Heiserkeit (Dysphonie)

Morgens ist plötzlich die Stimme weg? Viele kennen diese Art von Heiserkeit, die meist aufgrund einer einmaligen Überanspruchung der Stimme oder einer Erkältung auftritt. Doch Heiserkeit kann auch ernstzunehmende Ursachen haben.

Was ist Heiserkeit?

Mit Heiserkeit ist eine Beeinträchtigung der Stimme gemeint. Meist ist bei Heiserkeit nur die Stimmstärke eingeschränkt oder der Klang verändert. In manchen Fällen kann Heiserkeit aber bis zur Stimmlosigkeit führen, sodass der Betroffene nur noch flüstern kann.

Die Gründe für Heiserkeit sind unterschiedlich

Die menschliche Stimme wird im Wesentlichen im Kehlkopf gebildet. Dieser ist am oberen Ende der Luftröhre angesiedelt. Im Kehlkopf befinden sich zwei sogenannte Stimmlippen, deren freie Ränder die Stimmbänder bilden. Atmen wir ein, sind die Stimmlippen entspannt und geöffnet. Wenn wir sprechen, spannen die Stimmlippen sich an und verschließen die Stimmritze fast vollständig. Durch den entstehenden schmalen Spalt strömt beim Ausatmen Luft und bringt die Stimmlippen in Schwingung. Dadurch vibriert auch die Luft zwischen Kehlkopf und Mundhöhle. Auf diese Weise entstehen Töne. Ist dieser Vorgang beeinträchtigt, kommt es zur Heiserkeit. Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Sie reichen von völlig harmlosen bis hin zu ernstzunehmenden Ursachen.

Frau mit Heiserkeit

Heiserkeit ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom und tritt häufig bei Erkrankungen des Hals-Rachenraums auf


Heiserkeit ist meistens ungefährlich

In den meisten Fällen ist eine Heiserkeit sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen ungefährlich und verschwindet nach kurzer Zeit wieder. Heiserkeit ist häufiges Symptom einer Erkältung, bei der der Rachen sich gleichzeitig rau und trocken anfühlt. Der Hals kratzt und Betroffene müssen sich häufig räuspern. Nachdem die Erkältung abgeklungen ist, verschwindet auch die Heiserkeit wieder. Viele Menschen kennen es auch, dass die Stimme weg ist – zum Beispiel wenn sie an einem Abend viel gesungen oder geredet haben. Spätestens nach ein paar Tagen ist diese Heiserkeit überstanden.

Chronische Heiserkeit

Heiserkeit kann aber auch unabhängig von einer Erkältung über einen längeren Zeitraum hinweg auftreten. Mediziner sprechen in diesem Fall von einer chronischen Heiserkeit. Vor allem Personen, die viel und laut reden oder singen müssen, wie Lehrer, Schauspieler, Sänger oder Pfarrer, können von einer chronischen Heiserkeit betroffen sein. Bei diesen bilden sich häufig durch die ständige Überanspruchung Knötchen an den Stimmbändern, die sogenannten Sängerknötchen.

Was hilft bei einer Heiserkeit, Herr Doktor?

 

Prof. Markus Hess, HNO-Arzt und Phoniater, erklärt, was bei einer Heiserkeit hilft

Experte Prof. Markus Hess beantwortet die wichtigsten Fragen zu Heiserkeit

Sie ist unser Tor zur Welt – die Stimme. Über Tonlage und Worte erfahren unsere Mitmenschen, was in uns vorgeht. Doch: „Erst, wenn sie einmal nicht funktioniert, merken wir, wie wichtig sie für uns ist“, sagt Professor Markus Hess von der Deutschen Stimmklinik in Hamburg. Er beantwortet die wichtigsten Fragen rund um unsere Stimme:

Wie gefährlich ist ständiges Räuspern?

Beim Räuspern handelt es sich um einen Schutzreflex des Körpers. Eine mögliche Ursache ist Reflux: Magensäure steigt bis zum Rachenbereich auf, die den Kehlkopf reizt. Wer sich dann räuspert, strengt den Kehlkopf stark an. Auf Dauer wird die Stimme geschädigt. Gehen Sie deshalb nach spätestens drei Wochen zum Arzt.

Wie lange ist Heiserkeit normal?

Meistens tritt Heiserkeit bei Infekten auf. Das ist eine normale Begleiterscheinung. Kommt es jedoch nach drei Wochen zu keiner Besserung, sollten Sie zu einem HNO-Arzt gehen.

Welche Untersuchung empfehlen Sie bei Heiserkeit?

Der Arzt führt ein Mini-Endoskop über die Nase in den Hals ein. Bei dieser meist schmerzfreien Kehlkopf-Spiegelung können Veränderungen im Rachen detailliert überprüft werden.

Was kann bei der Untersuchung festgestellt werden?

Häufig lautet die Diagnose Stimmlippen-Veränderung, etwa durch Reflux, Entzündungen oder gutartige Knötchen. Diese können mit einem kleinen Eingriff entfernt werden.

Ich halte beim Familienfest eine Rede. Wie bereite ich meine Stimme darauf vor?

Wärmen Sie die Stimme mit einer Summübung auf. Dabei Lautstärke erhöhen und dann wieder absenken (etwa fünf Minuten). Flüstern oder schreien Sie im Vorfeld nicht. Trinken Sie außerdem ausreichend Wasser, denn die Stimmbänder sind von Schleimhaut überzogen und müssen deshalb stets feucht gehalten werden.