Oft unterschätzt: Risikofaktor Pilzerkrankung

Pilzinfektionen sind ungefährlich aber unterschätzt
Pilzinfektionen sind in der Regel nicht gefährlich, aber oft extrem unangenehm. Dank moderner Medikamente lassen sich die Symptome aber gut bekämpfen
Etwa jeder dritte Deutsche hat schon mal unter einer akuten Pilzerkrankung gelitten. Wer unter Durchblutungsstörungen oder an Diabetes leidet, gehört laut medizinischen Untersuchungen zur Risikogruppe. Warum man diese Infektionen nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte und was dagegen hilft.

Hautpilz

Derzeit gibt es wieder eine Hautpilz-Epedemie, warnen Experten. Besonders bei Kindern. Überträger sind oft Tiere wie Meerschweinchen oder Katzen. Fassen Sie im Urlaub am Mittelmeer keine streunenden Katzen an.

So erkennen Sie ihn: Rote, scharf begrenzte, oft juckende "Hexenringe". Breitet sich der Pilz bis zum Kopf aus, können sogar die Haare ausfallen!

Das hilft: Gehen Sie zum Hautarzt. Über einen Abstrich bestimmt dieser den genauen Erreger und weiß dann, welches Medikament am besten wirkt. Je nachdem, wie groß der betroffene Bereich ist, wird mit Salben oder sogar Tabletten behandelt.

Fußpilz

Fuß- und Nagelpilz sind ein und dieselbe Erkrankung, nur in unterschiedlichen Stadien. Unter Fußpilz leidet – gelegentlich – jeder Dritte. Ansteckung droht durch Barfußlaufen in Schwimmbädern, öffentlichen Duschen, Hotelzimmern – aber auch in der eigenen Familie.

So erkennen Sie ihn: Rötungen, Jucken und Brennen oft besonders zwischen den Zehen.

Das können Sie tun: Wechseln Sie täglich Ihre Strümpfe, und waschen Sie diese (ebenso wie Handtücher) bei mindestens 60 Grad oder bei 40 Grad mit einem speziellen Wäschespüler (Apotheke). Föhnen Sie Ihre Füße nach dem Duschen oder Baden trocken. Benutzen Sie nicht dasselbe Handtuch wie infizierte Familienmitglieder. Stopfen Sie Ihre Schuhe nach dem Tragen zum Trocknen mit Zeitungspapier aus.

Medikamente: Cremes mit dem Wirkstoff Bifonazol müssen über mindestens zwei Wochen täglich angewandt werden. Mittel zur Einmal-Behandlung gegen Fußpilz helfen dagegen überhaupt nicht.

Nagelpilz

Nagelpilz ist eine harmlose, aber schwer zu behandelnde Krankheit, klagen Ärzte Jeder Zweite über 60 leidet darunter.

So erkennen Sie ihn: Füße sind häufiger betroffen als Hände. Der Nagel wird trübe, immer dicker, verfärbt sich gelblich. Später kann er sich ablösen oder regelrecht zerkrümeln.

Das hilft: Das verpilzte Nagelmaterial muss runter, raten Mediziner. Am schnellsten geht das, indem der Fußpfleger den Nagel abschleift. Nagelpflaster (mit mind. 40 Prozent Urea) oder Bifonazol-Nagelfettcremes entfernen die erkrankten Nagelanteile sehr sanft, fordern aber Geduld: Sie müssen so lange angewendet werden, bis keine kranke Nagelsubstanz mehr heruntergeht. Erst dann können Anti-Pilz-Nagellacke auch wirklich helfen. Auch sie müssen täglich aufgetragen werden – bis zur vollständigen Heilung, also bis zu einem Jahr lang!

Bloß nicht! Das Schlimmste ist in diesem Fall nichts zu tun! Denn der Nagelpilz heilt nicht von selbst. Wird nichts dagegen unternommen, führt das hin bis zur vollständigen Zerstörung aller Nägel!

Hefepilze sind die häufigsten Auslöser für Pilzinfektionen im Inneren des Körpers oder für die "Windeldermatitis", einem Ausschlag bei Babys. Hefepilze lieben es warm und feucht

Darmpilz

So erkennen Sie ihn: Wiederkehrende Blähungen, Bauchschmerzen und/oder Durchfälle ungeklärter Ursache.

Das hilft: Tabletten mit sogenannten Anti-Mykotika (Mykose ist der Fachbegriff für Pilzinfektion). Besonders bewährt haben sich Dragees mit dem Wirkstoff Nystatin. Diese wirken genau dort, wo sie wirken sollen - auf der Darmschleimhaut. Grund: Sie werden vom Darm nicht aufgenommen (resorbiert) und gelangen so auch nicht ins Blut.

Bloß nicht! Zucker ist die Lieblingsspeise von Pilzen. Deswegen versuchen spezielle Pilzdiäten oder eine sogenannte Darmsanierung den Darmpilz durch totalen Verzicht auf Zucker auszuhungern. Oft ist sogar nicht einmal Obst (enthält viel Fruchtzucker) erlaubt. Diese Form der Ernährung funktioniert leider nicht, kann das Problem sogar verschärfen. Denn während sich der Pilz einfach auf die Verwertung von Eiweiß und Fett umstellt, sind spezielle Abwehrzellen auf Kohlenhydrate angewiesen. Bleiben sie aus, können die Immunzellen ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen. Der Pilz hat freie Bahn! Auch Antibiotika (z. B. zur Behandlung von Blasen- oder Atemwegsentzündungen) begünstigen Darmpilze, da sie oft auch die gesunden Darmbakterien angreifen. Auf dem frei gewordenen Platz machen sich Pilze breit. Treten also Darmbeschwerden nach einer Antibiotika-Behandlung auf, sprechen Sie Ihren Arzt ruhig auf die Möglichkeit einer Pilzinfektion an – gerade, wenn Sie ohnehin zu solchen neigen.

Vaginalpilz

Jede dritte Frau leidet regelmäßig darunter. Darüber reden mag aber niemand. Dabei hat auch dieser Pilz nichts mit mangelnder Hygiene zu tun – im Gegenteil!

So erkennen Sie ihn: Brennen (im Unterschied zur Blasenentzündung nicht nur beim Wasserlassen), Rötungen und verstärkter Ausfluss.

Das können Sie tun: Waschen Sie sich täglich - aber bitte nur mit lauwarmem Wasser OHNE aggressive Seifen. Denn diese stören die empfindliche Scheidenflora und begünstigen Infektionen. Tragen Sie Baumwollwäsche, und wechseln Sie diese täglich. Waschen Sie sie bei mindestens 60 Grad - oder besorgen Sie sich einen speziellen Wäschespüler in der Apotheke. Trocknen Sie sich auf der Toilette immer von vorn nach hinten ab. Sonst könn ten Erreger vom Darmausgang in die Vagina gelangen. Und: Meiden Sie Whirlpools!, empfehlen Fachärzte Das sind reine Pilzbrühen.

 

Medikamente: Je nachdem, wie heftig die Infektion ist, kann mit Fluconazol-Tabletten (verschreibungspflichtig) zum Schlucken behandelt werden oder lokal: durch Cremes und/oder Zäpfchen oder Vaginaltabletten (rezeptfrei in Apotheken). Hier gibt es wirkungsvolle Ein-Tages-Therapien.

Bloß nicht! Zu dem berühmten Joghurt-Tampon wird immer noch von vielen Gynäkologen geraten. Diese Behandlung ist allerdings NICHT zu empfehlen. Denn auch Milchprodukte können Pilzsporen übertragen!

Soor (Mundpilz)

So erkennen Sie ihn: Weißliche Beläge im Mundraum, die jucken und/ oder schmerzen können.

Das hilft: Machen Sie beim Zahnarzt eine professionelle Zahnreinigung. Und: Pflegen Sie Zähne und Gebiss extra-sorgfältig!

Das hilft: Lutschtabletten oder Mundspülungen mit Nystatin.