Reizblase

Menschen mit einer Reizblase müssen ständig zur Toilette, auch wenn ihre Blase wenig gefüllt ist. Das Problem betrifft vor allem Frauen, Männer entwickeln seltener eine überaktive Blase. Die Reizblase ist eine besondere Form der Blasenschwäche, die durch häufigen, plötzlichen und starken Harndrang gekennzeichnet ist.

Was ist eine Reizblase?

Definitionsgemäß spricht der Arzt von einer überaktiven Blase (ÜAB), auch Urethralsyndrom genannt, bei mehr als acht Toilettengängen pro Tag. Menschen mit einer Reizblase müssen in vielen Fällen täglich 20 bis 30 Mal auf die Toilette, auch nachts. Die Beschwerden können kurzzeitig verschwinden, treten aber normalerweise ständig auf.

Bei einer Reizblase entsteht fälschlicherweise ein Harndrang

Während des Toilettengangs können Menschen mit einer Reizblase – betroffen sind insbesondere Frauen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr – wenig Wasser lassen. Denn die Blase ist teilweise nur mit wenigen Millilitern Urin gefüllt. Zum Vergleich: Bei einer normal arbeitenden Blase tritt der Harndrang erst bei 250 bis 500 Millilitern Flüssigkeit auf. Der fälschlicherweise entstehende Harndrang wird – das vermuten Experten – durch ungebremste Impulse aus dem zentralen Nervensystem ausgelöst, die auf einen sensiblen, überaktiven Blasenmuskel treffen.

Reizblase Frau mit Toilettenpapier

Für eine Reizblase ist ein häufiger, plötzlicher und starker Harndrang charakteristisch


Tabuthema Reizblase

Im Unterschied zu einer Blasenentzündung (Zystitis) oder einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) mit ähnlichen Beschwerden findet der behandelnde Arzt bei einer Reizblase in der Regel weder eine Infektion, noch andere körperliche Ursachen. Dennoch sind viele Menschen von einer Reizblase betroffen. Experten schätzen, dass in Deutschland mehr als vier Millionen Menschen unter einer Reizblase leiden. Die Dunkelziffer ist dabei hoch, da eine Reizblase, wie alle anderen Formen der Blasenschwäche auch, nach wie vor ein Tabuthema ist. Aus Angst vor sozialer Isolation verbergen die Betroffenen ihre Beschwerden. Aus Schamgefühl und Verdrängung  wird der behandelnde Arzt oft nicht aktiv auf die Beschwerden angesprochen. Mehr als zwei Drittel aller Menschen mit einer Reizblase behandeln sich deswegen selbst. Die Möglichkeiten einer medizinischen oder verhaltenstherapeutischen Behandlung lernen sie oft gar nicht erst kennen.