Krämpfe (Spasmen)

Bei Krämpfen zieht sich ein Muskel unwillkürlich zusammen und verursacht Schmerzen. Häufig kommen Wadenkrämpfe oder Oberschenkelkrämpfe vor, doch können sämtliche Muskeln des Körpers betroffen sein. Krämpfen lässt sich nur teilweise vorbeugen. Wenn es soweit ist, sollten Sie versuchen, den betroffenen Muskel zu dehnen und zu massieren.

Was sind Krämpfe?

Eine Sportlerin hat einen Krampf im Bein

Krämpfe im Bein kommen häufig bei Sportlern vor

Sie treten unerwartet auf und schmerzen: Krämpfe. Bei einem Muskelkrampf zieht sich ein Muskel unwillkürlich zusammen, manchmal auch ganze Muskelgruppen. Meist hält ein Krampf einige Sekunden an und löst sich dann wieder. Im Prinzip kann jeder Muskel krampfen. Dennoch sind bestimmte Muskeln besonders oft betroffen. Vielen bekannt sind etwa Wadenkrämpfe, Krämpfe des Fußgewölbes, des Oberschenkels oder der Hand (Schreibkrämpfe). Ärzte unterscheiden länger anhaltende Muskelkrämpfe (tonisch) oder rasch aufeinanderfolgende Muskelzuckungen (klonisch). Medizinisch gesehen zählen auch Symptome wie Muskelzittern (Tremor) zu den Krämpfen.

Arten von Krämpfen

  • Spasmus: Ein plötzliches Zusammenziehen eines oder mehrerer Muskeln mit zeitweise anhaltender Spannung. Es kann die Skelettmuskulatur betroffen sein (z. B. Wadenkrampf, Krampf von Oberschenkel oder Gesichtsmuskulatur) oder aber die Muskeln der Eingeweide (z. B. Spasmen von Bronchien, Gebärmutter).
  • Kolik: Bei Krämpfen der Organe spricht der Arzt häufig auch von einer Kolik (z. B. Nierenkolik, Gallenkolik). Kennzeichen sind starke Schmerzen, die phasenweise und „wellenförmig“ auftreten.
  • Myoklonie: Muskelzuckungen, die schnell hintereinander folgen. Sie können krankhaft auftreten oder auch als ein normales körperliches Phänomen (Schluckauf, kurze Zuckungen während des Einschlafens).
  • (motorische) Tics: Eine Art von Myoklonie mit wiederkehrenden Zuckungen einzelner oder mehrerer Muskeln.
  • Generalisierter Krampfanfall: Anfallsartige Zuckungen am gesamten Körper (z. B. bei einer Epilepsie, Fieberkrämpfen)
  • Spastik: ganze Muskelgruppen sind dauerhaft zu stark angespannt; Ursache ist eine Schädigung von Gehirn und Rückenmark (zentrales Nervensystem)

Der Muskelaufbau des Menschen

Die Skelettmuskulatur an Rumpf und Gliedmaßen ist für die kontrollierte Körperspannung und Bewegung verantwortlich


Der Aufbau unserer Muskulatur

Um Krämpfe zu verstehen muss man einiges über Muskeln wissen: Unser Körper weist verschiedene Arten von Muskulatur auf. Zur kontrollierten Bewegung und Körperspannung verfügen wir über Skelettmuskeln, etwa an Rumpf, Armen und Beinen. Muskeln setzen sich unter anderem aus einzelnen Muskelfasern zusammen. Unter dem Mikroskop betrachtet wirken die Muskelfasern der Skelettmuskulatur quergestreift. Dies liegt am Aufbau – denn die Muskeleiweiße sind regelmäßig und parallel angeordnet; teilweise greifen sie ineinander.

Bei einer Muskelanspannung schieben sich bestimmte Muskeleiweiße noch weiter ineinander. Als Folge verkürzt sich der gesamte Muskel. Die Skelettmuskeln können wir ganz bewusst anspannen (willkürlich). So ist es uns möglich, Bewegungen zu planen. Viele komplexe Bewegungen wie das Gehen und auch die Körperhaltung erfordern dagegen wenig Aufmerksamkeit, da sie eingeübt und automatisiert sind. Jede Bewegung erfordert eine genaue Steuerung durch Gehirn und Nerven.

Muskeln der Eingeweide, also von Organen und Blutgefäßen, bestehen aus sogenannter glatter Muskulatur. Auch sie kann sich zusammenziehen, doch fehlt der streifenartige Aufbau. Der Herzmuskel ist ein Sonderfall, denn er weist die typischen Querstreifen wie bei der Skelettmuskulatur auf. Die Muskeln der Organe „arbeiten“ ohne bewusstes Nachdenken (unwillkürlich). Auch sie werden vom Nervensystem dirigiert (hier: vegetatives bzw. autonomes Nervensystem).

So entstehen Krämpfe

Wie funktioniert die Steuerung von Muskeln? Die Muskeln verfügen über Sensoren, welche die Anspannung messen. Über Nerven sind sie mit den Steuerzentralen Gehirn und Rückenmark „verdrahtet“. Von der Steuerzentrale erhalten die Muskeln fortwährend Impulse, die sie in eine Grundspannung versetzen. Soll sich ein Muskel anspannen, erhält er ein starkes Signal, vermittelt über die Nerven (Aktionspotenzial). Mediziner können mit einem sogenannten ENG (Elektroneurogramm) sehen, welche Signale bei den Muskeln eingehen. Ein EMG (Elektromyogramm) zeigt entsprechend, wie die Muskeln darauf reagieren.

Das Nervensystem nutzt Mineralstoffe für die Signalübermittlung. Auch die Muskeln agieren über ein System, bei dem Mineralstoffe eine wichtige Rolle spielen. Ein Ungleichgewicht im Mineralstoff-Haushalt, etwa durch starkes Schwitzen, kann daher eine mögliche Ursache von Krämpfen sein. Bei einem plötzlichen Krampf lässt sich natürlich nicht in den Muskel hineinschauen. Würde aber der Arzt währenddessen ein EMG anfertigen, wäre erkennbar, dass extrem schnell aufeinanderfolgende Signale den Muskel zum Krampfen bringen (hohe Frequenz der Aktionspotenziale).