Ohrgeräusche: Das hören Tinnitus-Betroffene

Wie unterschiedlich Ohrgeräusche klingen können, erfahren Sie in dieser Bildergalerie!
Wie hört sich ein Tinnitus an? Sicher ist: Er klingt für jeden anders. Hier erfahren Sie, welche Arten von Ohrgeräuschen es gibt, welches am häufigsten ist und mit welchen anderen Geräuschen Betroffene Ihren Tinnitus vergleichen würden.

Ohrgeräusche – welches ist am häufigsten?

Rauschen, Ohrensausen, Knacken, Piepen, Pfeifen, Summen, Brummen, Klingeln und Knistern: Das sind die häufigsten Kategorien für Ohrgeräusche, die Betroffene nennen. Die Mehrheit – etwa zwei Drittel der Patienten – hört Ohrgeräusche aus dem Hochtonbereich: Piepen, Pfeifen und Klingeln.

So beschreiben Tinnitus-Betroffene ihre Ohrgeräusche

Anschauliche Beispiele für Ohrgeräusche, wie Betroffene sie wahrnehmen, finden Sie in dieser Bildergalerie – hier klicken!

Was hilft eigentlich gegen Tinnitus?

Von Knalltrauma, Dauerlärm und Stress bis zu Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule und der Kiefergelenke: Ursachen für das lästige Pfeifen, Summen und Knacken gibt es viele. Ebenso zahlreich sind die angebotenen Behandlungen. Aber welche von ihnen sind wirklich sinnvoll? Das beantwortet Prof. Dr. Gerhard Hesse, Leiter der Tinnitus-Klinik Bad Arolsen:

Medikamente und spezielle Hörgeräte

Im Akutfall wird Kortison angewendet. An einem neuen Wirkstoff zur Behandlung des chronischen Tinnitus (ab drei Monaten) wird geforscht, derzeit stehen dafür jedoch noch keine Medikamente zur Verfügung. Stattdessen kommen bei Patienten mit einem Hörverlust normale Hörgeräte, bei normalhörigen sogenannte „Noiser“ zum Einsatz. Sie erzeugen ein Hintergrund-Rauschen, das Ohrgeräusche zwar nicht mindert, aber davon ablenkt, ohne es zu übertönen. Das Gehirn lernt so, den Tinnitus mit der Zeit herauszufiltern und schlicht zu überhören. Diese Geräte sind insbesondere sinnvoll bei gleichzeitiger Überempfindlichkeit (Hyperakusis). Die Kosten für einfachere Geräte werden von der Kasse übernommen (max. 700 Euro).

Ohrgeräusche

Spezielle Hörgeräte können Ohrgeräusche an sich zwar nicht mindern, aber davon ablenken


Ein Retraining oder Low-Level-Laser?

Die Königsklasse unter den Behandlungen für chronische Ohrgeräusche ist das sogenannte Retraining. Dazu müssen Sie wissen: Tinnitus beruht vor allem auf Wahrnehmung. Die Belästigung durch den Ton entsteht im Kopf – nicht im Ohr. Das Retraining (Kassenleistung auf Antrag) kombiniert erfolgreich Entspannungs- und Psychotherapie mit einem speziellen Hörtraining sowie gegebenenfalls Geräten. Die Behandlung hilft, sich an das Geräusch zu gewöhnen, beziheungsweise dabei, es auszublenden. Außerdem werden Laser („Low Level“) angeboten, die von außen direkt im Innenohr wirken sollen. Diese machen aus meiner Sicht keinen Sinn. Denn Studien zeigen, dass das Laserlicht den Wirkort tief im Schädel gar nicht erreicht.

So kann Tinnitus entstehen

Ohrgeräusche können auf vielfältige Art und Weise entstehen. Bei einer Hörminderung können wir in der Regel bestimmte Tonhöhen nur noch sehr eingeschränkt wahrnehmen. Um das auszugleichen, verstärkt das Gehirn die Signale der betroffenen Hörfrequenzen. Geschieht das zu intensiv, hören wir einen nicht vorhandenen Ton in der entsprechenden Höhe. Ein Hörgerät kann den Hörverlust kompensieren und so den „Phantom-Ton“ beseitigen.

Die Beispiele stammen aus Patientengesprächen mit Tinnitus-Betroffenen in der Poliklinik HNO am Bundeswehrkrankenhaus Ulm.