Neue App für Eltern mit Frühchen

Ein kleines Frühchen liegt im Bett
Für Eltern Frühgeborener ist die Zeit nach der Geburt eine große Herausforderung – eine neue App soll ihnen dabei helfen, sie gut zu meistern
Das Uniklinikum Dresden und die „Deutsche Stiftung Kranke Neugeborene“ haben eine App für Eltern mit Frühgeborenen entwickelt, die ihnen den Start als Familie erleichtern soll. Was kann die neue App alles?

„Eltern, deren Kinder deutlich zu früh oder krank geboren werden und die in den ersten Monaten um das Überleben ihres Babys bangen, fühlen sich während der stationären Versorgung im Krankenhaus und in der Anfangszeit zu Hause im Umgang mit ihrem Kind mitunter noch nicht ausreichend sicher“, erklärt der Psychologe in der Neonatologie des Uniklinikums Dresden, Privatdozent Dr. Jörg Reichert. „Hier kann ein Tagebuch helfen. Die Eltern müssen lernen, ohne ärztliches Feedback oder die Begleitung versierter Pflegekräfte auf ihr Kind einzugehen.“ Das ist bei Frühgeborenen besonders schwierig, da sie schlechter als andere Babys ausdrücken können, was ihnen fehlt.

Die kostenlose App „Neo-App#Tagebuch“ soll betroffenen Eltern einen Überblick über die Entwicklung ihres Kindes geben und ihnen helfen, im Umgang mit ihrem Nachwuchs schnell an Sicherheit zu gewinnen. Neben Hinweisen zur Versorgung der Neugeborenen und einer Telefonnummernsuche bildet die Tagebuch-Funktion das Herzstück der „Neo-App#Tagebuch“.

Tagebuch in App-Form

„Indem die vielen kleinen Veränderungen und Erfolge bei der Behandlung niedergeschrieben werden, bemerken die Eltern zunehmend die Fortschritte ihres Kindes“, erklärt Prof. Mario Rüdiger, Leiter der Neonatologie des Uniklinikums. „Insbesondere im späteren Verlauf, wenn die Eltern nur noch zu bestimmten Terminen mit ihrem Nachwuchs ihren Kinderarzt oder das Uniklinikum aufsuchen, kann das Tagebuch für die Patienten und den behandelnden Arzt eine wichtige Erinnerungshilfe sein, um kein Detail außer Acht zu lassen.“

Schon seit 2012 verwendet die Dresdner Klinik Tagebücher, die die Eltern Frühgeborener mit einer vorgegebenen Struktur unterstützen. Das bisher in Ringbuchform geführte Tagebuch wurde nun in die Smartphone-App übertragen, um auch anderen Kliniken eine schnelle und unkomplizierte Nutzung zu ermöglichen.

„Hinweise von Eltern für Eltern, Terminerinnerungen oder ein Glossar zur Erklärung medizinischer Fremdwörter sind für uns mögliche Ansatzpunkte, unser Angebot weiter auszubauen“, erklärt Prof. Mario Rüdiger. Die „Neo-App#Tagebuch“ greift nicht ungefragt auf persönliche Daten der Nutzer zurück. Alle zur Verfügung gestellten Daten bleiben auf dem betreffenden Endgerät. Und auch die Entscheidung, ob Ärzte die Einträge im Tagebuch nutzen dürfen, obliegt den Eltern.

Hamburg, 15. Januar 2016