Reiseübelkeit (Reisekrankheit, Kinetose)

Reiseübelkeit, auch Reisekrankheit genannt, kann jeden Menschen treffen, der mit Auto, Bus, Bahn, Flugzeug oder Schiff unterwegs ist. Es handelt sich um eine natürliche Reaktion des Körpers auf widersprüchliche Informationen:

Der Körper sitzt still, das Auge registriert vorbeiziehende Bilder und das Gleichgewichtsorgan signalisiert Kurven oder Anstiege. Ein Widerspruch, auf den viele Menschen mit Schwindel, Übelkeit oder Erbrechen reagieren.

Was versteht man unter Reiseübelkeit?

Von Reiseübelkeit ist nahezu jeder Mensch im Laufe seines Lebens mindestens einmal, in vielen Fällen mehrfach betroffen. Die auch als Reisekrankheit (Kinetose) bekannten Beschwerden äußern sich durch Symptome wie Schwindel, Übelkeit oder Erbrechen und sind keine Krankheit im eigentlichen Sinne. Vielmehr handelt es sich um eine natürliche Reaktion des Körpers, die aus den widersprüchlichen Informationen von Augen, Muskeln und Gleichgewichtsorgan im Innenohr entstehen: Das Auge sieht vorbeifliegende Bilder, das Gleichgewichtsorgan registriert Beschleunigungen, Kurven oder Schwankungen und der Körper sitzt mit all seinen Muskeln still da. Kein Wunder also, wenn der Körper irritiert ist und das einsetzende, flaue Gefühl im Magen eine beginnende Reiseübelkeit signalisiert.

In Verkehrsmitteln kann es zu Reiseübelkeit kommen

Per Flugzeug oder Bahn, per Auto oder Schiff – in allen gängigen Verkehrsmitteln kann es zu Reiseübelkeit kommen

Reiseübelkeit kann überall dort auftreten, wo der Mensch bewegt oder beschleunigt wird, ohne sich in entsprechender Weise selbst zu bewegen, also im Auto, in der Bahn, in Flugzeugen (Flugkrankheit), auf Schiffen (Seekrankheit), in der Raumfahrt, sogar im Fahrstuhl ist Reiseübelkeit möglich. Typisch für eine Reiseübelkeit ist übrigens, dass die Symptome bei 90 Prozent aller Betroffenen nachlassen und verschwinden, sobald auch die Fahrt zu Ende ist.

Jeder Mensch reagiert dabei unterschiedlich empfindlich auf die widersprüchlichen Sinnesreize. Etwa fünf bis zehn Prozent gelten als sehr anfällig für Reiseübelkeit, während bis zu 15 Prozent der Menschen sehr unempfindlich sind und selten oder nie darunter leiden. Frauen sind häufiger von Reiseübelkeit betroffen als Männer, insbesondere zu Beginn der Menstruation und während einer Schwangerschaft. Säuglinge leiden nicht darunter, da das Gleichgewichtsorgan im Innenohr noch nicht ausreichend entwickelt ist. Am häufigsten bekommen Kinder zwischen dem zweiten und zwölften Lebensjahr eine Reiseübelkeit.

Auch die psychische Verfassung spielt für die Entstehung und das Ausmaß von Reiseübelkeit eine wichtige Rolle: So sind ängstliche Menschen deutlich häufiger von ihr betroffen, möglicherweise weil sie sich seltener einer Reisesituation aussetzen und deshalb die Anpassungsmechanismen weniger trainiert haben. Vermutlich spielt aber auch eine negative Erwartungshaltung eine große Rolle, da sich die Symptome bei vielen Menschen mit Reiseübelkeit in Tests durch die Gabe von Placebos, also von „Scheinmedikamenten“ die keinen Wirkstoff enthalten, deutlich bessern.

Ja nach Stärke und Ausmaß der Reiseübelkeit, lassen sich die Beschwerden mit oder ohne Medikamente behandeln. Als Medikamente können hierbei Wirkstoffe aus der Gruppe der sogenannten Antiemetika/Antivertiginosa eingenommen werden. Sie bessern Übelkeit und Schwindel, in dem sie die im Gleichgewichtsorgan ankommenden Reize drosseln und ihre Verarbeitung hemmen. Einige der gegen Reiseübelkeit angebotenen Wirkstoffe können auch prophylaktisch angewendet werden. Je nach Wirkstoff müssen sie entweder am Abend vor Reisebeginn (z. B. Scopolamin) angewendet werden oder können kurzfristig, unmittelbar vor Beginn der Reise als Kaugummi, Sirup oder Tablette eingenommen werden. Als Alternative zu den Medikamenten bieten sich pflanzliche Mittel, die Ingwer-Extrakt beinhalten und Reiseübelkeit vorbeugen sollen.

Unabhängig von verschiedenen Mitteln und Medikamenten gibt es eine Vielzahl von Verhaltenstipps, die einer Reiseübelkeit wirksam vorbeugen oder ihr Ausmaß einschränken können. Hierzu zählt beispielsweise der Verzicht auf fettreiche Kost, Alkohol, Zigaretten und Kaffee vor und natürlich auch während der Fahrt, aber auch regelmäßige Pausen und nach Möglichkeit Spaziergänge und frische Luft. Je nach Fortbewegungsmittel helfen spezielle Tipps und Tricks  weiter. So ist es sinnvoll, bei der Fahrt mit dem Auto im Idealfall selbst zu fahren oder sich während einer Bahnfahrt nicht mit dem Rücken zur Fahrtrichtung zu setzen.