit hoher UV-Strahlung jedoch sollte für Sonnenanbeter ein guter Augenschutz ebenso selbstverständlich sein wie die entsprechende Creme: Unsere Sehorgane können nämlich durch hohe Lichtintensität genauso Schaden nehmen wie die Haut. Nur dass es hier die Horn- und die Bindehaut – sozusagen die Windschutzscheibe des Auges – sind, die ,,verbrannt" werden. Ärzte sprechen dann von einer Photo-Keratitis, auch Verblitzung oder Sonnenbrand an den Augen genannt. Zuziehen kann sich diese, wer bei starker UV-Strahlung entweder gar keinen oder den falschen Blendschutz hat – was sogar die gefährlichere Variante ist.

Die besten Tipps für ein gesundes Sonnenbad

 

Schließlich reagieren wir ohne Sonnenbrille instinktiv richtig: Wir kneifen die Augen zusammen oder blinzeln, wenn es zu hell wird. Zusätzlich fungiert die Pupille als Sicherheitswächter. Bei starkem Lichteinfall verengt sie sich, um weniger Strahlung ins Augeninnere zu lassen. Hat man nun aber eine Sonnenbrille mit mangelndem oder gar ohne UV-Filter erwischt, wird dieser Schutzmechanismus quasi ausgetrickst: Da wir hinter den dunklen Gläsern nicht geblendet werden, bleiben Lider und Pupille geöffnet. Die Folge: Dem unsichtbaren, gefährlichen Teil des Lichts – Strahlen, deren Wellenlänge unter 380 Nanometern (= UV-Licht) oder über 750 Nanometern (=Infrarotlicht) liegt – sind Tür und Tor geöffnet. So kann dieses Licht dann nicht nur der Horn- und Bindehaut im Augenvordergrund schaden, sondern auch die empfindlichen Sehzellen auf der Netzhaut im Augenhintergrund treffen – mit schwerwiegenden Folgen wie der heute immer weiter verbreiteten Makuladegeneration. Aus diesem Grund ist es übrigens auch keine gute Idee, eine Sonnenfinsternis durch ein rußgeschwärztes Glas zu betrachten – wie es immer mal wieder als Tipp durch Internetforen geistert. Blendschutz und UV-Schutz sind einfach zwei verschiedene Dinge.

Was hilft bei Sonnenbrand auf den Augen? Unsere Expertin Dr. Susanne Schumacher-Roestel weiß Rat

Dr. Susanne Schumacher-Roestel

Frau Dr. Susanne Schumacher-Roestel ist Augenärztin und betreibt ihre eigene Praxis in Plön

Gereizte Augen äußern sich u. a. durch Juckreiz, Brennen, Rötung, Tränen oder Fremdkörpergefühl und sollten in der Selbstmedikation nur kurzfristig und mit Vorsicht behandelt werden. Hilfreich ist, das Auge zu befeuchten, etwa mit künstlichen Tränen (Apotheke/Augenarzt Präparate ohne Konservierungsmittel). Gut tun auch Kompressen mit warmem, klarem Wasser oder ein Augenbad mit Augentrost (Vorsicht: keinen Kamillentee einsetzen, da die enthaltenen Gerbstoffe reizend wirken). Spezielle ,,Augenwannen" hierfür bekommen Sie in der Apotheke. Wichtig: Die Augen nicht reiben, da die Rötung dann stärker werden kann. Ist das Auge entzündet, hat sich ein Gerstenkorn gebildet oder sondert es eine eitrige Flüssigkeit ab, sollten Sie auf jeden Fall zu einem Augenarzt gehen. Bei einem ,,Sonnenbrand" auf der Augenvorderfläche (Hornhaut) kann mit Vitamin A und pflegenden Salben, speziellen Verbandkontaktlinsen und/oder mit ein paar Stunden ,,Ruhe" in einem abgedunkelten Raum behandelt werden – zum Glück heilt die Hornhaut so meist schnell wieder ab.

Sonnenbrille? Nur mit UV-400!

Sonnenbrillenkauf mit UV-400

Achten Sie bei Ihrem Sonnenbrillenkauf auf gute Qualität und einen umfassenden Schutz: Ein Indikator für einen sicheren UV-Schutz ist das Zeichen UV-400

Beim Kauf einer Sonnenbrille sollten Sie daher unbedingt auf gute Qualität und vor allem auf die eingangs erwähnten ,,20 Nanometer mehr" achten: Denn im Handel sind auch Brillen mit einem ,,100-%-UV-Schutz"-Kennzeichen erhältlich. Dieser reicht aber nach EU-Norm nur bis 380 Nm Wellenlänge. Viele Experten kritisieren das und raten nachdrücklich zu Gläsern, die auch den UV-Grenzbereich bis 400 Nm abdecken. Denn dies betrifft die langwelligen UVA-Strahlen, die besonders leicht ins Augeninnere vordringen können. Entsprechenden Schutz erkennen Sie am ,,UV-400"-Zeichen im Innenbügel, oder Sie können Ihre Brille beim Optiker daraufhin überprüfen lassen.

Sonnenbrille soll nah am Gesicht sitzen

Auch bei der Größe der Brille darf es ruhig etwas mehr sein – seitlich über den Gesichtsrand hinaus und bis zu den Augenbrauen gilt als ideal. Außerdem sollte die Brille nah am Gesicht sitzen, um das sogenannte Streulicht von oben oder von den Seiten abzufangen. Tragen sollten man die Brille dann vor allem bei hoher Lichtintensität – wobei auch die Gefahr durch Reflektion nicht zu unterschätzen ist: Diese erhöht am Meer und im Schnee, aber auch beim Lesen die Strahlung. Denn die hellen Buchseiten reflektieren das UV-Licht, das dann gebündelt auf unsere Netzhaut trifft. Wer Glück hat, kommt hier mit einem ,,roten Auge" davon. Doch bei einem echten Sonnenbrand auf den Augen drohen neben Narben auf der Hornhaut auch starke Schmerzen. Denn diese ist einer der am stärksten mit Nerven durchzogenen Teile des Körpers und reagiert daher äußerst ungehalten auf Verletzungen. Für Menschen, die an der warmen Jahreszeit vor allem eines lieben – sich lauen Fahrtwind um die Ohren wehen zu lassen – könnte sich die Anschaffung einer speziellen Schutzbrille lohnen. Denn auch ausgedehnte Streifzüge im Cabrio sind nichts, was Augen wirklich mögen: Der Mix aus Zugluft und Autoabgasen kann entzündete Lider und gerötete Bindehaut nach sich ziehen.