Nagelpilz erkennen: Ein unschönes Übel

Kinderärztin Dr. Nadine Hess gibt Tipps, wie Sie Nagelpilz in den Griff bekommen können
Expertin Dr. Hess: „Wer eine Nagelmykose hat, sollte sich also in jedem Fall auch auf eine Tinea pedis untersuchen lassen – auch schon aus dem Grunde, nach erfolgreicher Behandlung eine ständige Wiederinfektion zu vermeiden“
Gelblich verfärbte Fußnägel sind oft ein Hinweis auf Nagelpilz oder auch Tinea unguium, Onycho- oder Nagelmykose genannt. Auch Kinder können betroffen sein. Woran man Nagelpilz noch erkennen kann, erfahren Sie hier.

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Ähnlich wie eine Fußpilzinfektion können Pilzsporen auch schon die Nägel von Kindern befallen, wenngleich auch viel seltener als bei Teenagern und Erwachsenen. Wie kann man Nagelpilz erkennen und was sind die Haupterreger? Wie steckt man sich an? Wie wird behandelt und vor allem – wie lange? Reicht immer einer Therapie mit den in Apotheken erhältlichen Nagellacksystemen? Und wenn es gar nicht weggehen will – was könnte es dann sein?

Die Gattung der Pilze, die am häufigsten für eine Nagelmykose ursächlich ist, sind – wie bei der Tinea pedis (Fußpilzinfektion) – Tinea mentagrophytes und Tinea rubrum, etwas seltener auch Hefe- und Schimmelpilze.

Fußpilz ist nur der Anfang; Woran Sie Nagelpilz erkennen

Meist treten eine Fuß- und Nagelpilzinfektion zusammen auf. Oftmals steckt man sich beispielsweise im Schwimmbad oder beim Barfußlaufen in der Sporthalle mit den Erreger an, bekommt eine Fußpilzinfektion und steckt dann im Laufe der Zeit auch die Nägel mit den Pilzerregern an. Wer eine Nagelmykose hat, sollte sich also in jedem Fall auch auf eine Tinea pedis untersuchen lassen – schon um nach erfolgreicher Behandlung eine ständige Wiederinfektion zu vermeiden. Bei einer Onychomykose sind die Nägel gelblich verfärbt, bröckeliger und verdickt. In der Regel sind mehrere, aber nicht alle Nägel eines oder beider Füße befallen. Selbstverständlich gibt es auch eine Onychomykose der Fingernägel, aber das ist bedeutend seltener.

Wie bekommt man den Nagelpilz in den Griff?

Kinderfüße sind empfindlich

Auch Kinderfüße können von Nagelpilz befallen werden. Sie sollten in Absprache mit einem Arzt behandelt werden

Die Behandlung einer Nagelpilzinfektion ist deutlich mühsamer als die eines Fußpilzes. Da die Nägel sehr langsam wachsen, dauert es entsprechend lange, bis wirklich alle Pilzssporen abgetötet und zusammen mit dem Nagel herausgewachsen sind. Die erhältlichen Systeme mit Nagellacken, die in der Regel mehrmals wöchentlich aufgetragen werden und teilweise auch regelmäßiges Feilen und damit Anrauen der Nägel notwendig machen, sind wirksam – allerdings muss Ausdauer bewiesen werden. Aus genannten Gründen sollte schon mit einer bis zu sechsmonatigen Behandlungsdauer gerechnet werden. Aus meiner Erfahrung zusätzlich sinnvoll ist der Einsatz von antimykotischen Lösungen, die unter den Nagel und in den Bereich des Nagelwalls aufgetropft werden.

Komplikationen – welche Behandlung, wenn der Nagelpilz nicht verschwindet?

Ist der ganze Nagel bis zum Nagelbett betroffen, ist die lokale Behandlung mit Lacken und Serum nicht mehr erfolgversprechend. Dann sollte auf eine systemische Therapie mit antimykotischen Tabletten oder Saft ausgewichen werden. Da dies aber eine relativ nebenwirkungsträchtige Behandlung ist (dringend notwendig ist beispielsweise die regelmäßige Kontrolle der Leberwerte) und gerade diese Medikamentengruppe häufig Interaktionen mit anderen Medikamenten hervorruft, sollte dies Ausnahmefällen vorbehalten bleiben, erst recht, wenn es sich um Kinder handelt. Die Behandlungsdauer ändert sich gegenüber der Therapie mit Lacken nicht. Oft ist es bei beiden Behandlungsformen jedoch möglich, die Medikamente im Laufe der Zeit etwas seltener (nur noch jeden 3. Tag) anzuwenden oder einzunehmen.

Wurde der Nagelpilz erkannt, sich aber auch nach intensiver und richtig angewendeter Behandlung nicht bessert, sind plötzlich fast alle Nägel betroffen, haben die Nägel teilweise auch kleine Eindellungen („Tüpfel“), könnte es sich auch um eine Nagelpsoriasis (Psoriasis = Schuppenflechte) handeln. Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Dermatologen, Haus- oder Kinderarzt, wenn Sie unsicher sind, ob bei Ihnen oder Ihrem Kind eine Nagelmykose vorliegt.