Kann meine Erkältung einen Herzinfarkt auslösen?

Herzinfarkt
Laut einer neuen Studie kann eine Erkältung auch noch Wochen nach dem Abklingen der Symptome einen Herzinfarkt begünstigen
Atemwegsinfekte wie Bronchitis und Erkältungen können laut einer neuen Studie die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt erhöhen – auch noch Wochen nach der Erkrankung. PraxisVITA erklärt, wer zur Risikogruppe gehört und wie Betroffene das Risiko vermindern können.

Nach einem Atemwegsinfekt wie einer Bronchitis oder einer Erkältung sollte man verstärkt auf mögliche Symptome eines Herzinfarkts achten. Diese Empfehlung geben Forscher der University of Sydney in Australien aufgrund ihres neuesten Studienergebnisses: Bei 578 untersuchten Fällen berichteten 17 Prozent, dass sie sieben Tage vor dem Infarkt noch Symptome eines Atemwegsinfekts hatten. Bei 21 Prozent der Fälle waren es 31 Tage. Die Zahlen veröffentlichten die Wissenschaftler jetzt im Internal Medicine Journal.

Herzinfarkt durch blockierte Gefäße

Bei allen Studienteilnehmern ließ sich der Infarkt auf Blockaden in den herznahen Arterien zurückführen. Für die neue Untersuchung mussten die Probanden Fragen dazu beantworten, ob und wann sie in letzter Zeit unter einer Atemwegserkrankung wie Lungenentzündung, Bronchitis oder Grippe gelitten hatten, welche Symptome dabei aufgetreten waren und wie häufig sie generell derlei Infekte hatten. Die häufigsten genannten Erkrankungssymptome seien laut den Forschern Halsschmerzen, Husten und Fieber gewesen.

Herzinfarkt durch Erkältung?

In einer zweiten Analyse untersuchten die Wissenschaftler auch das Risiko für einen Herzinfarkt, wenn mildere Krankheitsverläufe mit Entzündungen der oberen Atemwege vorlagen, wie beispielsweise bei einer Erkältung oder einer Sinusitis. Auch in diesen Fällen war die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt 13mal höher im Vergleich zu Personen, die keinen Infekt hatten. „Infektionen der oberen Atemwege verlaufen zwar oft weniger schlimm, sind aber auch deutlich häufiger als Infektionen der unteren Atemwege. Deshalb versuchen wir herauszufinden, welche Rolle sie bei Herzinfarkten spielen“, erklärt Studienautor Dr. Lorcan Ruane. Studienleiter und Kardiologe Prof. Geoffrey Tofler liefert eine mögliche Erklärung für das erhöhte Risiko: „Bei einem Atemwegsinfekt steigt auch die Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Blutklümpchen und Entzündungen. Außerdem können verschiedene Toxine die Blutgefäße leichter beschädigen.“

Die Forscher weisen daraufhin, dass das absolute Risiko, durch einen Atemwegsinfekt einen Herzinfarkt zu erleiden, zwar vergleichsweise gering ist. Ein paar einfache Tipps können aber dabei helfen, es noch weiter zu vermindern: Während einer Erkältung sollte auf Sport besser verzichtet werden. „Wer sich keine Zeit nimmt, eine Erkältung auszukurieren, behindert die Arbeit der Abwehrtruppen des Körpers“, sagt Herzspezialist Norbert Smetak. Die möglichen Folgen: Eine Lungen- oder Herzmuskelentzündung. Auch wenn die letzten Symptome des Infekts abgeklungen sind, sollte noch etwa eine Woche pausiert werden. Danach kann man langsam wieder mit dem Training starten, geht aber in den nächsten vier Wochen besser nicht bis an die persönlichen Grenzen. Für Herzinfarkt-Risikopatienten gilt: Unbedingt mit dem Arzt abklären, ob und wenn ja, wie viel Bewegung gestattet ist. Mehr dazu können Sie in unserem Artikel „Sport bei Erkältung – darauf sollten Sie achten!“ nachlesen.