Nagelpilz – so besiegen Sie das nervige Leiden

Nagelpilz macht sich nur schleichend bemerkbar, doch die Folgen können verheerend sein: Pilzbefall ist eine der häufigsten Nagelerkrankungen. Unbehandelt kann er zur Zerstörung und schließlich zum Verlust des Nagels führen. Mediziner warnen: Trotz der großen Ansteckungsgefahr wird der Pilzbefall häufig verharmlost oder sogar ignoriert. Aber für eine erfolgreiche Behandlung ist eine frühe und ausreichend lange Therapie notwendig.

Bei einer Nagelpilzinfektion an den Fußnägeln sind der große und der kleine Zeh am häufigsten betroffen

Bei einer Nagelpilzinfektion an den Fußnägeln sind der große und der kleine Zeh am häufigsten betroffen


Nagelpilz – was ist das?

Nagelpilz, oder auch Onychomykose (Onycho = Nagel, Mykose = Pilzinfektion) genannt, ist eine Pilzerkrankung, die Fuß- oder Fingernägel betrifft. Bemerkbar macht sich ein Pilzbefall des Nagels dadurch, dass sich der betroffene Nagel gelb bis bräunlich verfärbt und die Nagelplatte stumpf und ausgetrocknet, brüchig, bröselig oder verdickt wirkt. Nagelpilz ist keine Seltenheit, sondern eine echte Volkskrankheit. Bis zu 18 Prozent der Bevölkerung leiden an der unangenehmen Infektion, bei den über 70-Jährigen trifft es sogar jeden Zweiten.

Ein Nagelpilz wird meist durch sogenannte Dermatophyten (Fadenpilze), seltener durch Schimmelpilze oder Hefepilze (Sprosspilze) verursacht. Da Nagelpilz und Fußpilz von denselben Erregern ausgelöst werden, ist Nagelpilz oft eine Folgeerkrankung von Fußpilz.

Ein Dermatologe (Hautarzt) oder eine Podologen (Arzt für Fußkrankheiten) erkennt einen Nagelpilz meist auf den ersten Blick

Ein Dermatologe (Hautarzt) oder eine Podologen (Arzt für Fußkrankheiten) erkennt einen Nagelpilz meist auf den ersten Blick und kann eine entsprechende Behandlung einleiten


Was ist die Ursache für Nagelpilz?

Offiziell zählt der Nagelpilz zu den Hautkrankheiten, genauer gesagt zu den Hautpilzinfektionen (Dermatomykosen). Er entsteht oft aus einem unbehandelten oder nicht ausgeheilten Fußpilz. Eine Nagepilzinfektion wird meist von den sogenannten Fadenpilzen, genauer gesagt den Dermatophyten ausgelöst. Sie finden an der Hautoberfläche ideale Lebensbedingungen, da sie sich von Keratin ernähren, der Substanz, aus der Haare, Nägel und auch die Hautoberfläche bestehen.

Treffen kann eine Nagelpilzinfektion im Prinzip jeden. Einige Faktoren erhöhen jedoch das Ansteckungsrisiko deutlich. Fadenpilze fühlen sich im feuchtwarmen Milieu besonders wohl. Turnschuhträger oder Personen, die enge Schuhe tragen, sind daher besonders gefährdet. Bei Nagelpilz an den Fußnägeln sind der große und der kleine Zeh am häufigsten betroffen, da sie in den Schuhen am meisten in Mitleidenschaft genommen werden und so wesentlich empfänglicher für Infektionen sind, als die übrigen Zehen.

Nagelpilz entsteht häufig in Folge eines nicht behandelten oder nicht ausreichend behandelten Fußpilzes

Nagelpilz entsteht häufig in Folge eines nicht behandelten oder nicht ausreichend behandelten Fußpilzes

Übertragen werden die Pilzsporen relativ leicht von Mensch zu Mensch – etwa in Schwimmbädern oder in der Sauna. Hier tummeln sich extrem hartnäckige Keime. Aber auch in Schuhen machen sich die Pilze gerne breit. Laut einer Untersuchung des Berliner Instituts für Pilzkrankheiten weisen durchschnittlich zwei Drittel aller Schuhe tatsächlich bereits beim Kauf infektiöse Mikroorganismen auf. Fuß- und Nagelpilz sind oft die Folge. Um eine lästige und unangenehme Infektion zu vermeiden, raten Experten, Schuhe im Geschäft ausschließlich mit Strümpfen anzuprobieren und die neuen Exemplare nach dem Kauf zu desinfizieren. Besonders geeignet sind dafür Sprays mit dem Aktivstoff Octopirox, der nicht nur Bakterien, sondern auch Pilze und deren Sporen wirksam bekämpft.

Nagelpilz-Sporen können monatelang auf Handtüchern, Badematten und auf Böden überleben. Deshalb sind Familienmitglieder von Nagelpilz-Patienten besonders gefährdet. Nagelverletzungen, Durchblutungsstörungen oder auch eine Diabetes-Erkrankung begünstigen ebenfalls eine Pilzinfektion.

Was sind die Nagelpilz-Symptome?

Die Nagelpilz-Symptome hängen ganz davon ab, welche Pilzart für den Befall verantwortlich ist.

Die Pilz-Erreger Trichophyton mentagrophytes breiten sich vom freien Nagelrand bis zum Nagelbett aus

Die Pilz-Erreger Trichophyton mentagrophytes breiten sich vom freien Nagelrand bis zum Nagelbett aus

Eine sogenannte distolaterale subunguale Onychomykose ist die häufigste Nagelpilz-Erkrankung. Hier breitet sich der Pilz von der Nagelspitze über die Nagelunterseite aus. Die Pilzerreger dringen dabei über die Unterseite des Nagels, zwischen Hautübergang und freiem Nagel, ein und breiten sich langsam von der Nagelspitze bis zur Wurzel aus. Die Nagelplatte nimmt eine gelbliche Farbe an und wird bröckelig. Diese Pilzform schädigt vor allem die unteren Schichten des Nagels. Gut zu erkennen ist diese Pilzart vor allem daran, dass sich unter der Nagelplatte eine krümelige bis körnige Substanz aus altem Nagelmaterial ansammelt.

Der Erreger Trichophyton mentagrophytes befällt ausschließlich die oberen Nagelschicht. Da er eine weiße Verfärbung der Nagelplatte verursacht, wird er auch als „weiße superfizielle Onychomykose“ bezeichnet. Dieser Pilz breitet sich schnell vom freien Nagelrand bis zum Nagelbett aus. Ist das Nagelbett bereits infiziert und diese Pilzform wird nicht schnell genug behandelt, infiziert sich auch jeder neu gebildete Teil des Nagels.

Die Erreger der „proximalen subungualen Onychomykose“ schädigen die Nagelwurzel so stark, dass es zu einer Formveränderung des Nagels kommen kann. Bei dieser Nagelpilzform dringen die Erreger durch den Nagelrücken ein und breiten sich bis zur Nagelwurzel aus. Bei einer extrem starken Schädigung kann es sogar vorkommen, dass der Nagel gar nicht mehr weiter wächst. Personen mit einem geschwächten Immunsystem sind anfälliger für diese Form des Nagelpilzes, auch wenn sie insgesamt eher selten vorkommt.

Bei einem Hefepilz sind meist – im Gegensatz zu den anderen Pilzformen – nur die Fingernägel betroffen. Die Hefepilze der Gattung Candida lassen den Nagel verdicken, zudem kann er sich sogar leicht aus dem Nagelbett abheben. Mediziner nennen das auch Borken- oder Gletschernagel. Ein vom Hefepilz infizierter Nagel verfärbt sich zudem gelblich bis bräunlich.

Generell kann man sagen, dass Nagelpilz erst Schmerzen verursacht, wenn der Nagel seine Schutzfunktion verloren hat.

Wichtig zu wissen

Wer unter Nagel- oder Fußpilz leidet, sollte sich immer erst Socken und danach Unterwäsche anziehen. Nur so können Sie vermeiden, dass die Erreger von den Füßen in die Leistengegend transportiert werden. Experten bezeichnen diese Art der Pilzverbreitung als sogenannten „Fahrstuhleffekt“.

Die Nagelpilz-Symptome im Überblick

  • weißlich-gelbe bis braune Farbe
  • fleckige Oberfläche
  • verdickte Nagelplatte
  • brüchig und bröselige Substanz

Wie stellt man Nagelpilz fest?

Wenn Sie das Gefühl haben, dass sich Ihr Nagel in Farbe oder Form verändert hat, sollten Sie einen Dermatologen (Hautarzt) oder einen Podologen (Arzt für Fußkrankheiten) aufsuchen, denn dies kann auf einen Nagelpilz hindeuten. Der Arzt erkennt einen Pilzbefall meist auf den ersten Blick. Um eine gesicherte Diagnose stellen zu können, wird der Arzt ein Stück des betroffenen Nagels abschneiden und im Labor auf Pilzsporen untersuchen lassen.

Eine im Labor angelegte Pilzkultur liefert nach etwas drei Wochen sichere Ergebnisse

Eine im Labor angelegte Pilzkultur liefert nach etwas drei Wochen sichere Ergebnisse

Da die unterschiedlichen Pilzarten mit unterschiedlichen Wirkstoffen behandelt werden müssen, wird im Labor eine sogenannte Pilzkultur angelegt, damit sicher gestellt werden kann, um welche Erreger es sich handelt. Da das Pilzwachstum in der Pilzkultur etwa drei Wochen benötigt, bis das sie ein gesichertes Ergebnis liefern, kann der Arzt auch schon vorher mit einer Nagelpilzbehandlung beginnen, wenn es sich um einen sehr stark ausgeprägten Pilzbefall handelt.

Wie wird Nagelpilz behandelt?

Wie und mit welchen Mittel ein Nagelpilz behandelt wird, hängt auch davon ab, wie weit der Pilzbefall bereits fortgeschritten ist. Was viele jedoch nicht wissen: Ein Nagelpilz heilt niemals von alleine aus. Wird er nicht behandelt, kann er auch die anderen Nägel infizieren und sogar chronisch werden.

Für eine erfolgreiche Behandlung ist eine frühe und ausreichend lange Therapie nötig. Denn werden die Keime nicht vollständig abgetötet, kann sich der Pilz nach einiger Zeit erneut ausbreiten. Zuerst müssen allerdings die befallenen und zerstörten Teile des Nagels so weit wie möglich entfernt werden. Dafür sollten Sie einen professionellen Fußpfleger aufsuchen. Er schleift den Nagel vorsichtig ab und entfernt somit schon einen Teil des betroffenen Nagels.

Nagelpilz kann mit farblosen Lacken behandelt werden

Nagelpilz kann mit farblosem, wasserlöslichen Lack behandelt werden, der rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist

Da Nägel langsam wachsen, ist es für Mediziner schwer, heilende Wirkstoffe in großer Menge zu den betroffenen Stellen zu bringen. Experten empfehlen deshalb medizinische Lacke, die den Wirkstoff Ciclopirox enthalten. Die Lackgrundlage des wasserlöslichen Anti-Pilz-Lacks Ciclopirox basiert auf dem pilzabtötenden Hydroxypropylchitosan (HPCH), das aus dem Naturstoff Chitin hergestellt wird. Wasserlösliche Präparate sind wasserfesten Lacken in ihrer Wirksamkeit deutlich überlegen, wie Studien gezeigt haben. Die Behandlung sollte grundsätzlich so lange fortgesetzt werden, bis die Nägel vollständig gesund nachgewachsen sind.

Kann man einem Nagelpilz vorbeugen?

Ja, man kann Nagelpilz vorbeugen. Bei intakten Nägeln haben die Pilzsporen keine Chance. Erst wenn eine sogenannte Mikroverletzung vorliegt, kann der Erreger darüber in die Nagelplatte gelangen. Gewissenhafte Fußpflege ist deshalb die beste Methode, sich vor einer Ansteckung zu schützen. In der Sauna, in Bädern oder öffentlichen Duschen und Umkleiden sollten Sie immer Badelatschen tragen. Wenn Sie stark schwitzen, wechseln Sie Ihre Socken mehrmals täglich. Sie sollten Socken aus Baumwolle tragen.

Eine gewissenhafte Fußpflege hilft dabei, Mikroverletzungen und damit auch dem Eintritt von möglichen Pilz-Erregern vorzubeugen

Eine gewissenhafte Fußpflege hilft dabei, Mikroverletzungen und damit auch dem Eintritt von möglichen Pilz-Erregern vorzubeugen

Eine gute Methode ist, die Füße nach dem Duschen trocken zu föhnen. Sollte eine Person aus Ihrem Haushalt unter Nagelpilz leiden, benutzen Sie keine gemeinsamen Handtücher oder Nagelscheren/-feilen. Auch über diese Gegenstände ist eine Ansteckung möglich. Alles, was mit den Füßen in Berührung kommt (Socken, Handtücher, Duschvorleger), sollten Sie regelmäßig bei 60 Grad waschen. Da Mikroorganismen im feuchtwarmen Milieu optimale Lebensbedingungen finden, sollten Sie alle Schuhe nach jedem Tragen gut lüften und trocken lagern.

Antworten auf die 5 häufigsten Fragen zu Nagelpilz

Woran erkenne ich Nagelpilz?

Nagelpilz ist tückisch, da er anfänglich weder Schmerzen verursacht noch auffällig aussieht. Typisch sind zu Beginn weißlich bis gelblich-braune längliche oder halbkreisförmige Verfärbungen, häufig an den vorderen und seitlichen Rändern. Später verdicken die Nägel, werden brüchig und bröckelig. Beim Gehen kann es zu Schmerzen kommen. Wenn nicht behandelt wird – Nagelpilz geht von alleine nicht wieder weg –, kann es zur Zerstörung und /oder Ablösung des Nagels kommen.

Stimmt es, dass nur die Fußnägel von Nagelpilz befallen werden?

Nein, das stimmt nicht. Sowohl Fuß- als auch Fingernägel können von Pilzerregern befallen werden, wobei die Zehennägel (meist Großzehe und kleiner Zeh) viermal häufiger betroffen sind als die Fingernägel. Während bei Nagelpilz an den Füßen meistens Fadenpilze die Verursacher sind, ist bei Nagelpilz an den Fingern ein Hefepilz schuld.

Nagelpilz an den Fingernägeln wird meistens durch einen Hefepilz ausgelöst

Nagelpilz an den Fingernägeln wird meistens durch einen Hefepilz ausgelöst


Ist Nagelpilz ansteckend?

Ja, Nagelpilz ist ansteckend. Treffen kann eine Infektion tatsächlich jeden. Denn die lästigen Keime lauern in Bädern, Saunen und Umkleidekabinen. Vor allem im feuchtwarmen Klima in Synthetik-Strümpfen oder Kunstleder- und Sportschuhen fühlen sie sich wohl. Aber trotz der Ansteckungsgefahr wird der Befall häufig verharmlost oder sogar ignoriert. Viele Betroffene versuchen, den Nagelpilz zu verbergen, der die Fußnägel zunehmend unansehnlich macht. Sie ziehen entweder ausschließlich geschlossene Schuhe oder Tennissocken in Sandalen an.

Nagelpilz heilt nicht von selbst. Damit Sie Ihre Füße nicht verstecken müssen, sollten Sie diesen Befall bei den ersten Anzeichen – wenn sich die Nägel verfärben oder verdicken – sofort behandeln.

Ist Nagelpilz ein Zeichen für mangelnde Körperhygiene?

Nein, das Auftreten von Nagelpilz ist kein Zeichen für mangelnde Hygiene. Es reicht schon eine sehr kleine Verletzung am Nagel aus, um bei Kontakt mit Pilzerregern eine Infektion auszulösen. Aber durch hygienische Maßnahmen, wie z.B. das Waschen von Socken, Handtüchern und Badvorleger bei mindestens 60°C, können Sie das Infektionsrisiko deutlich senken.

Bekommen nur ältere Menschen Nagelpilz?

Nein, Nagelpilz ist keine Frage des Alters. Zwar haben ältere Menschen ein höheres Risiko, an Nagelpilz zu erkranken, da sie häufiger unter Durchblutungsstörungen in den Füßen oder Händen leiden. Aber junge Menschen können ebenso an Nagelpilzinfektionen erkranken. Besonders Sportarten wie Joggen, Fußball oder Wandern können sogenannte Mikroverletzungen am Nagel begünstigen. Durch diese Verletzungen haben Erreger leichtes Spiel und können sich im Nagel ausbreiten. Das feuchtwarme Milieu des Schuhs trägt dazu bei, dass sich die Pilze im Nagel immer weiter vermehren.