Angst und Angststörung (Phobie)

Angst ist eine natürliche Reaktion, bei der Körper und Psyche sich auf eine mögliche Gefahr einstellen. Starke Angstgefühle können aber auch zur Belastung im Alltag werden. In diesem Fall spricht man von einer Angststörung.

Was ist Angst?

Jeder Mensch kennt das Gefühl der Angst. In bedrohlichen Situationen taucht es auf: Der Puls beschleunigt sich, der Blutdruck steigt, die Hände schwitzen. Man atmet schneller und flacher, beginnt manchmal sogar zu zittern oder einem wird übel vor Angst. Die Psyche ist in dieser Situation in einem Zustand höchster Anspannung – bereit, blitzschnell mit Kampf oder Flucht zu reagieren.

Angst oder Angststörung?

Die Angst ist ein körpereigenes Alarmsystem, das Menschen und Tieren über Jahrtausende hinweg das Überleben gesichert hat. Auch heute schützt die Angst uns davor, zu große Risiken einzugehen und mobilisiert manchmal ungeahnte Kräfte. Doch häufig empfinden Menschen auch irrationale Ängste, die sie eher blockieren: Prüfungsangst, Lampenfieber und Angst vor Spinnen sind beispielsweise weit verbreitet. Manchmal nimmt eine Angst jedoch so große Ausmaße an, dass sie den Betroffenen in seinem Alltag einschränkt so wird eine einfache Angst zur behandlungsbedürftigen Angststörung. Wenn der Betroffene immer wieder versucht, dem Auslöser der Angst aus dem Weg zu gehen, spricht man auch von einer Phobie. Eine Reihe verschiedener Fragebögen und Tests dient Ärzten dazu, festzustellen, ob Ängste und Panikattacken krankhaft und behandlungsbedürftig sind.

Angstörung kann jeden treffen

Bei einer Angststörung drehen sich die Gedanken nur noch um die Gefahr, es besteht eine starke Konzentration und Anspannung


Angststörung: ein weit verbreitetes psychisches Problem

Etwa fünfzehn Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden unter einer Angststörung. Das macht Ängste zu einem der am weitesten verbreiteten psychischen Probleme.

Welche Formen von Angst gibt es?

  • Spezifische Phobien: Menschen mit einer spezifischen Phobie haben eine übersteigerte Angst vor ganz bestimmten Objekten oder Situationen, zum Beispiel vor Spinnen (Arachnophobie), engen Räumen (Klaustrophobie) oder Spritzen beim Arzt (Trypanophobie). Dazu zählen auch soziale Phobien, bei denen die Betroffenen verschiedene soziale Situationen meiden, weil sie Angst vor anderen Menschen beziehungsweise deren Abwertung und Ablehnung haben.
  • Generalisierte Angststörung: Bei einer generalisierten Angststörung richtet sich die Angst nicht auf konkrete Auslöser, sondern es besteht eine anhaltende Angst und Sorge vor bedrohlichen Ereignissen in der Zukunft, zum Beispiel Unfällen und Krankheiten. Ist die Angstsymptomatik von kürzerer Dauer (drei statt sechs Monate), mit zwei (statt mindestens drei) verschiedenen körperlichen Symptomen assoziiert und sind die Sorgen vom Betroffenen noch kontrollierbar, spricht man statt von einer generalisierten Angststörung von einer subsyndromalen Angststörung.
  • Panikattacken: Eine Sonderform der Angststörung ist die Panikstörung. Hier leiden die Betroffenen unter plötzlich auftretenden Panikattacken, die keinen bestimmten Auslöser haben müssen. Die Angst vor den Panikattacken schränkt den Alltag oft noch weiter ein.

Welche Therapien bei Angst und Panikattacken?

Für alle drei Angstformen gelten unterschiedliche Therapierichtlinien. Bei spezifischen Phobien wird in der Regel eine Verhaltenstherapie empfohlen. Bei einer generalisierten Angststörung werden unter anderem Medikamente aus der Gruppe der SSRIs oder SNRIs (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) verschrieben. Bei einer subsyndromalen Angststörung können (Natur-)Medikamente Linderung verschaffen. Bei Panikattacken sind eine Psychotherapie und Unterstützung durch sedierende Medikamente Mittel der Wahl.

Frau mit Angst im Fahrstuhl

Menschen mit einer spezifischen Phobie haben eine übersteigerte Angst vor ganz bestimmten Objekten oder Situationen, zum Beispiel vor engen Räumen (Klaustrophobie)


Angststörung: Wann zum Arzt?

Häufig suchen die Betroffenen erst sehr spät ärztliche Hilfe, da sie glauben, vom Hausarzt nicht ernstgenommen zu werden oder vor einer nervenärztlichen Behandlung zurückscheuen. Bei innerer Unruhe, Angstgefühlen und daraus resultierenden Schlafstörungen empfiehlt sich zunächst ein Therapieversuch mit angstlösenden, pflanzlichen Arzneimitteln wie Lavendelöl. Schränkt die Angststörung den Betroffenen in seiner Lebensgestaltung ein, sollte umgehend ärztliche Hilfe gesucht werden.