Geben uns Heuschrecken das bessere Fleisch?

Insekten essen
Ist es bald normal, Heuschrecken, Grillen und Co. zu essen? Und vor allem – kann das gesund sein?
Wenn sich zwischendurch der Hunger meldet, ist es Zeit für einen Snack – vielleicht aus Mehlwürmern oder Heuschrecken? Was heute noch exotisch und für viele einfach nur eklig klingt, könnte bald Alltag sein. Insekten als Nahrungsquelle – ist das gesund?

Proteinriegel aus Insekten – mit dieser Idee will das Kölner Start-up „Swarm Protein“ den Lebensmittelmarkt erobern. Unter http://swarmprotein.com/ können sich Verbraucher die Riegel, die beispielsweise aus gemahlenen Grillen hergestellt werden, bestellen. Das klingt verrückt – tatsächlich könnte Heuschrecken- und Mehlwurmfleisch aber das Fleisch unserer Zukunft sein.

Insektenfleisch schmeckt auch gut

Eigentlich ist die Ernährung mit Insekten keine Zukunftsmusik, sondern schon lange Realität – nur eben nicht in westlichen Nationen. Für die Ernährung vieler Bevölkerungsgruppen spielen Insekten schon immer eine große Rolle, über zwei Milliarden Menschen essen sie regelmäßig. Besonders in tropischen Regionen sind Käfer, Raupen und Maden begehrte Eiweißlieferanten.

Aber schmecken Insekten nicht eklig? Nein! Feinschmecker schwärmen für den nussigen Geschmack der Krabbeltiere – Mehlwürmer sollen leicht salzig, Borkenkäfer wie Pinienkerne schmecken.

Da es so manchen Westler aber beim Anblick einer gerösteten Heuschrecke einfach nur schüttelt, präsentieren Swarm Protein und andere Insektenriegel-Produzenten ihren Kunden die Tiere gemahlen und in Riegeln verarbeitet – von langen Beinen und Flügeln ist nichts mehr zu erkennen.

Insektenfleisch ist gesünder

Insektenfleisch hat eine bessere Nährstoffbilanz als die Fleischsorten, die hierzulande üblicherweise auf den Tellern landen: Die meisten Insekten haben einen deutlich höheren Proteingehalt als die eiweißreichsten Fleischsorten. 100 Gramm Speise-Grillen enthalten beispielsweise 69,1 Gramm Proteine – die gleiche Menge Rinderfilet enthält 21 Gramm Proteine, Schweinelende 22 Gramm. Zudem enthalten Insekten viele Vitamine, Mineralstoffe und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Mit 100 Gramm Raupen lassen sich beispielsweise 100 Prozent des täglichen Vitaminbedarfs und 76 Prozent des Eiweißbedarfs decken.

Insektenfleisch ist nachhaltiger

Für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch braucht man laut Angaben der Welternährungsorganisation (Food and Agriculture Organization-FAO) rund acht Kilo Futtermittel. Zum Vergleich: Für die Produktion der gleichen Menge Insektenfleisch werden nur zwei Kilo Futtermittel benötigt.

Das ist ein starkes Argument: Denn schon jetzt stoßen Land- und Wasserressourcen der Erde an ihre Grenzen und knapp eine Milliarde Menschen gelten weltweit als unterernährt. Und die Bevölkerung wächst rasant weiter – der weltweite Hunger wird zum immer größeren Problem. Wissenschaftlern zufolge ist es darum an der Zeit, den Anteil der Insekten an der Ernährung der Weltbevölkerung zu vergrößern und die Schweine- und Rinderzucht dafür einzuschränken.

Insektenfleisch ist besser für die Umwelt

Rinder haben einen maßgeblichen Anteil an der Klimaerwärmung. Der Grund: Bei ihrer Verdauung produzieren sie Methan, dass sie an die Atmosphäre abgeben. Methan ist ein Treibhausgas, das stark klimaerwärmend wirkt – so hat ein Kilogramm Methan, das sich 100 Jahre lang in der Atmosphäre aufhält, eine vergleichbare Wirkung wie 20 bis 25 Kilogramm CO2.

Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter hat sich der Anteil von Methan in der Atmosphäre nahezu verdreifacht. Zum Teil ist das auf das große Wachstum der Landwirtschaft und die Einführung der Massentierhaltung zurückzuführen: Im Jahr 2015 stammten rund 58 Prozent des deutschlandweiten Methan-Ausstoßes aus der Landwirtschaft.

Würden wir uns mehr von Mehlwürmern und Co und weniger von Rindfleisch ernähren, käme das dem Klima zugute. Denn die Zucht und Haltung von Insekten ist deutlich klimafreundlicher: Rund zehn bis zwölf Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen stammen aus der Landwirtschaft. Heuschrecken tragen dagegen nur einen Anteil von weniger als einem Prozent zur Treibhausgas-Produktion bei.