Health-Day: Mess-Revolution für Diabetiker

02.08.2017
Auf dem Health-Day in Hamburg wurden unter anderem neue Messgeräte für Diabetes vorgestellt. Fotos der Veranstaltung finden Sie in unserer Bildergalerie!
Am Health Day am 17.06.2017 in Hamburg gab es neue Experten-Tipps zum Thema Diabetes, außerdem wurden neue Möglichkeiten zum Messen des Blutzuckers vorgestellt. PraxisVITA war für Sie vor Ort!

Es ist ein Traum, den sich die etwa sechs Millionen Diabetes-Patienten in Deutschland teilen: Nie wieder „stechen“ zu müssen, um den Blutzuckerspiegel kontrollieren zu können. Das war auch der einhellige Tenor beim „Health-Day“ in Hamburg, zu dem 15 Leser von Zeitschriften der Bauer Media Group (z.B. Good Health), die unter Diabetes leiden, gemeinsam mit ihren Partnern geladen waren.

„Meine Finger sind schon sehr zerstochen“, sagte die Leserin Anita Sauer. „Beim Messen kommt nur noch ganz wenig Blut aus den Fingerkuppen“, erklärte Dietmar Kutzschbauch. Kein Wunder: Denn bis zu elfmal täglich müssen Diabetiker mit der herkömmlichen Methode ihren Blutzucker messen. „Das ist aber nicht das einzige Problem. Sie bekommen zudem immer nur einen Ist-Zustand, einen punktuellen Wert. Sie sehen nicht, was zwischen den einzelnen Messungen passiert und ob der Blutzuckerspiegel gerade steigt oder sinkt. Außerdem ist das ständige Notieren der Werte lästig“, berichtete der Diabetologe Dr. Jens Kröger aus Hamburg-Bergedorf, der als Referent beim Health-Day die Teilnehmer mit interessanten und wertvollen Informationen versorgte.

Ein neues System – einfach zu bedienen

Doch für diese Probleme gibt es jetzt mit dem „FreeStyle Libre Flash Glukose Messsystem“ (Hersteller: Abbott) endlich eine komfortable Lösung. Wie einfach die Handhabung des Gerätes ist, davon konnten sich die Teilnehmer des Health-Days überzeugen. Der Sensor, etwa so groß wie eine Zwei-Euro-Münze, wird wie ein Pflaster auf der Rückseite des Oberarms angebracht. Dort kann er etwa zwei Wochen bleiben – er ist wasserdicht und darf sowohl beim Duschen als auch beim Schwimmen und bei anderen Sportarten getragen werden.

Health Day

Die Teilnehmer konnten das neue Messgerät direkt vor Ort testen

Beim Aufkleben des Sensors wird ein Mini-Messfühler unter die Haut platziert, Schmerzen verspürten die Teilnehmer keine. „Das ist ja viel einfacher, als gedacht“, waren sie sich einig. „Anders, als bei der normalen Methode mit Nadel und Streifen, misst das neue System nicht den Zuckerspiegel im Blut, sondern im Zwischenzellgewebe“, erklärte Dr. Kröger. Als die Besucher das erste Mal das Lesegerät über den Sensor hielten, waren sie begeistert. Sofort wurde ihnen der aktuelle Glukosewert angezeigt. Aber nicht nur das: Auch den Verlauf (das System speichert die letzten acht Stunden) sowie einen Trendpfeil kann man bei jedem Scan sehen. „Damit können Sie erkennen, ob der Wert tendenziell steigt oder fällt“, erklärte Dr. Kröger. Ein Beispiel: Liegt bei einer Messung der Wert von 110 mg/dl als einzige Information vor, würde ein Patient wohl nichts weiter unternehmen. Wenn er aber das neue Messsystem nutzt und zusätzlich zu dem aktuellen Wert sieht, dass der Wert vor einer Stunde bei 200 mg/dl lag und seitdem stark abfällt, kann er sofort handeln und muss nicht warten, bis Unterzuckerungssymptome auftreten.

Gefährliche Unterzuckerung schneller feststellen

Unterzuckerung ist ein wichtiges Thema gerade bei Diabetikern, die Insulin spritzen müssen. Denn die sogenannte Hypoglykämie kann lebensgefährlich werden. Es treten Bewusstseinsstörungen bis zur Bewusstlosigkeit auf. Das Problem: Vielfach merken die Betroffenen erst spät, dass der Blutzuckerspiegel massiv abfällt. Wer aber das neue Flash Glukose Messsystem benutzt, kann einfach und schnell – sogar jede Minute – den aktuellen Wert bestimmen. „Das Scannen funktioniert auch durch die Kleidung und ist somit viel alltagstauglicher, als die herkömmliche Methode“, erklärte Dr. Kröger. Ob im Büro – oder auf dem Weg dorthin in der U-Bahn -, an der roten Ampel, im Supermarkt oder sogar bei der Gartenarbeit oder beim Sport, das kleine Lesegerät kann man immer kurz und diskret über den Sensor streifen.

Genau diese Diskretion sei ein weiterer wesentlicher Faktor, so der Diabetologe. „Denn viele von Ihnen werden das kennen. Wer an Typ2-Diabetes leidet, wird oft stigmatisiert. Es heißt in vielen Fällen, man sei selber schuld. Doch das ist nicht so. Denn die Vererbungs-Komponente wird vielfach unterschätzt. Wenn Ihre Mutter oder Ihr Vater Diabetes Typ 2 hat, dann bekommen Sie mit einer 40-prozentigen Wahrscheinlichkeit ebenfalls diese Erkrankung. Haben beide Elternteile Diabetes, liegt das Risiko bei 70 Prozent.“

Fünf Punkte für einen besseren Umgang mit Diabetes

Nach den interessanten Fakten über die Entstehung von Diabetes Typ 2, folgte eine Ernüchterung für viele – vor allem aber für die Teilnehmerin Marion Hasloop. „Ich möchte vom Diabetes wegkommen“, war ihre Erwartung an den Health-Day. „Wenn Sie einmal Diabetes haben, werden Sie ihn leider nie wieder los.“ Dr. Kröger verglich die Erkrankung mit einem Rucksack: „In diesem befinden sich 1. gute Laune, 2. sinnvolles Essen. Aber es dürfen auch mal Chips oder Schokolade sein, aber eben nur in Maßen. 3. brauchen Sie im Rucksack ein Messgerät, mit dem Sie die Werte so gut wie möglich im Blick haben. 4. Bewegung und 5. Unterstützung von Verwandten oder Freunden gehören ebenfalls rein. Und mit diesem Rucksack durchleben Sie ganz viele verschiedene Phasen. Manchmal ist er schwer, Sie möchten ihn am liebsten loswerden. Doch das geht leider nicht. Und dann gibt es wieder Phasen, in denen der Rucksack ganz leicht ist. Dazu können Sie selbst beitragen, mit den genannten fünf Komponenten. Sie müssen dafür wissen, was gut für Sie ist und was nicht – und wie sie das umsetzen.“

Health Day

Mithilfe einer Körperanalyse konnten die Teilnehmer ihren aktuellen Gesundheitszustand bestimmen lassen


Von gesunder Ernährung bis Bewegung

Genau zu diesen Punkten gab es beim Health-Day weitere interessante Vorträge. Diätassistentin und Diabetesberaterin Janina Meyer referierte über gesunde Ernährung. Was es heute so schwer macht, gesund zu essen? „Dass wir so ein großes Angebot an Lebensmitteln und Produkten haben“, so die Expertin. Sie demonstrierte etwa ganz anschaulich, in welchen Lebensmitteln wie viel Zucker steckt. Den größten Aha-Effekt erlebten die Teilnehmer bei Ketchup: „22 Stück Würfelzucker befinden sich in einer 300-Gramm-Packung“, erklärte Janina Meyer.

Für die Bereiche Motivation und Bewegung waren Personal Trainer Martin Lieb und Business Coach, Mentaltrainerin und Stressexpertin Beatrice Bleß-Lieb zuständig. Eine ihrer Botschaften: „Es muss kein Sport sein. Es gibt ganz einfache Möglichkeiten, sich zu bewegen.“ 150 Minuten pro Woche aktiv zu sein, ist bereits ein guter Erfolg für Diabetes-Patienten. „Es bestehen so viele Möglichkeiten. Wir müssen nicht laufen.“ Auch Trampolinspringen – oder einfach nur darauf zu wippen – ist ebenso effektiv und für viele, die gesundheitlich in der Bewegung eingeschränkt sind, möglich. „Wer Zeit sparen möchte, kann auch mit einem Theraband vor dem Fernseher üben – und dabei seine Fußballmannschaft anfeuern“, so Martin Lieb.

Ein Schrittzähler für mehr Motivation

Für die Bewegungs-Motivation gab es für die Health-Day-Teilnehmer noch einen hochwertigen Schrittzähler geschenkt. Damit können sie jeden Abend checken, ob sie ihre tägliche Schrittzahl erreicht haben oder ob sie am Abend noch kurz um den Block gehen sollten. „Es müssen nicht immer 10.000 Schritte am Tag sein. Aber setzen Sie sich ein Ziel – etwa 5000 oder 6000“, so Martin Lieb. Um an diesem Tag schon mal genügend Schritte zu gehen, liefen die meisten Teilnehmer vom Tagungshotel in Hamburg St. Pauli zum Hafen. Dort fand eine abschließende Hafenrundfahrt statt, bei der noch eifrig über die Inhalte des Tages diskutiert wurde.

Genauere Datenlage für Therapie

Und natürlich konnten es die Teilnehmer den ganzen Tag über nicht lassen, sich alle paar Minuten den aktuellen Glukosewert anzeigen zu lassen. Sie sind sich sicher, dass sie mit dem neuen Messsystem (viele Kassen übernehmen bereits die Kosten) eine deutliche Erleichterung im Alltag erfahren werden. Nicht mehr regelmäßig in den Finger piksen zu müssen ist eine Sache, aber mit dem Arzt mit einer viel genaueren Datenlage über eine Therapieanpassung sprechen zu können, eine noch viel wichtigere. Beides bedeutende Faktoren für eine Steigerung der Lebensqualität – und ein neues Freiheitsgefühl.

Video: So war der Health-Day!