Individuelle Gesundheitsleistungen beim Frauenarzt

Eine Patientin füllt einen Fragebogen aus
Gynäkologen bieten verschiedene Individuelle Gesundheitsleistungen an – Patientinnen müssen in einem Fragebogen ankreuzen, welche davon sie in Anspruch nehmen möchten
Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sind Untersuchungen, für die Patientinnen selbst die Kosten übernehmen müssen. Aber welche sind wirklich notwendig? Unser Experte für Gynäkologie Prof. Dr. Kai J. Bühling beantwortet im Interview die häufigsten Fragen. Seine Empfehlungen finden Sie auch in einer praktischen Checkliste, die Sie zum nächsten Frauenarzt-Besuch mitnehmen können.

IGel-Checkliste zum Download

Hier können Sie sich eine Übersicht der üblichen von Frauenärzten angebotenen IGeL mit der Einschätzung unseres Experten herunterladen und zu Ihrem nächsten Termin mitnehmen:

>> IGel-Checkliste öffnen

Bei der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung kommen Frauen regelmäßig mit ihnen in Kontakt: Individuelle Gesundheitsleistungen, kurz IGeL, sind Untersuchungen, die nicht zum festgeschriebenen Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören. Das bedeutet: Die Kasse muss die Kosten nicht übernehmen – ob und für welche Untersuchungen sie dennoch aufkommt, ist von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich.

Unsicherheit bei Patientinnen

Beim jährlichen Vorsorgetermin legt der Frauenarzt der Patientin in der Regel eine Übersicht der von der Praxis angebotenen Individuellen Gesundheitsleistungen vor. In dieser Situation fragen sich viele Frauen: Brauche ich diese Untersuchungen wirklich? Sind sie reine Geldverschwendung oder bringe ich mich sogar in Gefahr, wenn ich sie nicht in Anspruch nehme?

Prof. Dr. Kai J. Bühling

Prof. Dr. Kai J. Bühling ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Prof. Dr. Kai J. Bühling, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, erklärt, wann Patientinnen welche IGeL in Anspruch nehmen sollten.

Dünnschichtzytologie (verbesserter Krebsvorsorgeabstrich)

Prof. Dr. Kai J. Bühling: „Beim üblichen Krebsfrüherkennungsabstrich werden einige Zellen vom Gebärmutterhals mit einem Bürstchen abgelöst und auf einem Glasträger ausgestrichen. Dieser Abstrich wird dann eingefärbt und unter dem Mikroskop auf auffällige Zellen untersucht. Bei der Dünnschichtzytologie wird ebenfalls ein Abstrich entnommen, dieser dann aber in Flüssigkeit eingebracht. Mögliche Schleim- oder Blutbeimengungen werden dadurch beseitigt, der Abstrich wird dadurch sauberer. Die Dünnschichtzytologie ist in den USA und Großbritannien Standard. Ob man durch diese Untersuchung mehr Gebärmutterhalskrebse entdeckt oder diese in einem früheren Stadium erkennt, ist derzeit strittig. Allerdings führt man bei auffälligen Befunden bevorzugt die Dünnschichtzytologie durch, um ein genaueres Bild zu haben. Ein weiterer Vorteil der Dünnschichtzytologie ist, dass bei auffälligen Befunden aus dem Material ein Test auf HP-Viren gemacht werden kann. Diese Viren sind der häufigste Auslöser von Gebärmutterhalskrebs.“

Vorsorgeultraschall der weiblichen Genitalorgane

„Im Ultraschall kann man die Dicke der Gebärmutterschleimhaut erkennen (diese ist nicht zu tasten) sowie Veränderungen an den Eierstöcken (diese sind erst zu tasten, wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben – vorausgesetzt, die Patientin ist recht schlank). Sie steht derzeit jedoch unter Kritik. Diese beruht auf Studien, die kein längeres Leben für Frauen nachweisen konnten, die einen Ultraschall erhielten im Vergleich zu Frauen, die keinen Ultraschall erhielten. Allerdings  wurden hierbei keine großartigen Anforderungen an den Untersucher oder das Ultraschallgerät gestellt.  Um also zu erfahren, ob es Auffälligkeiten an den Eierstöcken oder der Gebärmutter gibt, ist die jährliche Durchführung eines Vorsorgeultraschalls ratsam. In Abhängigkeit von Risikofaktoren (z.B. familiäre Belastung, Übergewicht) wird die jährliche Durchführung ab etwa 35 Jahren empfohlen.“

Vorsorgeultraschall der Brüste

„Frauen ab 35 Jahren sollten diese Untersuchung einmal jährlich durchführen lassen – Patientinnen mit Fällen von Brustkrebs in der Familie zweimal jährlich, ergänzt durch eine MRT. Außerdem ist die Untersuchung ratsam, wenn Sie bei der Selbstuntersuchung Ihrer Brust Auffälligkeiten im Gewebe ertastet haben oder aber das Brustdrüsengewebe sehr knotig ist. Studien zufolge können im optimalen Fall Befunde erst ertastet werden, die eine Größe von 1 cm überschreiten. Da das Ziel aber ein frühzeitigerer Beginn der Behandlung ist, empfiehlt sich die zusätzliche Absicherung durch den Ultraschall. Bei Frauen zwischen 50- 69 Jahren zahlen die gesetzlichen Krankenkassen zudem die Mammographie.“

Knochendichtemessung (Ultraschallverfahren)

„Da die Osteoporose (Knochenschwund) eine langsam entstehende Erkrankung ist, die zunächst keine Symptome verursacht,  ist auch hier eine Früherkennung sinnvoll. Optimalerweise erfolgt die Messung allerdings mittels DXA (Dual-Röntgen-Absorptiometrie), einem speziellen Röntgenverfahren. Nur wenn kein DXA-Gerät erreichbar ist, kann hilfsweise auch die Ultraschalluntersuchung am Os calcaneus (Ferse) erfolgen. Sie ist aber nicht so genau, auffällige Befunde müssen mittels der DXA-Messung bestätigt werden, bevor eine Therapie eingeleitet wird. Liegen Risikofaktoren für eine Osteoporose vor – wie Untergewicht, Rauchen, häufigen Stürze, die Einnahme von Kortison (mehr als 7,5 mg pro Tag) über mehr als sechs Monate, vergangene Wirbelbrüche oder eine erbliche Vorbelastung für einen Oberschenkelhalsbruch – empfiehlt sich eine Knochendichtemessung ab der Menopause alle zwei Jahre, sonst ab etwa 50 Jahren, um das individuelle Risiko abzuschätzen und eine Prävention einleiten zu können.“

Vorsorgeuntersuchung auf Harnblasenkrebs (Urintest)

„Diese Untersuchung sollten Frauen mit einem erhöhten Risiko für Harnblasenkrebs (einmal jährlich) durchführen lassen. Risikofaktoren sind chemische Substanzen, wie sie beim Haarefärben sowie auch von Zahntechnikern, Automechanikern oder in der chemischen Industrie eingesetzt werden. Rauchen verdoppelt das Risiko. Mittels des Urintests können Eiweiße nachgewiesen werden, die von den Krebszellen produziert werden. Somit ist eine Erkennung in einem frühen Stadium möglich. Nachteil ist, dass dieser Test durchaus einmal fälschlicherweise positiv anschlagen kann und eine weitere Untersuchung, wie Blasenspiegelung, durchgeführt werden muss.“

Vorsorgeuntersuchung auf Darmkrebs (verbesserter Stuhltest)

„Die reguläre Darmspiegelung zur Darmkrebsvorsorge wird ab 50-55 Jahren alle 10 Jahre durchgeführt. Für Patientinnen, die bereits früher eine Abklärung haben möchten beziehungsweise für das Zeitintervall zwischen 5- 10 Jahren nach einer Darmspiegelung empfiehlt sich die Durchführung eines Stuhltests. Dabei haben die einfachen Stuhltests eine nur sehr geringe Entdeckungsrate von etwa 25%. Die besseren Tests erreichen Werte zwischen 70-80% und sind daher zu bevorzugen. Neu in der Entwicklung sind Tests auf bestimmte Eiweiße, die von den Krebszellen abgegeben werden. Hierzu liegen bisher noch keine sehr großen Studien vor.“