Schleudertrauma

Ein Schleudertrauma bezeichnet die Verletzung von Bändern, Muskeln und Sehnen um die Halswirbelsäule herum. Es wird durch eine ausgeprägte Beugung und Überstreckung des Kopfs infolge einer massiven Krafteinwirkung, zum Beispiel bei einem Autounfall, verursacht. Nur in seltenen Fällen kommt es bei einem Schleudertrauma zusätzlich zu Gelenkverletzungen, Knochenbrüchen oder gar Verletzungen des Rückenmarks.

Was ist ein Schleudertrauma?

Bei einem Schleudertrauma, auch als Beschleunigungstrauma, Halswirbelsäulen-Zerrung (HWS-Zerrung) oder Halswirbelsäulen-Distorsion (HWS-Distorsion) bezeichnet, führt eine plötzliche, massive Krafteinwirkung zu einer starken Beugung und Überstreckung des Kopfs. Hierbei kommt es zu Verletzungen von Muskeln und Bindegewebe, welche die Halswirbelsäule umgeben. Bei sehr starker und ungünstiger Krafteinwirkung kann es in seltenen Fällen zu Verletzungen an Gelenken oder Blutgefäßen, zu Bandscheiben-Rissen und Knochenbrüchen sowie zu Schäden am Rückenmark kommen.

Typische Schleudertrauma-Symptome entwickeln sich meist mit einer gewissen Verzögerung zur auslösenden Krafteinwirkung, zum Beispiel infolge eines Auffahrunfalls. Diese Zeitverzögerung ist individuell sehr unterschiedlich und variiert zwischen einigen Stunden und mehreren Tagen. Charakteristische Beschwerden beim Schleudertrauma sind Nackenschmerzen, Steifheitsgefühl im Nacken, Kopfschmerzen und Schwindel. Je nach Schwere und Ausmaß des Traumas können sich Symptome wie Schluck- oder Schlafstörungen, Ohrgeräusche (Tinnitus) sowie Missempfindungen wie beispielsweise ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen oder im Gesicht hinzugesellen. In seltenen, schweren Fällen reichen die Symptome bis hin zu vollständiger Desorientierung, Gedächtnisverlust, Bewusstlosigkeit oder Koma.

Nackenschmerzen durch Schleudertrauma

Nackenschmerzen nach einem Umfall sind ein typisches Symptom des Schleudertraumas


Schleudertrauma-Diagnose mit MRT

Die Schleudertrauma-Diagnose stellt der Arzt anhand der auftretenden Symptome und der Schilderung des Unfallhergangs durch den Betroffenen. Eine eingehende körperliche Untersuchung liefert zusätzliche Hinweise auf das Ausmaß der Weichteilverletzung im Bereich der Halswirbelsäule. Gegebenenfalls wird der Arzt zusätzliche bildgebende Verfahren wie Röntgen-Untersuchungen oder eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) einsetzen, um mögliche schwere Verletzungen an Wirbeln, Blutgefäßen oder Rückenmark sicher erkennen oder ausschließen zu können.

Die Schleudertrauma-Behandlung besteht in der Regel in einer vorübergehenden Schonung des verletzten Kopf-Hals-Bereichs. Betroffene sollten Kopf und Halswirbelsäule in dieser Zeit weniger belasten. Da es sich in den meisten Fällen lediglich um leichte Weichteilverletzungen handelt,  können Menschen mit einem Schleudertrauma weiterhin ihrem Alltag nachgehen. Weder Bettruhe noch der früher häufig verordnete Halskragen („Halskrause“), die sogenannte Schanzsche Krawatte, sind nach aktuellen Erkenntnissen notwendig. Sie gelten heutzutage bei einem normal ausgeprägten Schleudertrauma als nicht heilungsfördernd, weil die Halsmuskeln durch die Ruhigstellung schnell an Kraft verlieren und demzufolge auch die Halswirbelsäule weniger gut stabilisieren können. Die Beschwerden eines Schleudertraumas können sich so mitunter verstärken.

Schleudertrauma-Behandlung mit Schmerzmitteln, Krankengymnastik  und Physiotherapie

Die zusätzliche Gabe von Schmerzmitteln, regelmäßige Krankengymnastik und eine gezielte Physiotherapie können dagegen die Beschwerden lindern, Schonhaltungen sowie Verspannungen verringern und den Heilungsverlauf beschleunigen. Normalerweise verschwinden die Symptome eines Schleudertraumas nach einigen Tagen bis wenigen Wochen auch ohne besondere Behandlung.

In seltenen Fällen verläuft ein Schleudertrauma chronisch, etwa wenn bereits Vorerkrankungen der Wirbelsäule bestanden. Auch können bestimmte psychische Faktoren eine schnelle Heilung verhindern, zum Beispiel die Folgen des Unfallschocks. Bei chronischen Verläufen kann zudem das sogenannte Schmerzgedächtnis das Abklingen der Beschwerden hinauszögern. Betroffene haben auch dann noch Schmerzen, wenn die eigentliche Ursache – die Verletzung im Bereich der Halswirbelsäule – längst verheilt ist.

Einem Schleudertrauma lässt sich vor allem durch vor- und umsichtiges Verhalten im Straßenverkehr, aber auch beim Sport vorbeugen, um so Unfälle als Auslöser zu vermeiden.