Dement durch Schlaftabletten?

Dement durch Schlaftabletten
Eine neue Studie verstärkt den Verdacht, dass sogenannte Anticholinergika das Demenz-Risiko erhöhen
Eine neue Studie lässt vermuten: Menschen, die bestimmte Heuschnupfenmittel und Schlaftabletten einnehmen, haben ein erhöhtes Demenz-Risiko. Die Wissenschaftler raten, auf andere Präparate auszuweichen.

Die Meldung ist alarmierend: Freiverkäufliche Schlaftabletten und Heuschnupfenmedikamente erhöhen das Demenz-Risiko. Zu dem Ergebnis kommt eine neue Studie der University of Washington, die kürzlich in der Fachzeitschrift JAMA Internal Medicine veröffentlicht wurde.

Betroffen sind zum Beispiel die Schlaftablette Vivinox und das Heuschnupfenmittel Dormutil. Sie gehören zu einer Medikamentengruppe, vor der die Wissenschaftler warnen, den Anticholinergika. Diese hemmen die Wirkung von Acetylcholin im sogenannten parasympathischen Nervensystem. Es ist generell für Ruhe und Erholung verantwortlich. Viele dieser Medikamente werden besonders von älteren Menschen regelmäßig zum Beispiel bei Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder eben Heuschnupfen eingenommen.

Vorsicht auch bei frei verkäuflichen Medikamenten

Gerade sie warnt die Leiterin der Studie, Professorin Shelly Gray: „Sie sollten sich bewusst sein, dass auch frei verkäufliche Schlafmittel starke Effekte auf das Nervensystem haben.“ Wer sie einnähme, müsse das unbedingt mit seinem Arzt besprechen. Es sei jedoch nicht ratsam, jetzt aus Angst vor Alzheimer sofort eine Therapie zu beenden. Besser wäre es, zusammen mit einem Arzt nach einem alternativen Medikament zu suchen.

Für ihre Studie dokumentierten die Wissenschaftler über einen Zeitraum von sieben Jahren die Gesundheit von 3 434 Männern und Frauen, die zu Beginn 64 Jahre oder älter waren. Davon entwickelten 637 Alzheimer und 160 eine andere Form der Demenz.

Auch ältere Studien weisen auf eine Verbindung zwischen Anticholinergika und Demenz hin. Neu ist hingegen, dass das Team um Shelly Gray eine Dosis-Wirkungs-Beziehung nachweisen konnte. Ein sehr wichtiger Hinweis, um eine wissenschaftliche Theorie zu belegen. In diesem Fall heißt das, je mehr Anticholinergika eine Person einnahm, umso größer war ihr Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Es konnte dadurch um bis zu 54 Prozent erhöht sein.

Um ein nachweislich erhöhtes Risiko zu haben, mussten die Probanden pro Tag mindestens 10 mg Doxepin, 4 mg Diphenhydramin oder 5 mg Oxybutynin über einen Zeitraum von drei Jahren einnehmen.  Gray fügt hinzu: „Wenn ein Arzt Anticholinergika verschreibt, weil es die beste Therapie darstellt, dann sollte er die Dosis möglichst gering wählen, die Therapie genau dokumentieren und sie stoppen, sollte sie nicht effektiv sein.“ Wer die Möglichkeit hat, sollte nach ihrer Meinung auf eine Alternative ausweichen.

Diese Medikamente enthalten Anticholinergika

Doxepin ist in Deutschland in folgenden Medikamenten enthalten:

Aponal, Doxepin Stadt, Mareen,

Diphenhydramin ist in Deutschland in folgenden Medikamenten enthalten:

Betadorm, Dolestan, Dormutil, Emesan, Halbmond, Moradorn, Nervo OPT, Sediat, Sedopretten, Vivinox

Oxybutynin ist in Deutschland in folgenden Medikamenten enthalten:

Dridase, Oxybutynin STADA, Spasyt

Hamburg, 27. Januar 2015