Dieses Frühstück macht empfindlich

Marmeladenbrot
„Du bist, was du isst“ – die Wahrheit dieser Redewendung haben Lübecker Forscher in einer aktuellen Studie bewiesen. So macht uns ein kohlehydrathaltiges Frühstück empfindlicher und strenger mit unseren Mitmenschen
Unsere Ernährung hat einen Einfluss auf unser Verhalten in sozialen Situationen – das konnten Wissenschaftler in einer aktuellen Studie zeigen. Ob wir morgens zum Brötchen oder zum Rührei greifen, könnte demnach entscheidend dafür sein, wie unser weiterer Tag verläuft.

Forscher der Universitäten Lübeck, München und London beschäftigten sich in ihrer aktuellen Studie mit der Frage, ob sich die Zusammensetzung der Makronährstoffe (Kohlehydrate, Fette und Eiweiße) in unserer Nahrung auf unsere sozialen Entscheidungen auswirkt.

Kohlehydrate verstärken den Wunsch nach sozialer Bestrafung

Das Team befragte zunächst 87 Probanden danach, was sie im Detail zum Frühstück gegessen hatten. Anschließend ließen sie die Teilnehmer das sogenannte Ultimatumspiel spielen. Dabei bekommt ein Spielpartner eine bestimmte Summe Geld und den Auftrag, dem anderen Spielpartner einen beliebig großen Teil davon anzubieten. Nimmt der zweite Spielpartner das Angebot an, wird das Geld entsprechend geteilt. Lehnt er es ab, gehen beide leer aus.

Aus rein egoistischen Motiven ist es immer klüger, das Angebot anzunehmen um wenigstens eine kleine Summe Geld zu erhalten. Doch viele Menschen tendieren dazu, unfaire Angebote abzulehnen – aus einem Bedürfnis heraus, das Gegenüber für sein unsoziale Verhalten zu bestrafen.

Das Experiment ergab: Probanden, die ein kohlehydratarmes Frühstück gegessen hatten, nahmen vermeintlich unfaire Angebote deutlich häufiger (76 Prozent) an als Probanden, die kohlehydratreich gefrühstückt hatten (47 Prozent).

In einem zweiten Versuch luden die Forscher 24 Probanden an zwei Tagen zu einem Frühstück ein und ließen sie anschließend das Ultimatumspiel spielen. Zu essen gab es an einem Tag ein kohlehydratreiches Frühstück aus Brot, Marmelade und Fruchtsaft und am anderen Tag ein kohlehydratarmes Frühstück aus Schinken, Käse und Milch. Auch hier waren die Probanden „toleranter“, wenn sie zuvor kohlehydratarm gefrühstückt hatten. Sie aktzeptierten 40 Prozent der unfairen Angebote – nach der kohlehydratreichen Mahlzeit nur 31 Prozent.

Warnung vor einseitiger Ernährung

Die Ursache für das unterschiedliche Verhalten liegt laut Analyse der Forscher im Gehirnstoffwechsel. So konnten sie anhand von Blutanalysen beweisen, dass die Aminosäure Tyrosin desto weniger stark nachweisbar ist, je weniger Kohlehydrate gegessen werden. Aus Tyrosin entsteht unter anderem der Botenstoff Dopamin. Die Forscher konnten außerdem zeigen, dass Veränderungen des Tyrosinspiegels die Reaktionen auf unfaire Angebote direkt beeinflussen.

Welche Reaktion auf unfaire Angebote nun „besser“ ist, sei dahingestellt. Doch die Forscher warnen in Anbetracht ihrer Erkenntnisse vor einseitigen Ernährungsweisen wie beispielsweise der Low-Carb-Diät. Denn diese können nicht nur zu einer Gewichtsreduktion führen, sondern auch das Verhalten messbar verändern, so die Autoren.

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