Bulimie (Ess-Brechsucht)

Die Bulimie (Ess-Brech-Sucht) ist eine Essstörung, bei der die Betroffenen unter unkontrollierten Essanfällen leiden. Diese versuchen sie anschließend mit Erbrechen, übermäßig viel Sport, Abführmitteln oder anderen Maßnahmen „auszugleichen“, da sie meist große Angst vor einer Gewichtszunahme haben. So entsteht oft ein Teufelskreis aus Diäten, Heißhunger, Essanfällen und Erbrechen, den sie vor anderen Menschen zu verbergen versuchen.

Was ist Bulimie?

Von außen sieht man Menschen mit Bulimie ihre Erkrankung selten an: Die meisten Betroffenen haben ein ganz normales Gewicht und können ihre Essstörung gut verbergen. Dabei leiden laut verschiedenen Studien ein bis zwei Prozent der jungen Menschen in den westlichen Ländern an Bulimie. Besonders häufig betroffen sind junge Frauen zwischen 18 und 30 Jahren, aber es gibt auch bulimiekranke Männer.

Fressattacken bei Bulimie

Der ständige Blick in den Kühlschrank: Bei Bulimie leiden die Betroffenen unter oft verheimlichten, unkontrollierten Essanfällen

Der Fachausdruck für Bulimie lautet Bulimia nervosa, manchmal ist auch von der Ess-Brech-Sucht die Rede. In dieser Bezeichnung stecken bereits die beiden Hauptsymptome der Erkrankung: Bulimiekranke bekommen regelmäßig starke Heißhungerattacken („Fressattacken“), bei denen sie die Kontrolle verlieren und binnen kürzester Zeit große Mengen an Lebensmitteln in sich hineinschlingen. Anschließend versuchen sie, dies wieder rückgängig zu machen – in den meisten Fällen durch selbst ausgelöstes Erbrechen. Einige Betroffene nehmen zusätzlich Abführmittel, treiben übermäßig viel Sport oder „hungern“ über einige Tage hinweg, um die Essanfälle zu kompensieren. Tritt überhaupt kein Erbrechen auf, sprechen Ärzte von einer atypischen Bulimie oder vom Non-Purging-Typ.

Der Übergang zu anderen Essstörungen ist zum Teil fließend: Viele Betroffene entwickeln zum Beispiel aus einer Magersucht heraus eine Bulimie, manchmal auch umgekehrt. Bei Essanfällen ohne kompensierende Methoden (v. a. Erbrechen und Abführmittel) sprechen Psychologen von Binge Eating. Häufig wechseln die Schwerpunkte einer Essstörung im Laufe der Zeit. Die meisten Betroffenen haben über mehrere Monate oder Jahre damit zu kämpfen, und fast immer ist eine Therapie – oft auch mehrere Therapieansätze – notwendig, um die Bulimie zu überwinden.

Viele Bulimiekranke vertrauen sich aus Scham lange Zeit keinem Arzt oder Therapeuten an. Eine möglichst frühe und konsequente Behandlung ist allerdings sehr wichtig, denn die Ess-Brech-Sucht kann auf Dauer auch für die körperliche Gesundheit sehr gefährlich werden – vor allem für Zähne, Magen und Speiseröhre sowie die Herzfunktion.