Amenorrhoe – wenn die Periode ausbleibt

Ärzte sprechen von der sogenannten „Amenorrhoe“, wenn die übliche monatliche Blutung einer Frau nicht stattfindet. Erfahren Sie hier, welche Ursachen für das Ausbleiben der Periode vorliegen können, was betroffene Frauen beachten sollten und welche medizinischen Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Ursachen

Diagnose

Behandlung

Vorbeugung

Alle 28 Tage ist es soweit: Bei einer Frau setzt die monatliche Blutung ein – so steht es jedenfalls in medizinischen Lehrbüchern. Fakt ist, dass die wenigsten Frauen einen regelmäßigen Zyklus haben. Schwankungen von zwei bis drei Tagen sind vollkommen normal. Ihre Blutung tritt demnach in einem Zyklus von 25 bis 31 Tagen auf. Eine Frau muss wegen dieser Zyklusstörungen nicht zum Arzt gehen.

Anders sieht es aus, wenn die Periode zum dritten Mal infolge aussetzt oder sie bei einem Mädchen bis zum 16. Lebensjahr noch nicht aufgetreten ist. Mediziner sprechen in diesen Fällen von der sogenannten „Amenorrhoe“, dem Ausbleiben der Periode. In Deutschland sind etwa 1,5 bis drei Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter davon betroffen.

Bei der Amenorrhoe bleibt die Periode aus

Warten auf das Einsetzen der Periode: Frauen, die keine monatliche Blutung haben, leiden an Amenorrhoe

Mediziner unterschieden zwei Fälle: die primäre und die sekundäre Amenorrhoe:

  • Primäre Amenorrhoe: Bei dieser Form ist bis zum 16. Lebensjahr keine Blutung aufgetreten.
  • Sekundäre Amenorrhoe: Es gab bereits monatliche Blutungen, diese setzen allerdings zum dritten Mal infolge aus. Ein selbst durchgeführter Schwangerschaftstest ist negativ ausgefallen. Diese Form der Zyklusstörung ist häufiger als die primäre Amenorrhoe.

Stecken organische Ursachen hinter einer Amenorrhoe?

Die Ursachen für eine Amenorrhoe sind vielfältig. Mediziner unterscheiden zwischen hormonellen und organischen Gründen. Bei Ersterem wird davon ausgegangen, dass ein hormonelles Ungleichgewicht eine Amenorrhoe verursacht. In diesem Fall liegen zu viele männliche Hormone (Androgene) vor. Laut Gynäkologen ist die Mehrzahl der Zyklusstörungen auf hormonelle Ursachen zurückzuführen.

Hinsichtlich der organischen Ursachen für eine Amenorrhoe können u.a. folgende Befunde vorliegen: angeborene Chromosomenanomalien, genitale Fehlbildungen sowie Funktionsstörungen der Eierstöcke (z.B. PCO-Syndrom).

Wie unwahrscheinlich eine Schwangerschaft für die Frau ist, hängt von den individuellen Ursachen ihrer Erkrankung ab und der Möglichkeit, diese zu behandeln. Beim Geschlechtsverkehr sollte jedoch keinesfalls auf eine Verhütung verzichtet werden. Unter Umständen kommt es nämlich doch zu einem Eisprung und damit zur Befruchtung der Eizelle.

Diagnose einer Amenorrhoe: Eine Blut- und Ultraschalluntersuchung zeigt Auffälligkeiten

Zyklusstörungen sind laut Frauenärzten vollkommen normal. Wenn sich die Periode zwei bis drei Tage verspätet oder zu früh eintritt, ist das kein Grund, besorgt zu sein. Frauen sollten jedoch unbedingt in den folgenden drei Fällen medizinischen Rat aufsuchen:

Erstens: In der Vergangenheit bestand ein regelmäßiger Zyklus. Aus unbekannten Gründen setzt dieser allerdings zum dritten Mal infolge aus. Ein Schwangerschaftstest fiel negativ aus.

Zweitens: Die Patientin ist älter als 16 Jahre und hatte bisher noch nie ihre Tage.

Drittens: Die Frau hat starke Schmerzen, beispielsweise leidet sie unter Krämpfen im Unterleib.

Der Gynäkologe wird sich zunächst nach der Krankheitsgeschichte der Patientin erkundigen: Hierfür stellt er u.a. folgende Fragen:

  • Hatten Sie schon mal Ihre Periode?
  • Seit wann bleibt die Blutung aus?
  • Kann eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden?
  • Wie ernähren Sie sich?
  • Machen Sie Sport?
  • Nehmen Sie Medikamente?
  • Liegt ein Kinderwunsch vor?
  • Gibt es in Ihrer Familie ähnliche Probleme?

Als nächster Schritt folgt eine körperliche Untersuchung. Der Gynäkologe wird die Körpergröße sowie das Gewicht der Patientin abfragen, um zu beurteilen, ob Untergewicht bzw. Adipositas (Fettleibigkeit) vorliegt. Beides kann eine Amenorrhoe auslösen, weil ein hormonelles Ungleichgewicht im Körper verursacht wird.

Darüber hinaus interessieren folgende körperlichen Merkmale: Besteht eine übermäßig starke Behaarung, beispielsweise im Intimbereich, an den Oberschenkeln oder im Gesicht? Leidet die Patientin unter Akne? Auch in diesem Fall kann der Gynäkologe von körperlichen Merkmalen auf den Hormonhaushalt der Patientin schließen. Eine starke Körperbehaarung sowie Akne sind Hinweise, dass der Testosteronspiegel der Frau stark erhöht ist, sodass womöglich hierdurch keine monatliche Blutung einsetzt.

Auch Stress kann eine Amenorrhoe verursachen. Daher wird sich der Gynäkologe danach erkundigen, ob die Patientin belastenden Situationen ausgesetzt ist -  z.B. familiären Streit, Prüfungen oder Mobbing. Stress signalisiert dem Körper, dass er nicht schwanger werden sollte, da er eine Geburt im aktuellen Zustand nicht bewältigen könnte.

Besteht der Verdacht auf eine Amenorrhoe, untersucht der Gynäkologe die Patientin mit einem Ultraschallgerät

Mit einer Ultraschalluntersuchung prüft der Arzt, ob organische Ursachen für eine Amenorrhoe vorliegen, beispielsweise Fehlbildungen der Eierstöcke

Anschließend prüft der Mediziner mittels einer Ultraschalluntersuchung, ob organische Auffälligkeiten bei der Patientin vorliegen. Diese können beispielsweise dazu führen, dass das Menstruationsblut nicht abfließen kann. Durch eine Ultraschalluntersuchung kann darüber hinaus eine Fehlbildung der Eierstöcke aufgedeckt werden. Beim sogenannten PCO-Syndrom (PCOS) verharren die Eizellen in einem frühen Entwicklungsstadium, sodass ein Eisprung erschwert wird. Eine Ultraschalluntersuchung gibt Aufschluss darüber, ob hinter einer Amenorrhoe das PCOS steckt.

Neben der Ultraschalluntersuchung hat sich ein weiteres Verfahren bewährt, um organische Ursachen zu entdecken. Bei der sogenannten „Hysteroskopie“ (Gebärmutterspiegelung) wird eine Stablinse in die Gebärmutterhöhle eingeführt. Durch die Stablinse kann die Schleimhaut der Gebärmutter beurteilt werden. Sollten Myome, Polypen, Verwachsungen oder auch bösartige Veränderungen in der Gebärmutterhöhle sichtbar werden, können diese sofort entfernt werden. Parallel zur Hysteroskopie kann Gewebe entnommen und auf bösartige Veränderungen überprüft werden. Dieser Eingriff wird als „Abrasio“ bezeichnet.

Zur Beurteilung des Hormonhaushaltes der Patientin kann eine Blutuntersuchung erfolgen. Zu den damit diagnostizierbaren Hormonstörungen gehört u.a. ein erhöhter Stresshormonspiegel (Prolaktin), ein niedriger Östrogenspiegel sowie erhöhte Gonadotropin- und Androgenwerte.

Darüber hinaus wird der Frauenarzt im individuellen Fall die Funktion der Schilddrüse bzw. der Nebenniere kontrollieren. Diese können ebenfalls durch eine Über- bzw. Unterproduktion von Hormonen eine Amenorrhoe auslösen. Wenn der Verdacht auf einen Hirntumor vorliegen sollte, wird eine Computertomografie des Schädels durchgeführt. Dies ist allerdings nur selten notwendig.

Behandlung richtet sich nach Ursachen der Amenorrhoe

Bei der Amenorrhoe handelt es sich im eigentlichen Sinne nicht um eine Erkrankung, sondern um ein Symptom, dem organische oder hormonelle Ursachen zugrunde liegen. Daher müssen die Ursachen für das Ausbleiben der Periode behandelt werden. Die Heilung einer Amenorrhoe ist allerdings nicht immer möglich. Trotz intensiver Behandlung kann es vorkommen, dass die betroffene Frau weiterhin unfruchtbar ist. Bei wie vielen Frauen das der Fall ist, wurde bisher nicht medizinisch erfasst. Da Menstruationsstörungen in den überwiegenden Fällen wegen hormoneller Störungen entstehen, versprechen hormonelle Präparate den größten Behandlungserfolg.

Die Pille wird eingesetzt, um bei einer Amenorrhoe einen Zyklus vorzutäuschen

Die Pille wird häufig bei einer Amenorrhoe eingesetzt. Die enthaltenen weiblichen Hormone können einen regelmäßigen Zyklus mit monatlichen Blutungen erzeugen

Hormonelle Störungen: Sofern hormonelle Störungen eine Amenorrhoe verursachen, verschreiben Mediziner für gewöhnlich hormonelle Verhütungsmittel. Die Anti-Baby-Pille erzeugt allerdings eine künstliche Blutung und somit keine natürliche Periode. Mediziner versprechen sich durch die Verwendung dennoch zwei positive Effekte: Zum einen sollen die in der Pille enthaltenen weiblichen Hormone die fehlenden weiblichen Hormone im Körper der Patientin ersetzen und damit langfristig einen Zyklus entstehen lassen. Zum anderen soll die Patientin psychisch entlastet werden. Durch die Abbruchblutung, die durch die Einnahme der Pille entsteht, wird ihr ein Zyklus vorgetäuscht. Wird die Pille schließlich nach einem vom Mediziner vorgegebenen Zeitraum abgesetzt, tritt unter Umständen ein natürlicher Zyklus ein.

Organische Ursachen: Die Behandlungsformen bei organischen Ursachen sind vielfältig. Beim PCO-Syndrom wird beispielsweise das Medikament „Metformin“ eingesetzt, um einen Eisprung zu erzeugen.  Ist eine „Hymenalatresie“ die Ursache, bei der die Vagina komplett durch das Jungfernhäutchen verschlossen ist, wird der Mediziner eine sogenannte „Inzision“ vornehmen. Mit einem Skalpell setzt er einen leichten Schnitt in das Gewebe, sodass das Menstruationsblut aus dem Genitaltrakt fließen kann. Bei organischen Ursachen muss demnach im individuellen Fall geklärt werden, welche Form der Behandlung erfolgsversprechend ist.

Stress: Psychische Belastungen wirken über den Hypothalamus auf die Funktion der Eierstöcke. Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training können sich positiv auf den weiblichen Zyklus auswirken. Hilfreich ist es darüber hinaus, sich Ruhe zu gönnen.

Vorbeugung gegen Amenorrhoe funktioniert nur bedingt

Wer einer Amenorrhoe vorbeugen möchte, hat es nicht einfach. Auf die organischen Ursachen des Leidens hat die Frau keinen Einfluss. Die hormonellen Ursachen sind ebenfalls schwer kontrollierbar. Den Überschuss männlicher Hormone mit einer ausgewogenen fleischreduzierten Ernährung und regelmäßiger Bewegung zu senken, ist einen Versuch wert. Die seelischen Ursachen, die hinter einer Amenorrhoe stecken, kann die betroffene Frau hingegen beeinflussen. Psychische Belastungen können körperliche Beschwerden auslösen. Daher gilt: Rechtzeitig Ruhepausen einlegen und Entspannungsübungen ausprobieren.

Der weibliche Zyklus

Der weibliche Zyklus beginnt im Kopf der Frau, genauer gesagt in zwei Regionen des Gehirns: dem Hypothalamus und der Hirnanhangdrüse. Der Hypothalamus bildet das sogenannte „Releasing Hormon“. Dieses löst die Produktion zweier Hormone in der Hypophyse aus: das Follikelstimulierende Hormon (FSH) und das Luteinisierende Hormon (LH). Beide Hormone beeinflussen die Eierstöcke. FSH lässt die Eizellen reifen, während LH u.a. den Eisprung auslöst. Sofern die Eizelle von keinem Spermium befruchtet wird, löst sich die Gebärmutterschleimhaut. Bei der Frau kommt es zur monatlichen Blutung.