Leukämie

Der Begriff Leukämie bedeutet übersetzt „weißes Blut“ und deutet auf das namensgebende Krankheitszeichen – die erhöhte Zahl an weißen Blutkörperchen – hin. Sie umfasst verschiedene Krebserkrankungen des blutbildenden Systems, die sich in Behandlung und Heilungsaussichten mitunter deutlich unterscheiden. Eine Leukämie tritt vergleichsweise selten auf und ist in vielen Fällen heilbar.

Was ist eine Leukämie?

Eine Leukämie entsteht im Zuge des Reifungsprozesses der blutbildenden Stammzellen im Knochenmark. Dort reifen unterschiedliche Blutzellen, wie etwa rote Blutkörperchen und Blutplättchen, aber auch weiße Blutzellen (Leukozyten) aus sogenannten Stammzellen heran. Kommt es während des Prozesses zur Fehlschaltung in bestimmten Kontrollgenen, so entwickeln sich anstelle von reifen, funktionsfähigen Leukozyten unreife, funktionsuntüchtige weiße Blutkörperchen, die sich schnell und unkontrolliert teilen. Die Zellen entarten und eine Leukämie – umgangssprachlich auch „Blutkrebs“ genannt – entwickelt sich.

Im Verlauf einer Leukämie stören und unterbinden die weißen Blutzellen zunehmend die natürliche Blutbildung. Die Folge ist, dass der Körper weiße und rote Blutkörperchen sowie Blutplättchen nicht mehr in ausreichendem Maß bilden kann. Daher kommt es zu einer Blutarmut (Anämie) durch die verringerte Zahl von roten Blutkörperchen. Die verminderte Zahl gesunder, weißer Blutkörperchen macht Betroffene anfällig für Infektionen, während die geringe Blutplättchen-Zahl die Blutgerinnung beeinträchtigt. Das wiederum führt zu einer erhöhten Blutungsneigung. Menschen mit einer Leukämie erscheinen blass und fühlen sich häufig müde und abgeschlagen. Da der Blutkreislauf den gesamten Körper versorgt, betrifft eine Leukämie-Erkrankung immer den gesamten Körper. Sie ist nicht auf eine bestimmte Körperregion begrenzt.

Blutuntersuchung um Leukämie nachzuweisen

Mithilfe einer Blutuntersuchung lassen sich Leukämiezellen im Körper nachweisen


Vier Formen von Leukämie

Bei Verdacht auf eine Leukämie stellt der Arzt die Diagnose anhand einer Blutanalyse. Für die genauere Bestimmung der jeweiligen Leukämie-Form muss er in der Regel eine zusätzliche Knochenmark-Biopsie durchführen. Dabei wird Knochenmark-Gewebe zur weiteren Untersuchung entnommen. Der Arzt unterscheidet grundsätzlich vier Formen der Leukämie:

  • Akute myeloische Leukämie (AML): Sie tritt vor allem bei Erwachsenen auf und kann neben den weißen auch die roten Blutkörperchen betreffen.
  • Akute lymphatische Leukämie (ALL): Von ihr sind vor allem Kinder betroffen. Die Therapie besteht aus einer intensiven Chemotherapie, die in manchen Fällen durch eine Bestrahlung ergänzt wird. Wird die Erkrankung bei Kindern diagnostiziert, so können 80 Prozent von ihnen geheilt werden.
  • Chronisch myeloische Leukämie (CML): Ihre Entstehung wird durch bestimmte genetische Veränderungen begünstigt. Rund 90 Prozent der Betroffenen besitzen die als Philadelphia-Chromosom bezeichnete genetische Mutation. Im Verlauf der Erkrankung kann die chronische Form in ein akutes Stadium übergehen. Große Mengen nicht funktionsfähiger, weißer Blutkörperchen werden dabei ins Blut gespült, siedeln sich unter anderem in Leber und Milz an und lassen diese anschwellen.
  • Chronisch lymphatische Leukämie (CLL): Sie entwickelt sich vor allem bei älteren Menschen. Hierbei entarten bestimmten Zellen des Immunsystems, die sogenannten B-Lymphozyten. Sie sind nicht mehr funktionsfähig, was zu einer Schwächung des Immunsystems führt. Die Folge ist eine gesteigerte Anfälligkeit für Infekte.

Leukämie zählt zu den seltenen Krebserkrankungen

In Deutschland erkranken pro Jahr mehr als 11.000 Menschen an Leukämie. Rund 50 Prozent der Neuerkrankungen entfallen auf die akute lymphatische Leukämie (ALL) und die akute myeloische Leukämie (AML). Etwa 30 Prozent der Betroffenen erkranken an einer chronisch lymphatischen Leukämie (CLL)  und rund 15 Prozent an der chronisch myeloischen Leukämie (CML). Drei Viertel aller Patienten sind zum Zeitpunkt der Diagnose älter als 60 Jahre. Zwischen 500 und 600 Kindern unter 15 Jahren erkranken jährlich an einer Leukämie. Grundsätzlich zählen Leukämien zu den seltenen Krebserkrankungen. Zum Vergleich: Brustkrebs bekommen jährlich mehr als 70.000 Frauen, Dickdarmkrebs mehr als 60.000 Männer und Frauen.

Leukämie-Erkrankungen werden in Regel mittels Chemotherapien und Knochenmark-Transplantationen behandelt, in seltenen Fällen ergänzend durch Bestrahlungen. Eine regelmäßige Nachsorge ist im Anschluss an die Behandlung in jedem Fall erforderlich.

Einer Leukämie lässt sich nicht gezielt vorbeugen, weil die Ursachen ihrer Entstehung nicht geklärt sind. Dennoch sind verschiedene Risikofaktoren bekannt, welche die Entstehung einer Leukämie im Speziellen sowie Krebserkrankungen im Allgemeinen begünstigen. Zu ihnen gehören Benzol oder benzolhaltige Substanzen, Röntgenstrahlung in erhöhten Dosen oder auch der tägliche Zigarettenkonsum.