Falsches Lob macht Ihr Kind zum Schummler

EIne Mutter spricht mit ihrer Tochter
Kinder zu loben ist in Ordnung – solange das Lob richtig formuliert wird
Eltern loben ihre Kinder: Das soll den Nachwuchs ermutigen und motivieren. Doch falsches Lob kann Schaden anrichten, wie zwei aktuelle Studien zeigen.

Kinder, die für ihre Klugheit gelobt werden, tendieren eher dazu, zu schummeln. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der University of Toronto in einem Experiment. Sie ließen Drei- und Fünfjährige an einem Ratespiel teilnehmen. Wenn die Kinder bei einer Aufgabe gut abgeschnitten hatten, wurden sie gelobt – und zwar entweder mit Bezug auf ihre Fähigkeit (z.B. „Du bist aber schlau“), oder mit Bezug auf ihre Leistung in der Aufgabe (z.B. „Das hast du sehr gut gemacht“). Danach spielten die Kinder weiter das Ratespiel. Schließlich verließen die Wissenschaftler den Raum – vorher sollten die Kinder versprechen, nicht zu schummeln, indem sie sich die Antworten ansahen. In der Abwesenheit der Forscher wurden die Kinder mit einer versteckten Kamera beobachtet.

Das Ergebnis: Kinder, die für ihre Klugheit gelobt worden waren, schummelten mit höherer Wahrscheinlichkeit als Kinder, die für ihre Leistung in dem Ratespiel gelobt worden waren. Dieses Ergebnis traf auf beide Altersgruppen zu.

Chinesische und US-amerikanische Forscher kamen in einer zweiten Studie zum Thema zu einem ähnlichen Ergebnis. Bei diesem Experiment schummelten Kinder eher, wenn ihnen vorher gesagt wurde, sie hätten den Ruf, schlau zu sein.

Falsches Lob und richtiges Lob

Aber was macht den Unterschied im Handeln der Kinder aus? Co-Autorin der Studien Professor Li Zhao, erklärt, was es für Kinder bedeutet, wenn sie für eine Fähigkeit (z.B. Klugheit) gelobt werden: „(...) Sie fühlen den Druck, gut abschneiden zu müssen, um die Erwartungen anderer zu erfüllen – auch, wenn sie dafür schummeln müssen.“ Das Lob einer speziellen Leistung oder Anstrengung impliziere dagegen nicht, dass von dem Kind dauerhaft eine vergleichbare Leistung erwartet würde.

Professor Lee: „Wir wollen Kinder ermutigen, wir wollen, dass sie sich gut fühlen. Doch diese Studien zeigen, dass wir lernen müssen, Kinder richtig zu loben, also ihre spezifischen Leistungen. Nur so wird das Lob den beabsichtigten positiven Effekt haben.“ Es gilt also: Eltern und Erzieher sollten immer eine Leistung loben und nicht eine Fähigkeit beziehungsweise Eigenschaft.

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