Helicobacter pylori – Wie gefährlich ist der Magenkeim?

Magenschmerzen durch Helicobacter Infektion
Etwa ein Drittel der erwachsenen Deutschen ist vom Magenkeim Helicobacter pylori befallen. Die Folge sind Geschwüre an Magen und Zwölffingerdarm
So schnell nimmt uns unser Magen normalerweise nichts übel. Seine Säure ätzt einfach alles weg. Ein Bakterium hat es dennoch geschafft, sich diesem unwirtlichen Lebensraum anzupassen: Helicobacter pylori! Was den Magenkeim so gefährlich macht, erfahren Sie hier.

Rund 40 Millionen Bundesbürger tragen ihn in sich, meist unbemerkt. Gefährlich wird's erst, wenn sich Helicobacter-Bakterien in den Falten der Magenschleimhaut einnisten. Dann beginnt der Magenkeim sein zerstörerisches Werk, greift nach und nach die Schutzschicht an – bis sich die Magenschleimhaut entzündet!

Von einer solchen Gastritis Betroffene haben keinen Appetit, sie erbrechen, fühlen sich unwohl, klagen über Druckschmerz im Oberbauch und unangenehmen Geschmack im Mund. Zwar lässt sich das Leiden medikamentös in den Griff bekommen, doch bei rund einem Viertel der Patienten entwickelt sich durch den Magenkeim schließlich ein Geschwür.

Helicobacter pylori verursacht gefährliche Geschwüre im Magen

Als gesichert gilt: Fast alle Geschwüre an Magen und Zwölffingerdarm hat Helicobacter pylori zu verantworten. Und Fakt ist auch: Ein solches "Ulcus pepticum", wie der Mediziner das Geschwür nennt, muss behandelt werden. Sonst kann es zu Blutungen und im schlimmsten Fall zum Durchbruch kommen.

Auch bei Magenkrebs ist das Bakterium in neun von zehn Fällen der Übeltäter. Nachgewiesen wurde, dass Infizierte sechsmal häufiger daran erkranken als Nichtinfizierte. Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt der Erreger – ebenso wie das Rauchen – als gefährlicher Krebsauslöser.

Helicobacter-Cocktail: So wurde der Magenkeim entdeckt

Identifiziert wurde der kleine Magenkeim, der vermutlich über das Trinkwasser in den Körper gelangt, erst 1983 von Barry James Marshall und J. Robin Warren. Doch die Fachwelt blieb skeptisch, nahm die Australier nicht ernst. Denn: Laut Lehrmeinung galt der Magen als keimfrei. Um das Gegenteil zu beweisen, schluckte Marshall im Selbstversuch einen Helicobacter-Cocktail. Und siehe da: Nach nur wenigen Tagen zeigte er Symptome einer schweren Gastritis. Diese Entdeckung wurde 2005 mit dem Nobelpreis belohnt.

Das Duo stellte auch fest, dass eine Kombination aus dem Schwermetall Wismut und einem Antibiotikum den Magenkeim vernichtete. So behandelt, erholte sich Marshall rasch.

Eine 7-Tage-Therapie reicht zur Behandlung des Helicobacter-Keims aus

Heute rückt man dem gefährlichen Gast mit einer 7-Tage-Therapie zu Leibe. Ist eine Infektion nachgewiesen, etwa durch eine Untersuchung der Atemluft, besteht die Behandlung gegen den Magenkeim aus der Gabe eines Magensäurehemmers sowie zweier Antibiotika. Bereits nach einer Woche ist Helicobacter pylori bei mehr als 90 Prozent aller Patienten nicht mehr nachweisbar.