Allergie oder Erkältung? So deuten Sie die Symptome

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: "Mein Tipp herauszufinden, ob es sich um eine Allergie oder Erkältung handelt: Kinder mit allergiebedingtem Schnupfen 'ziehen die Nase ständig hoch', kräuseln die Nase und reiben daran, weil sie juckt. Man nennt das auch den 'Allergikergruß', weil man allergische Kinder daran so gut erkennen kann."
Erwachsene wissen in der Regel, ob sie an Allergien leiden und können die Symptome richtig einschätzen. Aber wenn bei kleinen und größeren Kindern die Nase läuft, die Augen brennen und ein Hustenreiz sich bemerkbar macht, stellt sich gerade jetzt häufig die Frage: Ist das eine Allergie oder Erkältung?

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Allergie oder Erkältung? Einen ersten Hinweis auf die Art der Erkrankung geben der Wochen- und der Tagesverlauf: Erkältungssymptome ohne Fieber oder Gliederschmerzen, die über mehr als sieben bis zehn Tage keine Besserung zeigen, können ein Anzeichen für eine Allergie sein. Auch, wenn unterschiedlich starke Symptome je nach Tageszeit beobachtet werden können, sollte an eine Allergie gedacht werden.

Allergie oder Erkältung? Der Allergiegruß verrät es

Die Art des Sekrets bei Schnupfen verrät, ob es sich um eine Allergie oder Erkältung handelt: Bei einer Allergie ist es klar, eine gelblich-grüne Färbung lässt eher an eine bakterielle Infektion denken. Kinder mit allergiebedingtem Schnupfen „ziehen die Nase ständig hoch“, kräuseln die Nase und reiben daran, weil sie juckt. Man nennt das auch den „Allergikergruß“, weil man allergische Kinder daran so gut erkennen kann.

Kind mit Allergie oder Erkältung

Allergie oder Erkältung? Wenn Sie bei sich oder Ihrem Kind eine Allergie vermuten, sollten Sie sich an Ihren Haus- oder Kinderarzt wenden. Der kann recht schnell sagen, ob die Vermutung stimmen könnte und wird einen Allergietest veranlassen

Übrigens: Warum immer mehr Menschen an Allergien leiden, ist nicht gänzlich geklärt. Wahrscheinlich spielt die verbesserte Hygiene eine Rolle. Mit vielen Keimen kommen wir nicht mehr in dem Maße in Kontakt wie früher. Wir haben weniger Haustiere und putzen mehr. Eine annähernd sterile Umgebung ist also aber nicht nur förderlich für ein Kind. So sind desinfizierende Reinigungsmittel, Waschzusätze und Seifen unter normalen Bedingungen nicht notwendig.

Organismus der Kinder muss sich mit Keimen auseinandersetzen

Es reicht, wenn die Wohnung mit gängigen Putzmitteln gesäubert wird, die Desinfektion des Spielzeugs oder der Toiletten ist nur im Falle von akuten, sehr ansteckenden Infektionskrankheiten wie Magen-Darm-Grippen sinnvoll, ebenso die Desinfektion der Wäsche. Der wachsende Organismus des Kindes muss sich mit fremden Keimen auseinandersetzen – nur so lernt er zwischen bekämpfungswerten Stoffen und solchen, die es nicht sind, zu unterscheiden. Und genau das ist bei Allergien das Problem – der Körper reagiert mit Abwehr, obwohl es nicht zu einem Kontakt mit einem potentiell gefährlichen Stoff gekommen ist.

Allergie oder Erkältung? Bei Allergie-Verdacht kann Pricktest sinnvoll sein

Wenn Sie bei sich oder Ihrem Kind eine Allergie oder Erkältung vermuten, sollten Sie sich an Ihren Haus- oder Kinderarzt wenden. Der kann recht schnell sagen, ob die Vermutung einer Allergie stimmen könnte und wird einen Allergietest veranlassen. Dieser kann als Bluttest durchgeführt werden, etwas genauer ist jedoch immer noch der sogenannte Pricktest, wo auf der Haut durch kleine Anritzungen mögliche Allergene Reaktionen auslösen.

Liegt eine Allergie vor, kann akut gut mit den sogenannten Antiallergika behandelt werden. Die neueren Präparate wie Desloratatin machen nicht mehr so müde, wie früher verwendete und sind bereits für Kinder ab einem Jahr zugelassen. Für Kinder unter einem Jahr ist Dimetindenmaleat zugelassen. Es gibt auch verschiedene Präparate, die nur lokal wirken – also zum Beispiel antiallergische Augen- oder Nasentropfen. Oft reicht ein lokal appliziertes Medikament aus, es kommt immer auf die Symptome und deren Stärke an. Auch Nasentropfen, die Kortison enthalten, können kurzfristig durchaus sinnvoll sein.

Allergie oder Erkältung?

Wenn Sie bei sich oder Ihrem Kind eine Allergie oder Erkältung vermuten, sollten Sie sich an Ihren Haus- oder Kinderarzt wenden

Bei einer Pollenallergie sollten Betroffene möglichst abends vor dem Schlafengehen duschen und auch die Haare waschen. Das reduziert die Allergenlast deutlich. Zum Lüften in der Zeit des höchsten Pollenflugs (siehe Pollenflugkalender oder auf diversen Pollenflug-Internetseiten, die die Stärke des Pollenflugs tagsaktuell angeben) sind am besten die frühen Morgenstunden geeignet, da dann am wenigsten Pollen in der Luft sind. Allerdings gilt das nur für die Stadt, auf dem Land ist es genau umgekehrt. Trocknen Sie Ihre Wäsche während Ihrer Hauptallergiesaison nicht draußen und ziehen Sie die tagsüber getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer aus. Je nach Symptomstärke sollten Sie den Aufenthalt im Freien für die Zeit der allergischen Symptome nach Möglichkeit ganz meiden.

Hyposensibilisierung zur dauerhaften Linderung der Allergie-Beschwerden

Dauerhafte Linderung – wenn auch nur mit viel Geduld und nicht immer erfolgreich – versprechen sogenannte Hyposensibilisierungen. Heute sind auch nicht mehr alle mit regelmäßigen Spritzen verbunden, bei denen das Allergen in langsam steigender Dosierung verabreicht wird und der Körper so langsam „lernt“, dass es ein tolerabler Stoff ist, der nicht bekämpft werden muss. Es gibt bei einigen Allergien (zum Beispiel Gräser oder Pollen) die Möglichkeit einer oralen Hyposensibilisierung. Hierbei wird das Allergen täglich als Tropfen oder Tabletten über die Mundschleimhaut aufgenommen.

Mädchen bekommt Allergieimpfung

Dauerhafte Linderung – wenn auch nur mit viel Geduld und nicht immer erfolgreich – versprechen sogenannte Hyposensibilisierungen

Einige Studien bescheinigen dieser Therapie – die sicherlich die angenehmere ist – sogar etwas größere Erfolgsquoten als die klassische Hyposensibilisierung mit Spritzen. Bei Kindern sind orale Hyposensibilisierungen ab dem Alter von fünf Jahren zugelassen. Diese Therapie – ob bei Kindern oder Erwachsenen – gehört allerdings in die Hände eines Allergologen oder eines mit Allergien erfahrenen Arzt. Schwere Nebenwirkungen, etwa ein allergischer Schock, sind zwar selten, aber können insbesondere in der Anfangsphase auftreten.